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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1874-01-01 · 1874 · page 33

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
Volume
1874
Date
1874-01-01
Page
– (sequence 33)
Language
German
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IRI
…/9643684-3089706--0440-3090242
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— 34 — jüdischen Familien. Vier und dreißig Jahre lang Lehrer (von 1830 bis 1864), dann, nach seinem unter Verzichtleistung auf Pension erfolgten Eintritt in den Ruhestand, bis zuletzt Mitglied des Gemeinde-Vorstandes und dessen Deputirter im Schulrath, bildete die Schule fast drei und vierzig Jahre lang den Mittelpunkt seiner Lebensthätigkeit. Was er als Lehrer seinen Schülern und Collegen gewesen, darüber mag am besten der Mann sprechen, der ihn noch in voller Kraft an der Schule hat wirken sehen. In dem Programm unserer Schule vom Jahre 1864 berichtet der sel. Direktor Stern Folgendes: „Mit dem Abschluß des gegenwärtigen Schuljahres verliert die Anstalt einen ihrer ältesten und bewährtesten Lehrer, Herrn Le opold Beer, der nach 34jähriger segensreicher Wirksamkeit an unsrer Schule sich veranlaßt gefunden hat, diese Wirksamkeit aufzugeben und sich ins Privatleben zurückzuziehen. So herzlich wir uns mit ihm freuen, daß es ihm vergönnt ist, sich vor Abnahme seiner Manneskraft von den Mühen seines schweren Berufs frei zu machen und sich einer selbstgewählten freien Thätigkeit hinzugeben, so sehr bedauern wir für unsre Schule den Verlust einer so tüchtigen und bewährten Lehrkraft, für uns das Scheiden eines uns allen so lieb und Werth gewordenen Collegen aus unsrer Mitte. Der hingebende und rastlose Eifer, mit dem er jederzeit allen seinen Berufspflichten oblag, die lebendige Frische und Wärme, mit der er seinen Unterricht ertheilte, die wohlwollende Freundlichkeit und der sittliche Ernst in dem Verkehr mit seinen Zöglingen, haben ihm in hohem Grade die Liebe und Achtung derselben und einen unverkennbaren Einfluß auf ihre sittliche EntWickelung gewonnen. Die anspruchslose Schlichtheit und Geradheit seines Wesens, die ungeschminkte Freundschaft und Herzlichkeit, die er im täglichen Umgang mit seinen Collegen, die Umsicht und das allseitige Interesse, das er in gemeinsamen Berathungen mit denselben an den Tag legte, haben ihn uns allen lieb und Werth gemacht. Es ist ihm ein dauerndes und ehrenvolles Andenken bei seinen Schülern, bei seinen Amtsgenossen und in der Geschichte unsrer Anstalt gesichert. Möge ihm seine körperliche und geistige Frische wie bisher noch lange erhalten bleiben. Er wird auch nach dem Rücktritt von seiner amtlichen Wirksamkeit nicht aufhören, sein lebhaftes Interesse unsrer Schule und den Angelegenheiten des Gemeinwohls zuzuwenden." Diese Voraussetzung hat sich erfüllt. In den Gemeinde-Vorstand berufen, widmete er insbesondere den Schul- und Cultusangelegenheiten seine Aufmerksamkeit; er hatte, um nur Eines zu erwähnen, Anlheil an den Berathungen, aus denen das i. I. 1870 von vr. A. Geiger herausgegebene Gebetbuch hervorging. Als Delegirter des Gemeinde-Vorstandes im Schulrath, war er ein einsichtsvoller Förderer aller Interessen unserer Schule. Vom Schulrath wurde er zum Vorsitzenden der Verwaltung der Creizenachstiftung bestimmt und hatte als solcher Antheil an dem Abschluß der Statutenrevision dieser Stiftung, bei deren Gründung er schon thätig gewesen war und deren Verwaltung er schon von 1843—64 ununterbrochen angehört hatte. — Auch anderen, Bildungszwecken dienenden Instituten widmete er bereitwillig seine Kraft. So übernahm er die Leitung des hier bestehenden Vereins zur Beförderung der Handwerke unter den israelitischen Glaubensgenossen und erwarb sich als Vorsitzender des unter dem Namen „Achawa" bestehenden „Vereins zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer - Wittwen und Waisen in Deutschland" die wesentlichsten Verdienste um denselben. In seiner Muße war er ein viel beschäftigter Mann und es schien, als habe er seine Versetzung in den Ruhestand nur nachgesucht, um desto ungestörter seinem Hange, in freier Neigung dem allgemeinen Besten zu dienen, genügen zu können. So hat er sein Leben wohl angewandt und unsere Schule, unter deren Lehrern er seine besten Freunde hatte, unsere Schule, die ihn bis zuletzt unausgesetzt beschäftigte, deren Angelegenheiten er nicht anders wie die eigensten Familienangelegenheiten behandelte, bewahrt sein Andenken in der Reihe der trefflichen Männer, die dazu beigetragen haben, sie zu heben und ihr eine würdige Stellung zu wahren.

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