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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1871-01-01 · 1871 · page 20

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
Volume
1871
Date
1871-01-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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IRI
…/9643684-3089698--0235-3090034
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- 21 - Einige Aphorismen, die hier folgen, vermögen nicht, Geiger's Grundansichten zu vergegenwärtigen, noch viel weniger ein Bild seiner Einzelforschungen, wohl aber dürften sie geeignet sein, von dem Gedankenreichthum, der Sprache und Haltung seiner bisher veröffentlichten Schriften einen Begriff zu geben. Pas Denken. Das Denken, dessen sich der Mensch als einer räthselhaften, ihm allein von allen ihm bekannten Wesen zugefallenen Gabe, wie der ihm angeborenen Organe, mit einer Art von ihm selbst verborgener Weisheit fortwährend bedient, tritt uns aus der unendlich wunderbaren Erscheinung lebendiger Mechanismen als das Wunderbarste und Vollkommenste entgegen. Denn wenn wir den Bau der Organismen um so erstaunlicher finden, je mehr durch eine Reihe kleiner, dem Anscheine nach weise in einander gefügter Mittel bedeutende Wirkungen für ihr Bestehen oder die Vollkommenheit ihres Daseins erfolgen; wenn es eine hohe Verwunderung erweckt, ein Thier von Natur mit den seiner Lebensweise angemessenen Werkzeugen und Waffen gegen seine Feinde begabt zu sehen; wenn uns ein Gefühl der Verehrung jener Zweckmäßigkeit gegenüber ergreift, mit welcher die geheimnißvolle Kraft des Triebes ein lebendiges Wesen alle seine Theile nicht nur auf seine eigene Erhaltung, sondern auch auf die des noch ungeborenen Geschlechtes verwenden läßt; so ist gewiß schon in dieser Hinsicht das Denken bewundernswerther als alles. Denn es ist dem Menschen alles dies zugleich: Werkzeug, gleich den raschesten thierischen zum Laufe auf der Erde, Flosse in dem Meere, Flügel in der Luft; Waffe gegen die verschiedensten und stärksten Wesen, Schutz selbst gegen übermächtige Kräfte der Natur; es verleiht ihm Wahrnehmung des in Raum und Zeit Entfernten, Voraussicht und Erinnerung, und durch alles dieses nicht nur eine Herrschast über das Lebendige und Todte und eine mächtige Wirkung ans der Ferne zur Beförderung seines Daseins, sondern selbst Wünsche und Zwecke außer diesem, und eine Gewalt über seinen eigenen Bau, bis zu der Möglichkeit, ihn durch die Mittel seiner Erhaltung willkürlich zu zerstören. Aber es giebt noch eine andere und vielleicht noch wichtigere Seite, von der aus das Denken unsere Aufmerksamkeit und unsere Bewunderung in Anspruch nimmt, indem es von allen seinen äußerlichen Wirkungen und Erfolgen für den Organismus abgesehen, in das Innere der Welt und in den verborgenen Zusammenhang der Dinge dringt und eine von allen anderen auf der Erde sehr verschiedene Kraft in dem Menschen ganz allein bewirkt, nämlich Erkenntniß. Während der den Jnstinct ersetzende, die thierische Klugheit überbietende Menschenverstand als ein ebenso nützliches wie künstliches Werkzeug betrachtet werden kann, so sehen wir in der Erkenntniß eine Art von zwecklosem Kunstwerk in der Natur entstehen; wir sehen in dem Haupte eiues Menschen die Welt in ihren Tiefen und das Geheimniß ihrer Gründe, sei es abgespiegelt, sei es vorgebildet; wir sehen ihn durch eine Harmonie der Verkettung der Ursachen und Wirkungen in ihm und außer ihm sogar das niemals Wahrgenommene aus sich selbst erschließen, das der Erfahrung Zugängliche vor der Erfahrung voraussetzen und entscheiden, und über sie hinaus iu die Seele der Geschöpfe und in den Mittelpunkt des Weltalls blicken; ja endlich von sich selbst befreit, sich den ihm fremden Gegenständen gleichsetzen und wie ein Zuschauer und Betrachter des Spieles seiner eigenen Tätigkeiten und Gedanken vor sich stehen').!) Ursprung der menschlichen Sprache und Vernunft. I, 1 ff.

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