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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1871-01-01 · 1871 · page 32

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
Volume
1871
Date
1871-01-01
Page
– (sequence 32)
Language
German
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IRI
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- 83 - Theil unserer Vorstellung vorschwebt, völlig verschieden. Denn das Bild, das sich die Griechen von der höchsten Vollkommenheit des Mannes machten, war eine männliche Tugend; es bestand im einem freien, tüchtigen, großartigen Sinn, in der sicheren Herrschaft über alle seine Kräfte, in dem beharrenden Gleichgewichte und dem schönen ruhigen Gleichmaße seines ganzen Wesens. Hingegen könnte man die Tugend der alten Hebräer mehr eine weibliche nennen; denn sie setzten sie in eine Empfänglichkeit für sanfte und edle Gefühle, in eine unschuldige Einsalt des Gemüths und in eine fromme Hingebung an die Gottheit; wie ja auch schon in jenem unähnlichen Brüderpaare Esau, der mehr ritterliche und darum wohl nach Begriffen unserer Zeit zuweilen vorgezogene, aber weniger sanft und edel gehaltene Charakter, des Vaters Liebling ist, Jakob aber im Gegensatze zu dem fremdartigen Wesen seines Bruders, acht national gebildet, der Liebling der Mutter. Und so ist denn Hiob ein Mann, schlicht und bieder, der Gott fürchtete und das Böse mied. . . . Dieses entsetzliche Leid, so erfahren wir, war über die Armen durch die Veranlassung des Satan gekommen. Dieses Wesen stellte sich nämlich das hebräische Volk als das Prinzip des Bösen vor. Doch darf man sich darunter keineswegs jene grinsende Bildung denken, welche in der späteren Zeit und dem Mittelalter den Namen des Satans oder des Teufels führt. Jener Satan, das Götterkind, hat durchaus keine eigentliche Lust am Bösen; sondern indem er den Keim des Bösen weckt und nährt, indem er nirgends eine Vollkommenheit, nichts Edles und Schönes gelten lassen will, vielmehr überall eine kleine Blöße, einen Mangel aufzufinden sucht, um sie der Gottheit als einen Einwurf gegen die unendliche Weisheit entgegenzuhalten, so ist sein Wohlgefallen dabei nur das über seinen eigenen Scharfsinn, der göttlichen Weltordnung gegenüber. Im Mittelalter war hingegen der Teufel, wenn ich so sagen darf, das Ideal alles Niedrigen und Gemeinen, und ein vollendeter Gegensatz zum Guten, Sittlichen und Menschlichen. Er selbst beförderte das Schlechte nach allen Kräften und seine Geschöpfe, die Heren, wirkten dabei selbst leibhastig und körperlich mit. Shakespeare, bei dem die Leidenschaften, nicht wie in dem griechischen Drama, stets als traurige Mitleid erweckende Krankheiten des menschlichen Geistes dargestellt sind, bei dem es vielmehr oft ist, als ob im Hintergrunde eine grauenvolle dämonische Macht mit einer eigenen Lust hereinschaute, welche, den Knoten schürzend, ihr unglückseliges verblendetes Opfer in das Verderben stürzt — Shakespeare hat im Macbeth die Heren den Vorstellungen seiner Zeit gemäß gebildet und zu Urhebern der Verführung gemacht, welche in diesem Stücke waltet. Die Entsetzlichkeit solcher Gestalten konnte Schiller's edles Gemüth nicht ertragen, sondern indem er sie in seiner Bearbeitung umänderte, so hat er aus einer consequent bösen Bildung eine sonderbare Mischung von Güte und Bosheit gemacht, in der man bald Shakespeare's großartige und mannigfaltige Phantasie, bald Schiller's weiche Seele wieder erkennt. Dagegen hat Göthe in dem Mephistopheles ein bewundernswürdiges Ideal des Bösen geschaffen, welches der ursprünglicheren und edleren Gestalt des Satan weit näher kömmt, und welches er sein eignes Wesen mit dm wenigen treffenden Worten schildern läßt: „Ich bin der Geist, der stets verneint". In diesem Sinne, als der Geist des Widerspruchs, handelt auch der Satan im Hiob..... Sprudelnd und tobend tritt nun Zophar, der Jüngste, zum Kampfe gegen ihn heraus. Er sagt ihm Prahlerei und Sündhaftigkeit auf den Kopf zu, beweist sie ihm aus Gottes Weisheit und Macht ganz unwiderleglich und ist doch noch zuletzt gütig genug, ihm, falls er sich bekehren wolle, ein glücklicheres und ruhiges Leben zu versprechen. Nun wandelt endlich Hiob einige Bitterkeit und Ironie gegen seine Freunde an. „Ja wahrlich" sagt er, „ihr seid Leute, mit euch geht die Weisheit zu Grab!" Das wisse er auch, fährt er dann fort, daß er allen Guten zum Gespötte werde, und es nicht ändern könne, weil Gott mächtiger sei als er. „Aber weil ich es weiß, so will ich meine Worte auch an Gott richten, und nicht an Euch, die Ihr nichts klüger seid als ich, und es dennoch wagt, Gottes Sache heimlich, trügerisch, nach- 5

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