Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Volume
- 1874
- Date
- 1874-01-01
- Page
- – (sequence 34)
- Language
- German
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— 35 — Am 6. Juni verschied zu Paris und wurde hier am 11. Juni zur Ruhe bestattet Herr B. H. Goldschmidt. Er gehört zu den größten Wohlthätern unserer Schule, zu der er vorübergehend vom 1. Januar 1840 bis 1. Januar 1842 als Vertreter des Gemeinde-Vorstandes im Schulrathe auch amtliche Beziehungen hatte. Wir haben seiner am Schluß dieser Blätter noch besonders zu gedenken. Am 13. Juni v. I. starb Herr Simon Michael Maintz, desgleichen am 18. December v. I. Herr Daniel Sylvestro Sichel. Dieser war von April 1842 bis April 1848, Jener von da an bis April 1854 Mitglied des Schulraths. In die Amtszeit des sel. Herrn Sichel sällt der Bau unseres Schulhauses, über dessen zweckmäßige Ausführung er mit großer, von Sachkenntniß unterstützter Mühewaltung gewacht hat, wie er denn auch später bei jeder Gelegenheit seine Anhänglichkeit an unsere Schule gern bethätigte. Beiden Männern hat die Schule in dankbarer Erinnerung durch den Unterzeichneten einen ehrenden Nachruf gewidmet. Am 3. October v. I. verschied im drei und achtzigsten Lebensjahre der ehemalige Lehrer unserer Schule, Herr Vuaillet Des Oostes. Obgleich er bereits länger als zehn Jahre emeritirt war und schon lange in völliger Zurückgezogenheit lebte, so bewies doch die Theilnahme, die sein Tod in weiten Kreisen erweckte, und die überaus große Anzahl ehemaliger Schüler, die ihn mit uns zu Grabe geleiteten, wie nachhaltig die Wirkung seiner mehr als vierzigjährigen Lehrthätigkeit an unserer Schule war. Als wir am 6. October v. I. der Bahre Des Oostes' folgten, der im hohen Greisenalter abberufen worden war, drohte uns schon der Verlust eines noch in der Blüthe des Mannesalters stehenden Collegen. Am 18. September war Herr vr. Loewe, der anscheinend völlig gesund und in gewohnter Frische von 8—9 Uhr unterrichtet hatte, in der darauf folgenden Stunde, mitten im Unterricht plötzlich von einem Schlaganfall getroffen worden. Nur vorübergehend erholte er sich wieder, bald schwand jede Hoffnung auf Genesung, in der Nacht vom 22. zum 23. October ward er uns durch den Tod entrissen. — vr. Loewe war der Sohn des noch jetzt im Amte stehenden, im Kreise der Berufsgenossen durch seine umfassende talmudische Gelehrsamkeit bekannten Rabbiners zu Ratibor. Hier war er am 1. Mai 1831 geboren. Kaum 17 Jahre alt bezog er, nachdem er das Gymnasium seiner Vaterstadt absolvirt, im Frühjahr 1848 die Berliner Universität, an welcher er Anfangs Orientalin studirte, bald aber der Philosophie und der klassischen Philologie sich zuwandte, um sich für die Laufbahn eines Gymnasiallehrers vorzubereiten. Aber als er seine Universitätsstudien beendigt hatte, war jüdischen Schulamtskandidaten der ihnen 1848 so verlockend geöffnete Zugang zu dem Lehramt an höheren Unterrichtsanstalten bereits wieder verschlossen und nur um den Preis des Religionswechsels nahbar. Die Raumersche Reactionsepoche hat in den Kreisen jüdischer Studirender vielfach unheilvoll gewirkt, sie schuf Apostaten der Wissenschaft und Renegaten des Glaubens. Loewe war völlig mittellos, er sah nach und nach alle Genossen seiner philologischen Studien in eine Lebensthätigkeit eintreten, zu der seine sehnlichsten Wünsche ihn hinzogen, aber — zu seiner Ehre sei es gesagt — in keinem Momente schwankte seine Treue. Zehn Jahre lang lebte er unter mannigfachen Entbehrungen und Kämpfen als Privatlehrer, dann war er 1^/2 Jahre Lehrer an der Knabenschule der jüdischen Gemeinde zu Berlin, darauf etwa 2/4 Jahre an dem jüdisch-theologischen Seminar zu Breslau, bis er endlich im November 1864 an unserer Schule, der einzigen ihm damals zugänglichen Realschule Deutschlands, eine ihm erwünschte Stellung gewann. Seine Lehrthätigkeit concentrirte sich hier, namentlich in den letzten 6 Jahren, auf den deutschen, geschichtlichen und geographischen Unterricht in den oberen Klassen. Neben vielseitigen Studien und Erfahrungen 5-i-