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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1871-01-01 · 1871 · page 33

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
Volume
1871
Date
1871-01-01
Page
– (sequence 33)
Language
German
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IRI
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- 34 - dem Ihr von dem Freunde abgefallen, zu ergreifen; Ihr, die Nichtigen, die Gottes Anblick, wenn er Euch erforschen wollte, zu Boden schlagen würde". Schon steht er riesengroß neben seinen Gefährten, wie ein Sieger unter Besiegten und wendet sich an Gott, den erfreu Kreis seiner Reden durch einen Schluß krönend, in dem sich sein edler und hoher Sinn klar und glänzend offenbart. Immer wärmer und lebendiger tritt die Frage: warum wird doch das Gute und das Böse so wenig vergolten? vor seine Seele. In dem höchsten Schwünge seines Geistes beginnt er das Unendliche, Unerklärliche zu ahnen; er schweift über die Grenzen des Erdenlebens hinaus, seine Hoffnung trägt ihn bis zu jenem Bereich, wo andere Menschen sich mit der dumpfen Ruhe des Nichtseins begnügen. Ueber seinen eigenen Schmerz erhaben, scheint er nur den Schmerz des ganzen menschlichen Geschlechts in seiner Brust zu fühlen. Der Mensch, so klagt er: „Der Mensch, vom Weib geboren, Ist arm an Tagen, aber reich an Gram.Z Wie eine Blume sproßt er und verwelkt, Und wie ein Schatten flüchtig, weilt er nimmer. Auch darauf senke deinen Blick herab. Und laß mich mit dir rechten! Ach, harrte doch des Guten mit dem Schlechten nicht Das gleiche Loos!" .... So wird Hiob immer höher und erhabener; die Freunde anfangs immer heftiger, verstummen mehr und mehr, bis endlich Zovhar, der selbstzufriedenste von allen, gar nichts mehr zu sagen weiß; während sich in Hiob die Ahndung göttlicher Unendlichkeit, die Ueberzeugung einer höheren Gerechtigkeit und doch wieder das Bewußtsein eigener Unschuld zu einem Kampfe bildet, der wünschend, hoffend und zuletzt vertrauend, einer höheren Lösung entgcgenstrebt. In diesem Kampfe ist er mit dem Faust des Göthe zu vergleichen, der ebenfalls über die Schranken der Endlichkeit zu einem Hohen, Unerreichbaren hinanzudringen strebt. Während aber Faust, als eine fühlende Seele unter lauter trocken Verständigen, sich unbedingt seinem Gefühle hingibt und so der Verführung zum Opfer fallend, rührt: so macht umgekehrt Hiob, über alle Verführung obsiegend und in immer schönerer, klarerer Entfaltung als ein denkender Geist unter unklaren, schwärmerischen, brausköpfischen Menschen unsere höchste Bewunderung rege. Dieses Verhältniß Hiobs zu seiner Umgebung tritt völlig deutlich hervor in Elihu, der zu Hiob etwa in dem Gegensatze steht, wie Wagner gegen Faust. Nachdem nämlich die Freunde Hiobs verstummt sind, tritt plötzlich Elihu auf, der jünger ist, als sie alle, und versucht es, den Kampf zu erneuen. Und weil er von dem, was in Hiobs Seele vorgeht, keinen Begriff, auch nicht die leiseste Ahndung hat, so ist er grade darum der allerdringendste, absprechendste und selbstzufriedenste. Er beginnt, er habe geglaubt, dem Aelteren den Vorrang lassen zu müssen, nun sehe er aber, daß Alles auf das Genie ankomme und daß Alter und Erfahrung gar nichts ausmachten. Darum wolle nun er reden; denn schon längst habe es ihn wie gährend und brausend dazu gedrängt. Er spricht dann dieselbe klügelnde Weltansicht aus, welche die Freunde geäußert, aber noch weit heftiger gegen Hiob, dem er selbst eine längere Prüfung wünscht, weil er immer noch nicht zur Besinnung gekommen sei. Indem er an einem Gewitter, welches eben heraufzieht, die Größe Gottes darthut, schließt er: „Das Licht wird nicht gesehn, Es birgt sich glänzend unter Wolken; Doch zieht ein Wind daher und klärt sie auf. Vom Himmel zuckt ein goldner Strahl, Die Hülle Gottes, hehr in seiner Pracht. Doch den Allmächtigen erblickst du nicht. Der groß an Macht und Recht ist. Und den Tugendhaften nicht verletzt. Drum fürchtet ihn, ihr Menschen! Denn auch den Weisesten schaut er nicht an."

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