Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Volume
- 1871
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
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- 32 - dauert. Dann soll ich sagen, ob ich austreten, oder bei ihm mein ganzes Talent, wie er sich ausdrückte, ihm widmen und es nicht egoistisch für mich benutzen wolle. Dann aber müßte ich das Studium alter Sprachen, die der Buchhändler ja doch nicht gebrauchen könne, gänzlich fahren lassen. — Diesen Brief werde ich in einen andern einschlagen, der auch an Dich und an die l. Eltern gerichtet ist, aber in einem andern Tone. Es wird mir etwas Mühe kosten, so ruhig zu schreiben, obschon ich ebenso ruhig bin, wie gewöhnlich. Schreibe mir bald und bitte auch die liebe Mutter einige Zeilen unter Deinen Brief zu schreiben, damit ich weiß, ob sie noch ebenso liebt wie früher ihren und Deinen Euch herzlich und ewig liebenden Lazarus. Bruchstücke aus einer Rede über „das hebr. Gedicht Wob, seiner Zdee und Ausführung nach entwickelt". Vorgetragen bei der Progressionsfeier des hiesigen Gymnasiums am 27. August 1847. Wenn schon an und für sich die Ausbildung der Poesie eines jeden Volkes das höchste Interesse erwecken muß, so ist die Theilnahme doch doppelt groß, wenn das Volk auf die geistige Entwickelung unseres eigenen einen bedeutenden Einfluß geübt hat. Nicht leicht aber hat eines, außer dem griechischen, solch einen Antheil an unserer Entwickelung, wie das althebräische. Darum möge es mir, verehrte Anwesende, vergönnt sein, Ihre geneigte Aufmerksamkeit einige Zeit auf eine Dichtung des hebräischen Volkes zu lenken, welche nicht nur durch die hohe dichterische Ausbildung, sondern auch durch die größere Anschließung an unsere Art zu denken und zu dichteu, am meisten zur Vergleichung auffordert. Es ist nämlich das Buch Hiob selbst in der Form unfern Kunstwerken ähnlicher als der größte Theil der hebräischen Literatur, und es scheint mir dasselbe dem, was wir unter der dramatischen Gattung verstehen, ziemlich nahe zu kommen. Denn wenn man den erzählenden Vorbericht und Schluß ausnimmt so üben darin durchgängig bestimmt gehaltene Charaktere in wechselnder Rede eine stete Wirkung auf einander, um so durch Handlung eine Idee, welche durch das Ganze geht, vor Augen zu führen. Und zwar bezieht sich diese Idee auf die Vergeltung der menschlichen Handlungen, einen Gegenstand, der dem hebräischen Volk, sein ganzes Dasein hindurch, Stoff zum beständigen Nachdenken bot, indem es dabei seinen Geist, völlig verschieden von dem griechischen, immer mehr und mehr auf ein Höheres, über die irdische Welt Hinausgehendes richtete. Wie nämlich ein frühreifer Mensch meistens weit eher zu einem ahnenden Gefühle des Großen und Hohen fähig wird, als er über sein eigenes Wesen zu völliger Klarheit gelangt und im Stande ist, sich mit der äußerern Welt in völligen Einklang zu setzen: so hatte auch die zeitigende Sonne jener Länder dem hebräischen Volk zu einer Ahndung des Göttlichen und Unendlichen, zum Beschauen und Betrachten des Übersinnlichen frühzeitig Sinn und Empfänglichkeit gegeben. Und während so der ordnende Sinn der Griechen stets darauf bedacht war sich mit der Weltordnnng in eine schöne Harmonie zu setzen; während sie Alles, was sie umgab, zu einem schönen, freien, heiteren Ganzen zu bilden suchten: so schweifte die Phantasie der Hebräer, mit der sinnlichen Welt unbegnügt, beständig in ein Reich des Unsichtbaren, der Ahndung und der Unendlichkeit hinaus. Daher finden wir zum Beispiel über die Vergeltung in der Electra des Sophocles eine völlig abgerundete, befriedigte Ansicht, indem darin gezeigt wird, wie durch eine die Geschicke der Menschen leitende höhere Fügung einer jeden That die völligste, gerechteste Vergeltung wie von selbst folge. In dem Hiob hingegen ist die Idee dargestellt, daß sich der Mensch den von Gott gesandten, wenn auch scheinbar ungerechten Schicksalen fügen soll, im Glauben an eine dem menschlichen Auge verborgene, unerklärlich waltende Gerechtigkeit. Und so bildet diese Dichtung durch die Hinweisung auf ein Unerklärliches, nach dessen Erkenntniß das menschliche Herz vergeblich ringt, einen Aufflug zu dem Gedanken der Unsterblichkeit. Um aber diese Idee zu versinnlichen, so wird in Hiob selbst ein Ideal menschlicher Tugend aufgestellt. Doch ist dieses Ideal wieder von dem, was sich die Griechen darunter dachten und was auch zum