Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Volume
- 1875
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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„Ueber einen auszumittelnden Schulfond und dessen Zuflüsse hat der jüdische Gemeindevorstand mit dem fürstlichen Commissair der Schul-Curatel Vorschläge zu machen und diesen Gegenstand mit derselben zu reguliren. Es sind hierzu die bei der jüdischen Gemeinde schon vorhandenen Stiftungen mit zu verwenden". Mit der Ausführung dieses Gesetzes wurden seine geistigen Urheber beauftragt. Eben dieses Gesetz, die StäLtigkeit, hatte der Verwaltung der Gemeinde eine neue gesetzlich geregelte Organisation gegeben und der Fürst Primas berief in die Verwaltung eine Reihe tüchtiger Gemeindemitglieder, vor Allem Jakob Süßkind Stern, einen Mann, der hier schon lange für eine verbesserte Erziehung der israelitischen Jugend thätig gewesen war, dessen Pläne bis dahin immer an dem Widerstande der rabbinischen Partei gescheitert waren,*) der nun aber dieselben mit Hilfe der Negierung rücksichtslos zu verwirklichen entschlossen war. Am 8. Mai 1808 constituirte sich der neu gebildete Gemeindevorstand. Er theilte sich in vier Sectionen, deren eine sich mit den Schill-, Studien-, Stipendien- und Wohlthätigkeits-Angelegenheiten zu beschäftigen hatte. In diese Section trat I. S. Stern ein, neben ihm Joseph Pfungst, der auch zu den Vorstehern des Philanthropin gehörte, und HerzLoeb Getz. Als ihre Aufgabe, soweit dieselbe das Schulwesen betraf, wurde zunächst bezeichnet: „eine Darlegung des bisherigen Zustandes der älteren, sowie der neueren Schulen und die Entwerfung eines Planes zur Verbesserung derselben." Die Section hielt ihre erste Sitzung am 8. Mai 1808. Sie forderte, unter der Autorität des Ober-Polizeidirectors von Jtzstein, welcher die Stelle eines fürstlichen Special-Commissarius für die israelitischen Angelegenheiten bekleidete, sofort sämmtliche hier bestehenden israelitischen Schulen zu schriftlicher Berichterstattung über ihre Verhältnisse auf. Neben den Talmudschulen für Erwachsene gab es hier, wie in allen jüdischen Gemeinden, von jeher auch Schulen für die Kleinen, in welche die Knaben schon in ihrem zartesten Alter geschickt wurden. Auch in diesen Schulen waren indessen die hebräische Bibel, die Scholien zu derselben und der Talmud die einzigen Unterrichtsgegenstände: die jüdische Schule stand nicht wie die christliche in der ausschließlichen Pflege und Obhut der Geistlichkeit, weil es ja im Judenthum einen geistlichen Stand gar nicht gibt, aber wie das Lernen als eine gottgefällige Handlung angesehen wurde, so stand sie ausschließlich im Dienste der Religion, den Forderungen des praktischen Lebens zu genügen lag nicht in ihrer Aufgabe. Indessen wurden jene Forderungen doch unabweisbar und aufgeklärte Eltern fingen an, denselben durch ausgedehnten Privatunterricht, den sie ihren Kindern im Lesen, Schreiben, Rechnen und im Französischen ertheilen ließen, zu entsprechen. Das geschah schon in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts hier in Frankfurt ziemlich allgemein^). Je mehr dieser Privatunterricht in den Vordergrund trat und die *) Siehe Einladungsschrist von 1669, S. 22. ^) /,Jhr lasset ja größtentheils Eure Kinder im Schreiben, Lesen, Rechnen und in der französischen Sprache unterrichten, dazu müßt Ihr doch auch täglich wenigstens 4 Stunden verwenden", so heißt es in einer 1794 erschienenen Flugschrift, welche den Titel hat: „Zur Beherzigung sür jeden Menschenfreund, dem die Bildung und Veredlung der jüdischen Jugend nicht gleichgiltig ist, besonders sür die Einwohner jüdischer Nation zu Frankfurt a. M." und die zur Gründung einer Schule ausfordert. — In der lehrreichen, schonen Schrift: Joh. Georg Büchner französisch- und teutscher Schul- Schreib- und Rechenmeister zu Frankfurt«. M. vom Oberlehrer F. A. Finger (Programm der hiesigen Mittelschule 1855), begegnen wir einem „Schulstörer" Nicolaus Wertheimer, der um das Jahr 1766 des Tags 5 Stunden in Christenhäusern und 6 St.in der Judengasse hatte; „in den Juden Häußer insormirte er im Deutschen schreiben und lesen".