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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1871-01-01 · 1871 · page 13

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
Volume
1871
Date
1871-01-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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IRI
…/9643684-3089698--0228-3090027
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- 14 - HI. Es war nun ausgemacht Geiger sollte Orientalist, oder wie er, immer auf Allgemeines ausgehend, zu sagen vorzog, Gelehrter werdet!; zunächst aber mußten die Gymnasialstudien beendigt werden. Um sogleich in eine höhere Klasse des Gymnasiums eintreten zu können schien es zweckmäßig durch Privatunterricht sich dazu vorzubereiten. Indessen war es ihm unmöglich sich auf die Vorbereitung zu einem Examen zu beschränken, er ging seinen eignen Weg. Glücklich in dem Gefühle der Freiheit, ließ er sich ^)on seiner schrankenlosen Wißbegierde auf die entlegensten Gebiete des Wissens fortreißen. Von Herder und Mendelssohn ging er auf Lessing zurück, dessen Wolffenbütteler Fragmente und Erziehung des Menschengeschlechtes er nicht oft genug lesen konnte. Rousseau, der Lieblingsschriftsteller seines alten Lehrers Neubürger, blieb nicht unbeachtet, dann wurde Buffons Naturgeschichte, natürlich die französische Ausgabe, fleißig gelesen. Einen besonderen Reiz übte die Beschäftigung mit der Mathematik und der mathematischen Geographie auf ihn aus. Das „Lehrgebäude der deutschen Rcdezeichenkunst von Gabelsberger" studirte er damals durch und bald stenographirte er geläufig Seitdem er wieder in der Nähe seines Vater lebte, gewann die freilich auch in Mainz nicht unterbrochene Beschäftigung mit der rabbinischen Literatur und dem Talmud ein erhöhtes Interesse: der Sabbathtag war ihr zumeist ausschließlich gewidmet. Kurz vor seiner Abreise aus Mainz hatte er seinem Vater gemeldet, er habe sich bei guter Gelegenheit Adelung's und Vater's Mithridat in der neuesten Auflage gekauft, ein vierbändiges Buch, das von Gesenius oft erwähnt werde und eine Sprachlehre von 500 Sprachen enthalte^): man kann sich denken, mit welcher Begier er es jetzt durcharbeitete. Sein Fleiß war, seitdem er sich von den Fesseln des Comptoirdienstes frei fühlte, ganz beispiellos. Ende Juli 1845 ließ er sich in das Gymnasium aufnehmen. Nach halbjährigem Besuch der Sccunda und anderthalbjährigem Aufenthalt in Prima empfing er im August 1847 das Zeugniß der Reife. Nachdem er lange bei seinen Studien fast ausschließlich auf sich selbst augewiesen gewesen war, that es ihm wohl, im Gymnasium einen fest geregelten Unterricht zu erhalten und zu einer Anzahl gelehrter Männer feste Beziehungen zu gewinnen. Herling's deutscher Unterricht zog ihn an. Die Ausarbeitung der deutschen Aufsätze bot dem Primaner Gelegentzeit frei schaffend aus sich herauszutreten uud in den Leistungen auf diesem Gebiete that es ihm keiner seiner Mitschüler auch nur annährend gleich. Herling erkannte seine ganz ungewöhnliche Begabung und wandte ihm eine ganz besondere Aufmerksamkeit zu: mit unnachsichtiger Strenge suchte er seine ausschreitende Phantasie zu bändigen, geißelte die kühnen Gedankensprünge, den durch Bilderreichthnm überschwänglichen und oft schwerfälligen Stil und nöthigte ihn zu möglichst nüchterner Betrachtung, und zu schlichter, leicht verständlicher Ausdrucksweise. — In seiner Bewunderung des griechischen Alterthums wurde er durch Schwenk's sinnige Behandlung, der griechischen Tragiker und feine Bemerkungen über die griechische Kunst nun erst recht bestärkt; auch seine etymologischen Erläuterungen verfehlten nicht die ») In der Stenographie hat Geiger später ein Jahr hindurch an unserer Schule unterrichtet. 2) „Das Buch wird Dir gewiß gefallen!" schrieb er seinem Vater. Wie günstig Geiger auch später über den Mithridat urtheilte, ersieht man aus seiner, unserem vorjährigen Programm vorgedruckten Abhandlung S. 4.

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