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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1871-01-01 · 1871 · page 23

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
Volume
1871
Date
1871-01-01
Page
– (sequence 23)
Language
German
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IRI
…/9643684-3089698--0238-3090037
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- 24 — zusammentrifft, die diesem Triebe die Richtung auf die vorhandene Sprache zu geben bestimmt ist, nennt zunächst, sobald es seinen Vater Papa rufen gelernt, auch andere Männer so; wenn es sodann etwa in einem jüngeren Manne seinen Onkel kennen gelernt hat, so heißt ihm jeder jüngere Mann Onkel; später wohl auch Jedermann außer dem Vater, deu es nun von Allen zu unterscheiden gelernt hat; kennt es außerdem etwa einen Knaben, der Otto heißt, so ist ihm sofort jeder Knabe ein Otto. Warum das? Macht das Kind etwa, um jeden Mann, jeden Knaben bezeichnen zu köuncn, alle Einzelbenennungen, die ihm zu Gebote stehen, zu Gattungsnamen? Gewiß nicht. Es verwechselt die andern Knaben wirklich mit seinem Otto; es ruft sie, uud ist, wenn es die Verschiedenheit der Person überhaupt bemerkt, überrascht und enttäuscht. Wenn es diese Erfahrung öfters macht, dann erst wird Otto ihm eine Art Gattungsbegriff, den es nun überall verwendet, wo iu früherer Zeit die Verwechselung bei ihm hätte eintreten können, jetzt aber, und zwar eben durch deu Besitz des Ramens, eine Zusammenfassung zu ähnlicher Erinnerung, eine Vergleichung möglich geworden ist. Auch später entwickelt sich die Kindervernunft noch zuweilen auf dieselbe Weise. Wenn ein Kind zum erstenmale Schnee sieht, uud denselben nun Federn nennt, oder Zucker: ist es dann etwa witzig? „appercipirt" es? Es verwechselt nur, und würde den Zucker wohl zu csseu versuchen. Ja es kommt auch wohl vor, daß ein ihm geläufiges Kiuderwort im Sinne einer höheren Verallgemeinerung verwendet wird, daß ihm z. B. ein Schmetterling ein Vögelchen, Blutegel Fischchen heißen; was sinnreich genannt werden könnte, wenn es nicht umgekehrt Unfähigkeit wäre, die Unterschiede zu erkennen ^). Die Vernunft die Vorbedingung der ethischen Handlungen. Was die sittliche Handlungsweise des Menschen betrifft, so ist zwar die eigentliche Triebfeder derselben nicht in der Vernunft zu sucheu; und warum sollte eiue Gattung, welche durch eine besondere Steigerung des Gesichtssinnes zur Fähigkeit der Weltanschauung gelangt ist, nicht auch zugleich nach anderer Seite hin in bevorzugtem Grade entwickelt sein können? Dennoch aber ist die Vernunft, in ihrer uus bekaunteu Abhängigkeit von dem Sprachreize, die notwendige Vorbedingung auch der ethischen Handlungen, und zwar aller formell, der meisten auch materiell. Grausamkeit und Mitleid können beide nur mitempfindenden Wesen eigen sein, Gerechtigkeit sogar nur ausgebildet Denkenden. Der Besitz des Beweglichen und ein Gefühl für dingliche Rechte sind ohne ein Bewußtsein von den Dingen und von Menschen, die uns und ihnen gegenüberstehen, undenkbar; alle Scheu vor Anderen, persönliche Ehre und das Streben danach beruhen auf dem Gefühl empfunden zu werden, Vernunftobject zu sein. Wie viele ethische Handlungen, seien sie nun vor unserem Urtheil Tugend oder Laster, bleiben somit auch uur ihrem sachlichen Inhalte nach übrig und möglich, wenn wir das von der Sprache bedingte oder mit ihr zusammenfallende Denken hinwegnehmen? In der sich selbst überlassenen Thierheil giebt es in der That auch materiell weder Gutes noch Schlechtes. Denn das Thier handelt immer nur naturgemäß, uud kann keinem anderen Maßstabe als der Naturforderung seines Individuums unterworfen werden; der Mensch hingegen verliert mehr und mehr die Richtschnur eines ihn mit Bestimmtheit leitenden Einzeltricbes, während sich in gleichem Maße seinen immer freier uud vielfältiger wirkenden Sondergelüsten der Gcsammttricb der Gattung, in Stämmen und Völkern mannigfach entwickelt, als öffentliche Meinung, Sitte und Gesetz zur Schranke und zur Norm entgegenbildet, nach welcher er beurtheilt werden muß. Und wenn auch ganz das Thier!) Ursprung der Sprache 113 ff.

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