Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Volume
- 1872
- Date
- 1872-01-01
- Page
- – (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9643684-3089700--0332-3090132- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 50 — mal, von 1842 bis 1850, dann wieder vom April 1851 bis April 1857 Mitglied des Schulraths; in die erste Epoche fällt der Schulbau, in die zweite die Berufung des sel. Directors Stern. Als Schulrath war er eine Zeitlang mit der Führung der Schulkasse, dann mit dem Amt eines Oeconomen betraut. Der jüngere, Emanuel (geboren 18. Juni 1802, gestorben 11. Juni 1871) war, wie erwähnt, in verschiedenen Gemeindeämtern, aber niemals im Schulrath thätig. Eine wie warme Theilnahme er aber unserer Schule widmete und wie sehr ihm die Förderung der Iugendbildung am Herzen lag, hat er nicht bloß durch die Fürsorge bewiesen, die er während seines Lebens armen Schulkindern zuwandte, sondern ganz besonders durch seine letztwilligen Verfügungen. In dem vom 25. März 1865 datirten Codizill seines Testamentes hat er Folgendes angeordnet: „Ich vermache der Real- und Volksschule der hiesigen israelitischen Gemeinde ein Kapital von Zwanzig Tausend Gulden zum Behuf der Gründung von Freistellen an derselben und lege dieser mit diesem Kapital zu gründenden Anstalt zu Ehren meines seligen Bruders, welcher eine viel jährige Thätigkeit dem Wohle dies er Schule gewidmet hat, den Namen: David und EmanuelHöchberg 'sche Stiftung bei. Das Kapital dieser Stiftung soll nicht angegriffen, und^nur die daraus erzielten Zinsen für eine entsprechende Anzahl von Freistellen verwendet werden. Die Freischüler, für welche das Schulgeld zu entrichten ist, sind auch mit den nöthigen Schulbüchern und allen erforderlichen Materialien aus Stistungsmitteln zu versehen. Das erwähnte Stiftungskapital ist nicht mit dem Vermögen der Real- und Volksschule zu vereinigen, sondern durch eine besondere Administration zu verwalten. Als Mitglieder dieser Administration bestimme ich je einen Deputirten des Vorstandes und des Ausschusses hiesiger israelitischer Gemeinde und des Schulraths der Real- und Volksschule sowie den jeweiligen Director derselben, welche zusammen nach Stimmenmehrheit zwei Gemeindemitglieder cooptiren. Der Wechsel der drei erstgenannten Mitglieder erfolgt nach der Bestimmung ihrer betreffenden Gremien, Von den Gemeiudegliedern tritt alle drei Jahre eins aus und zwar das älteste im Amte oder bei gleichem Amtsalter das durch's Loos bestimmte. Das so austretende Mitglied ist für die nächste Zeit nicht wieder wählbar. Die Administration verwaltet das Kapital auf die sicherste Weise, und zwar durch Anlegung desselben auf gute erste hiesige Jnsätze, bestimmt die Zahl der Freistellen, wühlt nach freiem Ermessen die Freischüler aus den angemeldeten Kindern hiesiger israelitischer Gemeindeangehöriger, überwache dieselben, und ist zu deren Entlassung aus der Schule befugt. Sie legt jährlich dem Gemeindevorstand Rechnung ab und erstattet, so oft sie es angemessen findet, öffentlichen Bericht. Bei der Aufnahme von Freischülern sind Verwandte von mir und nach denselben Verwandte meiner Ehefrau Lea, genannt Helene Höchberg, geb. Oppenheim bevorzugt, jedoch nur während eines Zeitraumes von vierzig Jahren nach meinem Ableben. Nach dieser Zeit, sowie bei nicht mir oder meiner Frau verwandten Bewerbern um Freistellen, giebt nur die bessere Befähigung bei der Wahl der Schüler den Ausschlag." In einem späteren Codizill vom Mai 1871 hat er das Stiftungskapitäl um 10,000 fl. erhöht und bestimmt, daß dem Director der Realschule für seine Bemühungen jährlich 100 fl. bezahlt werden. ^) Den Bestimmungen des Testamentes entsprechend wurden im August v. I. Seitens des Gemeinde- Vorstandes, Ausschusses und Schulrathes die Herren V. Horkheim er, Adolph Doctor und Gotthelf Binge zu Mitgliedern der Administration der David und Emanuel Höchberg'schen Stiftung ernannt und nachdem diese, im Verein mit dem Director, die Herren Leopold Höchberg und!) Vergleiche noch über ihn das Programm unserer Schule vom Jahre 1663 S. 46 u. 47. «) Unserer Creizenach-Stiftung hat der sel. E. Höchberg 500 fl., dem hiesigen israelitischen Frauen- Verein hat er 20,000 fl. und außerdem verschiedenen anderen hiesigen milden Stiftungen 26,000 fl. letztwillig zugewendet.