Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Volume
- 1871
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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- Homer 1× ep/1025156
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- 43 — unmöglich. Er sann auf ein Mittel seine Eltern dafür zu gewinnen, ihn studiren zu lassen. — Schon früher hatte er, da er bei seinen orientalischen Studien, die er wie wir gesehen, in Mainz mit Eifer fortsetzte, die Existenz eines chaldäischen Wörterbuches vermißte, begonnen diese Lücke auszufüllen; jetzt setzte er dieses Unternehmen eifrig fort, der nunmehr fünfzehnjährige Knabe hoffte durch das Lob, das er sich durch die Herausgabe eines chaldäischen Wörterbuches verdienen würde, seine Eltern zu überzeugen, daß er eine bessere Lausbahn einzuschlagen berechtigt sei als die eines Buchhändlers. Froh in diesem Gedanken setzte er nunmehr, etwa seit dem Januar 1844 nach einem bestimmten Plane, den er sich entwarf, seine Studien heimlich fort: neben seinen orientalischen Studien las er Virgil und Homer, studirte Thicrschs griechische Grammatik, besonders des ionischen Dialects, übersetzte aus dem Deutschen ins Lateinische und schickte diese Uebungen von Mainz nach Frankfurt seinem Lehrer Eberz zur Correctur, unterhielt, um sich im freien Gebrauch der lateinischen Sprache zu üben, mit seinem jüngeren Bruder einen lateinischen Briefwechsel und las, „um darin nicht ans Abwege zu gerathen" die Ciceronianischen Briefe. Die Heimlichkeit, mit der dieses Alles geschah, der Widerspruch, der sich gegen diese Thätigkeit, wo sie bemerkt wurde, geltend machte, der Umstand, daß man ihm im Geschäfte zuweilen Unordentlichkeit und Gedankenlosigkeit vorwarf — dieses Alles erhöhte nur seinen Eifer für die Wissenschaften. Er gefiel sich wohl in dem Kampfe gegen die ihn umgebenden niedrigen Mächte. Hatte nicht auch Schiller einst so gerungen? war nicht auch dieser Heros gezwungen worden, der Poesie heimlich zu Pflegen, wie er jetzt genöthigt war, heimlich zu studiren? und erzählte man sich nicht gar von Shakespeare, er sei einem Metzger aus der Lehre entlaufen? Auch er hatte die Gewißheit in sich, daß es nur von ihm abhienge etwas zu wirken: immer mächtiger erhob sich die Begierde nach Ncuhm in seiner Seele. Vor der Hand stählte sie ihm die Widerstandskraft und machte ihn unempfindlich gegen die Aeußerungen der Unzufriedenheit seines Lehrherrn. Diesem aber wurde immer mehr klar, daß das Verhältniß für die Dauer unhaltbar sei und so setzte er eines Tages seinem Lehrling zu dessen Überraschung auseinander, wie sein längeres Verbleiben im Geschäft nur Zeitverschwendung und unnütz sei und drückte ihm, ohne ihn übrigens zu drängen, mit sichtbarem Wohlwollen den Wunsch aus, er möge seinen Eltern sich endlich entdecken. Geiger erbat sich Bedenkzeit, er wandte sich an seine Schwester, seine treue und bewährte Beratherin, dann in einem ergreifenden Briefe an seine Mutter, endlich auch an seinen Vaters. Die Verhandlungen dauerten mehrere Wochen, bis endlich eines Morgens Herr von Zabern ihm einen eben aus Frankfurt eingetroffenen Brief mit den Worten übergab: „Jetzt hüpf, tanz' und spring', Dein Vater läßt Dich studiren!" — Das Herz des Knaben überströmte von Dankbarkeit gegen seine Eltern, als er im September 1844 seiner geliebten Vaterstadt zueilte.!) Auch Eberz wurde zu Rathe gezogen und wir verdanken dieser Zeit innerer Kämpfe eine Reihe von merkwürdigen Briefen, von denen einer in der Beilage mitgetheilt ist.