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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1874-01-01 · 1874 · page 35

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
Volume
1874
Date
1874-01-01
Page
– (sequence 35)
Language
German
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IRI
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— 36 — kamen dabei seine natürliche Lebendigkeit und Frische, sein scharfer kritischer Verstand, eine nicht gewöhnliche diabetische Gewandtheit und Beherrschung der Sprache, überhaupt seine reichen Geistesgaben zur Geltung und verliehen seinem Unterricht eine erweckende, anregende Kraft. Nur zu bald wurde seinem segensreichen Wirken ein Ziel gesetzt. Die Lücke, die uns sein allzufrüher Tod gelassen, ist schwer auszufüllen und wird über den Kreis der Schule hinaus auf das Schmerzlichste empfunden. Denn rasch hatte er sich hier heimisch gemacht, sich ein Haus gegründet, zahlreiche Freunde und eine allgemein geachtete Stellung gewonnen. Ihm ist ein ehrenvolles Andenken in unserem Kreise gesichert. Noch einen weiteren schmerzlichen Verlust haben wir zu verzeichnen: am 3. Februar ist unser College Heymann in Palermo gestorben. Schon den Winter 1872/73 mußte er aus Gesundheitsrücksichten in Italien zubringen. Als er im Frühjahr hierher zurückkehrte, konnte er seine Lehrthätigkeit zwar wieder aufnehmen, aber schon im Laufe des Sommers traten die Symptome seines Brustleidens wieder ein. Auf den Rath der Aerzte begab er sich im Oktober v. I. wiederum nach Italien; diesmal um nicht wieder zu uns zurückzukehren. — Benno Hey mann war zu Schulitz a. d. Weichsel am 5. Juni 1845 geboren. Er besuchte zuerst das Gymnasium, dann die Realschule I. Ordnung zu Culm a. d. Weichsel, wohin sein Vater inzwischen übergesiedelt war, und verließ dieselbe nach seiner Versetzung in die Prima, um sich auf der jüdischen Lehrer-Bildungs- Anstalt zu Berlin von 1861 bis 1865 für das Lehramt vorzubereiten. Die Beziehungen, die ich als Lehrer jener Anstalt zu ihm gewann, veranlaßten im Jahre 1869 seine Berufung an unsere Schule. Still, bescheiden, freundlich und von einer unverwüstlichen Heiterkeit des Gemüths, dabei fest und energisch, wo es galt es zu sein, unermüdlich in seiner Berufsthätigkeit, dabei immer an seiner Fortbildung arbeitend, war er das Muster eines aufstrebenden jungen Lehrers und erwarb sich bald die Achtung seiner älteren, die herzliche Freundschaft seiner jüngeren Collegen. Sein Arbeitsfeld waren die beiden untersten Klassen unserer Vorschule. Hier kam sein angeborenes Lehrertalent zu reicher Entfaltung: mit stiller Macht zog er die Kleinen an sich heran und erzog und belehrte sie in jener unnachahmlichen Weise, die nur bevorzugten Lehrernaturen eigen ist. — Er bleibt uns unvergeßlich. Loewe' s Bahre zu folgen war seinen Schülern aus Rücksichten der Pietät gegen den letzten Willen des Heimgegangenen versagt, Heymann ruht in fremder Erde. Wir haben Sonntag, 1. November und dann wieder Montag, 9. Februar in der letzten Vormittagsstunde unsere Zöglinge versammelt und ihnen und uns das Andenken der Heimgegangenen erneut. Es gereicht uns zur Genugthuung zum Schluß auch Erfreuliches berichten zu können. 1. Unser College, Herr Louis Müller, hatte seine Schreibvorlagen und Schriften von zusammen elf Klassen unserer Schüler und Schülerinnen aus dem Jahre 1872/73 in die Wiener Weltausstellung gesandt und es wurde ihm für Beides das Anerkennungsdiplom zu Theil. In dem officiellen Ausstellungsbericht (Theilbericht der Gruppe XXVI S. 17) heißt es: „Schreib Methoden. Wie in allen Fächern des Volksschul-Unterrichtes war das deutsche Reich auch mit vielfachen Methoden für den Schreibunterricht auf unserer Weltausstellung vertreten. An die Spitze sämmtlicher Aussteller dieses Unterrich.tszweiges stellen wir unbedingt die Schreibvorlagen von Louis Müller aus Frankfurt a. M., dessen vortreffliche Methode nur von dem außerordentlich schönen Formgeben der Schrift selber übertroffen wird. Die Resultate seiner Methode, die in den Schülerarbeiten und Kalligraphien seiner Zöglinge vielfach zum Ausdruck gelangten, sind

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