Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Volume
- 1875
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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— 9 — Aufmerksamkeit und das Interesse der Eltern und Kinder von den alten jüdischen Schulen und ihren Disciplinen ablenkte, desto mehr verfielen dieselben, bis sie endlich ganz verschwanden, um neuen Schulen Platz zu machen, welche den Lehrplan der deutschen Schulen sich aneigneten, zugleich aber die Lectüre der Bibel in der Ursprache und die populärsten biblischen Scholien bald auch den systematischen Religionsunterricht in denselben aufnahmen. Es ist mir nicht bekannt, ob es im Jahre 1808 außer einigen kleinen Winkelschulen hier noch vielbesuchte jüdische Knabenschulen, welche die Ziele und Lehrweise der alten jüdischen Kinderschulen befolgten, gegeben hat, dagegen hatten die im Jahre 1794 zum ersten Male hervorgetretenen Versuche, neue Schulen Zu gründen, trotz des ihnen entgegenstehenden harten Widerstandes, doch den Erfolg, daß es damals neben dem Philanthropin noch drei jüdische Privatschulen gab, nämlich: 1. Die P. I. Levy'sche Schule, deren Vorsteher in den Kreisen der hiesigen christlichen Lehrer, namentlich von Carl Ritter, wegen seiner pädagogischen Begabung sehr geschätzt war; 2. die Samuel Mayer Maas'sche Schule, welche schon 1802 gegründet worden war, endlich 3. die Jacob Sachs'sche Schule, die bedeutendste von allen. Indem nun die Schulsection an die Lösung des ersten Theiles ihrer Aufgabe, die Darlegung des bisher bestandenen Schulwesens ging, entwarf sie ein recht trauriges Bild von den alten jüdischen Schulen vor dem Jahre 1794, allein sie fand, daß auch die neueren Schuleu, so sehr sie die früheren übertrafen, nicht das leisteten, was gute Schulanstalten leisten sollen, denn „alle diese Schulen", so äußern sich die Herren der Schulsection, „unterrichten zwar die Zöglinge in der hebräischen, deutschen und französischen Sprache, in der Geschichte, Geographie und im Rechnen, allein sie arbeiten nicht auf das hinaus, worauf vorzüglich hinzuarbeiten ist, nämlich: auf die verschiedene religiöse und politische Bestimmung der Zöglinge in der menschlichen Gesellschaft und im Staate. Die künftige Bestimmung der Zöglinge, die in allen Schulen das Wesentlichste ist, worauf hingearbeitet werden muß, wenn die Schulen der Menschheit und dem Staate nützen sollen, ist dort nicht Hauptzweck, daher lernen auch alle männlichen Zöglinge, ob sie Kaufleute oder Handwerker werden sollen, eins und dasselbe, und oaher für ihre künftige Bestimmung entweder zu viel oder zu wenig. Der Kaufmann wurde durch jene Gegenstände noch lange nicht mit allen seinem Berufe nöthigen Kenntnissen versehen, der Handwerker hingegen lernte auf der einen Seite mehr, als seinem Berufe angemessen war und zu wenig zu seiner wirklichen Bestimmung." Ein anderer Mangel sei, daß diese Schulen und ihre Lehrart einzig von der Willkür ihrer Schulinhaber abhingen, dann daß sie bei einem durchschnittlichen Schulgelde von 100 bis 200 fl. jährlich zu kostspielig, daher den Reichen lästig, dem Mittelstande drückend und dem ärmeren Stande ganz unzugänglich seien. Endlich sei durch dieselben für die Erziehung der weiblichen Jugend gar nicht gesorgt. Diesen Mängeln könne nur abgeholfen werden durch eine allgemeine Schule für die jüdische Gemeinde, in welcher. Knaben und Mädchen in gesonderten Abtheilungen unterrichtet werden und wo alle Lehrer nach einem festgesetzten Plaue arbeiten; nur eine solche Schule sei „das beste, kräftigste und zulänglichste Mittel, Einförmigkeit im Charakter aller und Übereinstimmung in religiöser und politischer Denkungsart hervorzubringen". Die Schulsection unterließ nicht, einen Unte^x. ichts plan für diese allgemeine Schule vorzulegen. Dieselbe sollte 5 Klassen mit je zwei Jahreskursen enthalten, welche die Kinder vom 2