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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1871-01-01 · 1871 · page 18

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
Volume
1871
Date
1871-01-01
Page
– (sequence 18)
Language
German
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IRI
…/9643684-3089698--0233-3090032
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— 49 - setznng als Grund und Wurzel ihres Daseins, sie gar nicht lebensfähig wäre. Die Kritik der Vernunft ist unmöglich, die Logik bloße Formel, die Metaphysik haltlos, wenn sie nicht auf diesem geschichtlichen Boden, auf der erfahrungsmäßigen Keuntniß von dem Werden der Vernunft in einer vormenschlichen Urzeit und ihrer Entwickelung bis zu ihrer gegenwärtig uns bekannten Höhe ruhen ^)." Der Erhabenheit seiner Aufgabe entsprach das Genie Geiger's und seine beispiellose Hingabe an die Wissenschaft. Er verließ im August 1850 die Universität, ohne einen akademischen Grad zu erwerben, kehrte in das Elternhaus zurück und lebte hier in den bescheidensten Verbältnissen dem Forschen und Nachdenken über die höchsten Dinge. Auf sich selbst angewiesen, ohne den Verkehr mit ebenbürtigen, gleichstrebenden Genossen, fuhr der einsame Forscher rastlos fort den Geist der Völker, wie er sich kund giebt in Sprache und Literatur, in den Schöpfungen der Kunst und Dichtung, in ihren Sitten, in der Gestaltung ihres gesellschaftlichen und staatlichen Lebens zu befragen: keine sein Gebiet berührende bedeutende neue Erscheinung der Literatur ließ er dauernd unbeachtet, jedes von kühnen Reisenden einem fernen Volksstamme abgelauschte oder aus Trümmern einer untergegangenen Sprache vereinzelt erhaltene Wort hatte Reiz und Interesse für ihn, nichts Menschliches blieb ihm fremd 2): in der Einsamkeit seines engen Studierzimmers Umfaßte er mit seinem Geiste die Welt, verfolgte das Werden und Wachsen des menschlichen Geistes dnrch alle Räume uud Zeiten. Zwanzig Jahre lang arbeitete er so. Außer seinen sprachwissenschaftlichen Werken hatte er eine Geschichte der Religionen zu schreibell begonnen^), eine Ethik hatte er bereits concipirt; vi>r nun einem Jahre sprach er mir von einem Buch über die Republik, das er zu schreiben gedenke; in seinem Nachlasse finden sich eine Reihe von Übersetzungen, aus den Veden, dem Midrasch, dem Talmud, den Werken des Maimonides, poetischer Stücke aus den Gebeten der Israeliten, auch eigene Dichtungen, darunter ein zum Thcil ausgearbeitetes Drama : alle aber, sowohl die Uebersctzungen als auch die eigenen Dichtungen stehen durch ihren Inhalt in tiefem Zusammenhang mit seinen Studien. . Ueber solche Beschäftigungen vergaß er, was sonst doch auch hochstrebenden Menschen Wünschens- Werth bleibt: irdische Güter waren ihm gleich giltig, er suchte kein Amt, keine Stellung, keinen äußern Rang; der kleinen Sorgen des Lebens überhob ihn die ihn stets umgebende Sorgfalt seiner von ihm über Alles verehrten Mutter; er bewegte sich auf den Höhen des Lebens: Und hinter ihm, im wesenlosen Scheine Lag, was uns Alle bändigt, das Gemeine! Die Einleiiuug zu seinem Häuptwerke war 1852 im Entwurf beendigt, er zögerte aber mit dieser, wie wir jetzk sehenan neuen Gedanken reichen Arbeit vor Beendigung der Einzelforschungen hervorzutreten: er war von der peinlichsten Gewissenhaftigkeit; für diejenigen, die im Leben wissenschaftlich mit ihm verkehrten, bedurfte es der Versicherung nicht, die er in einer Vorrede ausspricht, daß, wo 1) Ursprung.der Sprache S. 197 ff. und L. Geiger, Ueber Umfang und Quelle der ersahrungsfreien Erkenntniß, Frankfurt a. M. 1865. F. B. Auffarth S. IV f. — Es ist keine Anticipation, wenn ich dies Alles schon den zwanzigjährigen jungen Mann denken lasse: „Es waren eben", wie er selbst in der, seinem Hauptwerke vorgedruckten Widmung seinem Freunde Neubürge r sagte: „ l a n g e g e h e g t e G e d a n k e n ", die er da dem Urtheile der Oeffentlichkeit an¬ Heim gab, „Gedanken, an die sich die theuersten Erinnerungen der Jugend nicht weniger als ihre Hoffnungen knüpften". 2) Ursprung der menschlichen Sprache und Vernunft. S. XI. 2) Im Zusammenhange damit steht wohl eine Abhandlung über das Judenthum, die sich in seinem Nachlasse fast vollständig findet und deren Entwurf in der Beilage abgedruckt ist. Vergl. Ursprung der menschlichen Sprache und Vernunft. S. 3—86. 3*

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