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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1871-01-01 · 1871 · page 26

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
Volume
1871
Date
1871-01-01
Page
– (sequence 26)
Language
German
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IRI
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— 27 - Wenn es aber unzweifelhaft ist, daß die tiefste Wirkung eines Lehrers diejenige ist, die unmittelbar von seiner Persönlichkeit ausgeht, so war es sicherlich ein nicht genug zu preisendes Glück für eine Schule einen Mann, den ihrigen nennen zu dürfen, der ein abgesagter Feind aller Aeußerlichkeit und Oberflächlichkeit, des Sichabfindens mit den Pflichten, alle Beziehungen, in die er trat, alle Aufgaben, die er sich stellte oder übernahm, tief und gründlich erfaßte, der reinen Herzens, lautern Sinnes uns allen, Lehrern und Schülern, ein so edles Vorbild war. Um seine Rang- und Gehaltsverhältnisse kümmerte er sich nicht. Bei seiner Berufung im April 1861 als außerordentlicher Lehrer angestellt, datirt seine Anstellung als ordentlicher Lehrer fast acht Jahre später, vom 1. Februar 1869; seine Gchaltsverhältnisse blieben von seiner Berufung bis zu seinem Tode unverändert. Nur einmal und in den letzten Jahren wendete er sich an die Schulbehörde mit dem Ersuchen, seine Stundenzahl von 24 auf 20 wöchentlich herabzusetzen, „um seinen Studien denjenigen Raum zu gestatten, den er ihnen unmöglich entziehen dürfe." Als man ihm in Folge dessen, um seine „bewährte Kraft der Schule in dem bisherigen Umfange zu erhalten", eine nicht unwesentliche Gehaltserhöhung anbot, wies er sie zurück, schon um nicht den Schein auf sich zu ziehen, als habe er mit seinem Gesuch etwas Anderes bezweckt, als er ausgesprochen; und so willigte man in die Verminderung seiner Unterrichtsstunden. — That er so für sich gar nichts, so war er unermüdlich, wo es galt, für Andere einzutreten und das Wohl unserer Schule zu fördern. Während wissenschaftliche Obliegenheiten ihn drängten, widmete er Monate hindurch mit einem für seine Gesundheit leider nur zu großen Eifer kostbare Abendstunden der Berathung der Statutenveränderungen unserer Creizenach-Stiftung, arbeitete ein Gutachten über die uns damals beschäftigende Frage wegen Einführung eines neuen deutschen Lesebuches aus, übernahm auf meine Bitte die Abfassung einer Programmabhandlung') und blieb überhaupt keiner unsere Schule berührenden Frage fern. Nach solchem Tagewerk gehörten die Nacht und jede sonst freie Stunde seinen niemals unterbrochenen Studien. Wenn er bei so übermäßiger Anstrengung aller Geisteskräfte aus der einsamen Höhe seiner Gedankenwelt zn uns herniedersticg, durfte man keinen Augenblick vergessen, woher er kam uud wer er war. Wer ihm in solcher Stimmung etwa wie Antonio dem Tasso begegnete, lief Gefahr, mit ihm in Zweikampf zu gerathen. Nichtiger war es, sich hingebend und verständnißvoll sein Wesen und seine Bestrebungen immer gegenwärtig zu halten und dem tiefsinnigen Auge des hohen Mannes mit freundlichem Blicke zu begegnen. Wenn irgend Jemandem, so erwies sich ihm gegenüber die Wahrheit des Dichterwortcs: Die Freundschaft ist gerecht; sie kann allein Den ganzen Umfang Deines Werths erkennen. Und wie beglückte den bei allem Selbstbewußtsein tief bescheidenen Mann jedes Zeichen des Verständnisses, jedes Wort der Anerkennung selbst von denen, die geistig bei Weitem nicht an ihn hinanreichten! Der Umstand, daß er nie die Würde eines hohen Amtes getragen, nie einer gelehrten Körperschaft angehört nnd sich in Folge dessen niemals in ausschließlich gelehrten, überhaupt Dem verdanken wir die schöne Abhandlung: „die deutsche Sprache als Unterrichtsgegenstand an deutschen Schulen." Ein Separatabdruck ist in den Buchhandel gekommen unter dem Titel: Ueber deutsche Schriftsprache und Grammatik mit besonderer Rücksicht aus deutsche Schulen von L. Geiger. Frankfurt a. M. 1870. F. B. Ausfarth, 45

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