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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1872-01-01 · 1872 · page 50

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
Volume
1872
Date
1872-01-01
Page
– (sequence 50)
Language
German
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IRI
…/9643684-3089700--0333-3090133
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— 51 — Marcus M. Goldschmidt cooptirt hatten, constituirte sich am 8. September v. I. die Administration der David und Emanuel Höchberg'schert Stiftung, erließ in hiesigen Zeitungen eine Aufforderung zur Anmeldung für Freistellen und eröffnete unter Berücksichtigung der eingegangenen Gesuche die Wirksamkeit der Stiftung mit dem Beginne des Wintersemesters durch Begründung von 16 Freistellen. Eine Erweiterung der Wirksamkeit wird mit dem Beginne des neuen Schuljahres eintreten. — Für den inzwischen verstorbenen Herrn Binge wurde Seitens des Schulraths Herr Jacob Oppenheimer zum Mitglieds der Administration ernannnt. X. Was uns fehtt. Für das gute Werk, das der selige Emanuel Höchberg geschaffen hat, kann nicht genug gedankt werden. Er hat damit sich und seinem Bruder ein schönes, bleibendes Ehrendenkmal errichtet. ES ist doch wahrlich nichts Geringes, wenn wir in der Lage sind zu constatiren, daß durch den Hinzutritt seiner Stiftung zu den ähnliche Zwecke verfolgenden Beer- und Rothschild'schen Stiftungen nunmehr für das Schulgeld und die Lehrmittel der Kinder hilfsbedürftiger hiesiger israelitischer Bürger ausreichend gesorgt ist. Durch andere von uns erwähnte Stiftungen und Zuwendungen ist im Großen und Ganzen auch für die Ausstattung der Schule mit den nöthigen Lehrmitteln gesorgt. Es darf aber dadurch nicht die Meinung erweckt werden, als sei für unsere Schule nichts mehr zu thun übrig. Diese Meinung wäre ebenso schädlich, als sie irrig ist. Von dem, was unserer Creizenach-Stiftung noch nöthig ist, haben wir oben gesprochen, hier wollen wir auf einen andern wichtigen Gegenstand, auf einen Grundmangel hinweisen: Unsere Schule besitzt gar kein Vermögen. Gegenüber den großen, jährlich sich steigernden Ausgaben für Lehrergehalte und Pensionen, für die Erhaltung und etwaige Erweiterung der Schulräume und Schulutensilien steht als einzige Einnahmequelle das Schulgeld. Es eristirt aber keine öffentliche höhere Schule, die aus den Erträgnissen des Schulgeldes allein ihre Bedürfnisse decken könnte, alle bedürfen der Zuschüsse. Unsere Schule macht hiervon keine Ausnahme, auch wir haben ein jährlich sich steigerndes Deficit. Ohne jede Subvention vom Staate oder von der Stadt sind wir mit diesem Deficit einzig auf die Gemeindekasse angewiesen. Unsere Gemeindeverwaltung hat, in richtiger Würdigung dessen, was diese Schule der Gemeinde gewesen ist und noch ist, es immer als eine Ehrensache betrachtet für dieselbe ausreichend zu sorgen. Es ist aber nicht zu vergessen, daß die Mittel, über die sie verfügt, nicht unbegrenzt sind und daß die Erhaltung und Pflege der anderen Gemeindeinstitutionen ihr gleichfalls unabweisbare Pflichten auferlegen. So ist sie pflichtmäßig in der Lage bei jeder hervortretenden neuen oder gesteigerten Forderung für die Schule prüfend und nach allen Richtungen hin abwägend zu verweilen und das Wohl der Schule nicht zur einzigen Richtschnur ihrer Beschlüsse machen zu können. Es ist nicht Mangel an Liberalität, es sind zwingende finanzielle Rücksichten, welche sich z. B. einer, den veränderten Zeitverhältnifsen auch nur einigermaßen entsprechenden Dotation unserer Lehrer entgegenstellen. Unter solchen Umständen liegt aber die Gefahr eines Rückganges unserer Schule sehr nahe. Denn das Gedeihen der Schule hängt nicht von der Liebe und dem hingebenden Eifer der Schulbehörde oder dem guten Willen des Directors, sondern einzig und allein von der Tüchtigkeit und Gewissenhaftigkeit ihrer Lehrer ab. In dem Augenblicke, in dem wir uns, gleichgültig aus welchen Rücksichten, außer Stande sehen, für eintretende Vakanzen tüchtige und bewährte Lehrkräfte heranzuziehen, müssen wir anfangen um das fernere Gedeihen unserer Schule ernstlich besorgt zu werden.

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