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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1871-01-01 · 1871 · page 22

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
Volume
1871
Date
1871-01-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
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IRI
…/9643684-3089698--0237-3090036
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-23 - Und ohne sie, wesentlich von unserem gegenwärtigen verschieden sein müßte; und darum kann, während wir Bedenken tragen, einer Thätigkeit der Vernunft bei der Herstellung der Sprache einen bestimmenden Einfluß zuzuschreiben, doch eine Wechselbeziehung zwischen beiden nicht geläugnct werdeil, da die Vernunft ohne die Sprache nicht vollständig und für die Herstellung der Vernunft die Sprache nicht gleichgültig ist^). Die Sprache die Ouelle der Vernunft. Die Sprache ist Entwicklung, nicht Entartung; sie beginnt nicht mit Neichthum, Mannigfaltigkeit und Vollkommenheit, sondern mit dem geringfügigsten, unscheinbarsten Besitz. Ihr gebührt unier allen menschlichen Geistesvermögen geschichtlich der erste Rang; sie ist die Quelle der Vernunft. Aus, an und in ihr hat sich die Vernunft selbst, nach den allenthalben im Universum herrschenden Gesetzen der Causalität, langsam und naturgemäß entwickelt. Sie selbst'aber, die Sprache, ist nicht dem Ohre, dem Schalle, sondern dem Auge und dem Licht entsprungen. Nicht das brüllende Thier war es, das, Benennung fordernd, dem Menschen der Urzeit gegenübertrat, sondern die Welt offenbarte sich mit ihrem Reichthume an Gestalten und Farben der allmählich zur Erfassung ihrer Schönheit heranreifenden Seele. War der Blitz des Himmels, war die aufbrechend sich erschließende Knospe für das Ohr der jugendlichen Menschheit Explosion? Nein, nicht von brüllenden Ungethümen aufgefangen, nicht von den Schrecknissen einer in Schmetterlauten das Herz bestürmenden Natur erzwungen, entsprang jene hohe, seelenvolle Schöpfung, der Stolz des Weltalls. In ihrem Leben und Wachseu ist heiliger Friede, in stillem, geheimem Werden steigt der Saft bildend zu frischen Augen empor, und mit jeder neuen Knospe entfaltet ein Gedanke sein wunderbares Daseins. Denken und Zehen. Das Denken 'ist in Wahrheit das zweite Gesicht, es ist das Sehen des Ungesehenen, des Unsichtbaren; es reicht soweit, als die der Sprache unterliegende Wahrnehmung sich aualogischerweise ausdehnt, und haftet auch als höchste Speculation an der Wurzel des Gesichtssinnes. Uud so ist es deun gewiß nicht zufällig, daß die lichteste Klarheit des Denkens, daß ein ueu auftretender Vernunftgebranch, ein mit unglaublichem, für alle Erscheinungen geöffnetem Scharfblick begierig auf .die Beobachtung der Welt gerichteter Sinn, daß ein mit aller der Sicherheit, die im Allgemeinen dem Verstände der Menschen in praktischen Dingen wohl eigen zu sein pflegt, wirkender Trieb reiner Erkenntniß bei eben jenem bewundernswerten Volke sich zuerst und unvergleichlich entwickelt hat, das im Epos und Drama das menschliche Handeln so vollendet und bestimmt ergriff, dem die sichtbare, vor allem die Menschenschönheit, soviel galt, und das die Gestalt .mit niemals wiedererschienener Begabung schaute und bildete; dem Volke, das in seinen Götterbildern (und wer weiß ob nicht in einzelnen hochentwickelten seiner lebendigen Häupter?) jeucs höchste Ideal der menschlichen Gesichtsbildung erreichte, welche vielleicht selbst uur das körperliche Gegenbild des geistigen, dem Gesichtssinn gegen die niedrigeren eingeräumten Uebergewichtes ist^). Kmdervernunst. Man wird bei aufmerksamerer Betrachtuug finden, daß die Verwechselung weiter greift, als man zunächst glauben sollte, daß namentlich ans unentwickelten Verstandesstufen überraschende Verwechselungen möglich sind. Das Kind in dem Zeitpunkte, wo es eben sprechen lernt, wo also der innere, ihm anentwickelte Sprachtrieb mit der Einwirkung seiner Umgebung!) Ursprung der Sprache und Vernunft S. 11 ff. 2) Ursprung der Sprache S. XXVIII f. 2) Ursprung der Sprache und Vernunft S. 77 ff.

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