Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Volume
- 1874
- Date
- 1874-01-01
- Page
- – (sequence 32)
- Language
- German
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I. s ch u l n a ch r i ch t e n. ^. Chronik. Aus der Chronik des vorigen Schuljahres ist Folgendes nachzutragen. Am 21. März v. I. fand in unserer Schule eine Vorfeier des Geburtstages Sr. Maj. des Kaisers und Königs Statt. Die Festrede, welche der Unterzeichnete hielt, behandelte, anknüpfend an eine Darlegung der charakteristischen Unterschiede des mittelalterlichen und des neuen deutschen Kaiserthums, die deutschen Einheitsbestrebungen in unserem Jahrhundert und deren glorreiche Erfüllung durch König Wilhelm. Am Schluß der Schulprüfung, am 3. April v. I., vereinigten sich das Lehrer-Collegium und mehrere Mitglieder des Schulraths in hergebrachter Weise zu einem Festmahle. Diesen Anlaß benutzte der Schulrath, um den kurz vorher von einer mehrmonatlichen Krankheit genesenen Collegen, Herrn vr. B. Lehmann zu beglückwünschen und ihm in ehrender Anerkennung seiner dreißigjährigen verdienstvollen Lehrthätigkeit an unserer Schule eine Adresse und eine Ehrengabe zu überreichen. In gleicher Weise wurde am 4. Juli unser College, Herr Allenberg er, aus Anlaß seines 25jährigen Jubiläums an unserer Schule von dem Schulrath unter herzlicher Theilnahme des Lehrer- Collegiums ausgezeichnet. Am Schluß der Schule vor Beginn der Sommerferien schied, aus Anlaß ihrer Verheirathung, Fräulein Rosalie Stiebel (jetzt Frau Essinger in Ulm) aus unserm Collegium, nachdem sie mit dem ihr eigenen seltenen Lehrgeschick in liebevoller, gewissenhafter Hingebung an ihren Beruf länger als elf Jahre segensreich an unserer Schule gewirkt hatte. Die Anerkennung des Schulraths, die Hochachtung des Lehrer-Collegiums, die Liebe und Dankbarkeit ihrer Schülerinnen, von denen ihr bei ihrem Scheiden sichtbare Beweise zu Theil wurden, sind ihr in ihren neuen Lebenskreis gefolgt. Ein treues, dankbares Andenken bleibt ihr in unserer Schule gesichert. Eine Schule, welche wie die unsrige, seit 70 Jahren in der Mitte einer großen Gemeinde stehend, sich von Anfang an des Vorzuges erfreut hat, von den besten Männern der Gemeinde thätig gefördert zu werden, hat nach dem Gange der menschlichen Dinge in ihre Chronik nicht eben selten einen Nekrolog aufzunehmen. Diesmal haben wir besonders schmerzliche Verluste zu verzeichnen. Am 9. Mai v. I., dem Todestage des sel. Direktors Stern, starb Herr Leopold Beer. Er war hier in Frankfurt am 31. Juli 1804 geboren und entstammte einer der ältesten hiesigen 5