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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1871-01-01 · 1871 · page 17

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
Volume
1871
Date
1871-01-01
Page
– (sequence 17)
Language
German
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IRI
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— ^8 - forscher verfahren. Er muß die Entwickclnng der gleichen Bedeutungen in ihren Uebergä'ngen bei den verschiedenen Sprachen beobachten und vergleichen, um die Gesetze der Begriffsentwickelung überhaupt und schließlich den Ursprung der Sprache selbst zu finden. Dahin zu gelangen, war das Ziel seiner edelsten Sehnsucht. Er rastete nicht, er richtete seine Fragen an die indogermanische Sprachwclt, an die Sprachen der Semiten, an das Chinesische, zog die von der Literaturentwickelung noch nicht berührten Sprachstämmc Africa's in den Kreis der Untersuchung, die ihn unausgesetzt, wo -er ging und stand, buchstäblich Tag und Nacht beschäftigte, bis ihm endlich aus der Ferne Gewißheit winkte und er mit jenem unbeschreiblichen Gefühle, mit dem die Entdeckung einer neuen Wahrheit den unausgesetzt mit Anspannung aller Geisteskräfte sehnsuchtsvoll nach erhöhter Erkenntniß ringenden Menschen beglückt, sein sv^x« ausrief. Es war im Herbst des Jahres 1849, als er von Heidelberg zurückkehrend, dem Vertrauten seiner Studien, seinem Freunde Theodor Neubürg er, mittheilte, er habe durch eine Reihe sprachwissenschaftlicher Entdeckungen den Ursprung der menschlichen Sprache und Vernunft gefunden, er werde im Stande sein, über die EntWickelung derselben unumstößliche Gewißheit zu geben. Sein Entschluß war gefaßt: der Aufstellung einer Bedeutungslehre, der Darlegung des Ursprunges und der Entwickelung der menschlichen Sprache und Vernunft sollte die ganze Arbeit seines Lebens gewidmet sein. Es handelte sich um nichts Geringeres, als um eine neue Wissenschaft, welche, wie er hoffte, allein im Stande sein werde, das Bedürfniß nach Klarheit und Gewißheit über die letzten Ziele philosophischer Erkcnntniß wirklich zu befriedigen und die Philosophie zum ersten Male auf die unerschütterliche Grundlage unbezweifelter Erfahrung zu stellen. Während auf der einen Seite die Philosophie lange Zeit den Anspruch erhob über die inneren Gründe der Natur- und Geisteserscheiuuugen aus sich heraus zu entscheiden, während auf der andern Seite die Naturwissenschaft durch Eindringen in das körperliche Wesen der Welt den philosophischen Problemen ein concreteres Ziel als je vorher gezeigt hatte: entfaltete sich vor Geiger nnumehr die Aufgabe, ebenso auch für die dunkle Innenseite der Dinge, für das Denken, Wahrnehmen und Empfinden in einer nicht weniger empirischen Wissenschaft ein neues Licht zu suchen ^). Dem Jrrthum des Materialismus glaubte er entgegen treten zu müssen, welcher durch die Empirie des Stoffes das Innere der Dinge zu erfahren suchte, aber ebenso wenig war er mit Kant einverstanden. „Kant", sagte er, „indem er in seiner Kritik die Bedingungen der Erfahrung selbst untersuchen wollte, glaubte diese mit Hülfe der Erfahrung nicht suchen und finden zu können. Ist aber außer derselben sie zn suchen möglich? Er behandelte die Vernunft wie ein Augenglas, dessen Brechungskraft oder Farbe wir feststellen, um bei Beurtheilnug der Gegenstände von ihr abstrahiren zu können. Aber die Vernunft ist kein Augenglas, das wir ablegen können, um es zuvörderst selbst zu beobachten: die Vernunft ist das Auge selber. Eine Prüfung der Vernunft durch die Erfahrung an ihr, durch ihre Geschichte, dies ist e s, w a s u u ser D enken forde r n wird; es ist die philosophische Aufgabe der Gegenwart. — Es genügt nicht länger dem Denken, diesem bewuuderuswerthestcn aller Triebe, eine bloße Ausbildung, eine, wenn ich so sagen darf, mechanische Zuuahme durch ein Jahrtausende lang fortgesetztes Erfahren, Lernen, Entdecken und Erfinden zuzugestehen: wir dürfen uns der Uebcrzeuguug nicht verschließen, daß die Vernunft gewachsen, daß sie aus wesentlich andern Geisteszuständen erst entsprungen ist, deren Spuren sie noch jetzt in ihren Functionen aufweist, ja, ohne deren Voraus- 2) Ursprung der menschlichen Sprache und Vernunft. S. XIV.

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