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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1873-01-01 · 1873 · page 8

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
Volume
1873
Date
1873-01-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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bietet. Allein bei alledem ist doch zwischen ihnen und der Schule ein Verhältniß, wie etwa zwischen zwei Menschen, von denen der Eine nur durch ein von außen gekommenes Gebot der Noch' wendigkeit dem andern zugeführt worden ist und durch äußere Vorthelle verbunden bleibt: droht irgend eine auch nur scheinbare Collision der Interessen, so tritt eine Verstimmung ein. Schon ein den Erwartungen der Eltern nicht entsprechendes Zeugniß führt zuweilen zu Betrachtungen über Parteilichkeit, jeder Tadel verletzt, und wird gar die auf Versetzung des Sohnes gerichtete Hoffnung der Eltern getäuscht, so hat die rücksichtslose Strenge der Lehrer dem Sohne ein Jahr seines Lebens geranbt. Wenn Eltern auf diese Weise Alles was die Schule bietet mit dem Maßstabe des materiellen Nutzens messen, wenn sie dem entsprechend alle Maßregeln der Schule günstig Der ungünstig beurtheilen, je nachdem sie ihnen bequem oder unbequem sind, dann ist zwischen ihnen und der Schule ein wirkliches Einverständmß, ein ersprießliches Zusammenwirken nicht möglich. Denn was sie wollen und als Ziel der Schulbildung ansehen, ist in Wirklichkeit von untergeordneter Bedeutung gegenüber der wahren Aufgabe der Schule. Die Schule nämlich will nicht etwa blos die Jugend mit nützlichen Kenntnissen und Fertigkeiten ausstatten, sie will wahrhaft gebildete Menschen erziehen, ihre wahre Aufgabe besteht nicht darin, ihre Schüler für einen bestimmten Beruf, sondern für das Leben überhaupt vorzubereiten, sie selbstständig zu machen, nicht etwa blos in dem Sinne, daß sie für ihr äußeres Fortkommen zu sorgen, sondern in der tieferen Bedeutung, daß sie als selbstständig denkende und vernünftig handelnde, als sittlich gute und wahrhaft freie Menschen ihre Lebensaufgabe richtig zu begreifen und zu erfüllen im Stande wären; nur an den Schülern glaubt sie das Rechte gewirkt zu haben, die bei ihrem Austritt aus der Schule mit der Kraft und dem Willen ausgerüstet sind, sich selbst zu erziehen, d. h. unausgesetzt an der eigenen Vervollkommnung zu arbeiten, die etwas von jener Lebensweisheit in sich aufgenommen haben, durch welche Alles, was das Leben uns bringt, das Gute wie das Böse, uns eine Quelle der Veredlung wird. Ist es aber nicht auch die erste und höchste Pflicht der Eltern, die Kinder, die ihnen Gott gegeben, zu möglichst vollkommenen Menschen zu erziehen? Ganz gewiß! Und so wenig steht das, was sie sollen und wollen mit dem höchsten Zweck der Schule in Widerspruch, daß sie, je nach ihrem Bildungsgrade, mit klarerem oder dunklerem Bewußtsein, gerade deshalb ihre Kinder der Schule übergeben. Aber wie uns im Drange des Lebens oft genug die Ideale entschwinden, so geschieht es auch, daß manche Eltern nur zu bald vergessen, mit welchen Hoffnungen sie die ersten Zeichen geistiger Regsamkeit ihrer Kinder erfüllt, mit welchen Erwartungen sie dieselben auf dem ersten Wege zur Schule begleitet haben. Wenn die langsame Fassungskrast oder Gründe, die oft in der körperlichen Entwicklung der Kinder liegen, oder sonstige störende Einflüsse das regelmäßige Fortschreiten ihrer Kinder hemmen, dann sind sie nicht immer geneigt, der Natur zu gehorchen und ihren Kindern Zeit zur Sammlung und Kräftigung zu gönnen, überhaupt den Ursachen jener Hemmungen nachzugehen und sie mit Geduld und nachhaltiger Energie zu beseitigen. Vielmehr pflegen sie nicht selten nur allzu rasch ihre Anforderungen an die Leistungen ihrer Kinder über die Gebühr herabzustimmen und, die irrigen Wünsche ihrer Söhne sich aneignend, ihre Anforderungen an die Schule schließlich daraus zu beschränken, daß sie, so zu sagen mit mäßigen oder gar geringen Abschlagszahlungen zufrieden, ihre Söhne von Jahr zu Jahr in eine höhere Klasse befördere. Die Schule aber darf ihre ideale Aufgabe nicht aus den Augen verlieren, sie muß gegenüber solchen Eltern, die oft von Eitelkeit geleitet und von den begreiflichen, aber darum doch nicht minder widersinnigen Wünschen ihrer Söhne beeinflußt werden, eine leitende Stellung einnehmen, L

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