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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1871-01-01 · 1871 · page 14

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
Volume
1871
Date
1871-01-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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IRI
…/9643684-3089698--0229-3090028
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15 - besondere Aufmerksamkeit des jungen angehenden Sprachforschers zu erregen. Dagegen mag mit Recht bezweifelt werden, ob eine andere Eigenthümlichkeit dieses geistvollen Mannes, nämlich das in seinem Unterrichte immer wieder betonte fast ausschließliche Vertrauen auf die, unabhängig von Andern, durch eigene Forschung gewonnenen wissenschaftlichen Resultate wohlthätig auf den ohnedies mit immer wachsendem Selbstbewußtsein seinen eigenen Weg suchenden Schüler gewirkt habe. In seinem ganzen späteren Leben bildet die Vorliebe für einen durch belehrende Gespräche belebten Verkehr mit heranreifenden Jünglingen einen hervortretenden Charakterzug Geiger's. Die Anfänge dazu bemerken wir schon auf dem Gymnasium. Den studentischen Neigungen, wie sie hie und da bei Primanern hervorzutreten Pflegen, blieb Geiger nicht fern; er fehlte wohl selten bei einer der heitern Zusammenkünfte. Die Primaner uud Sekundaner hatten damals gemeinschaftliche Spaziergänge veranstaltet, deren Ziel meist Eschersheim war, wo dann Bier getrunken und gesungen wurde, bis man in der vergnügtesten Stimmung Arm in Arm den Heimweg antrat. Geiger war immer in der heiterste» Stimmung, zu allen Späßen aufgelegt: er hatte eine besondere Gabe, die verschiedensten menschlichen Stimmen nachzuahmen und brachte nicht selten durch derlei urkomische Produktionen Alles zum Lacheu. Bei diesen Zusammenkünften fand er sich durch die Erscheinung eines um drei Jahre jüngeren Mitschülers besonders angezogen und zeigte diesem auf jede Weise ein besonderes Interesse. „Als Secundaner", schreibt mir dieser jetzt in Berlin lebende Freund Geiger's, der Stadtgerichtsrath Rommel, „fühlte ich mich dadurch geehrt, zugleich aber übte seine ganze Persönlichkeit eine mächtige Anziehung auf mich aus: sein ruhiges philosophisches Wesen, eine gewisse Feierlichkeit in der Haltung trotz aller Heiterkeit, sein feines taktvolles Benehmen, aus dem stets die edelste Humanität hervorleuchtete, sein tiefes und umfassendes Wissen, das eine uuerschöpfliche Quelle der Belehrung über alle wichtigen und höchsten Fragen der Menschheit zu sein schien. Er kam mir damals wie ein jugendlicher Sokrates vor und wir scherzten öfters über diesen Vergleich. Bald sahen wir uns täglich und es folgte nun eine Zeit, wie sie wohl nur von wenigen Menschen durchlebt wird, eine Zeit der liebenden Hingabe an den Freund und des gemeinschaftlichen schwungvollen Strebens nach dem Guten und Wahren. Ost treten die Bilder aus jenen Tagen vor meine Seele, wie wir in Gespräche versenkt mit einander wandelten, sein Arm um meine Hüfte, mein Arm auf seiner Schulter uud wie wir Nachte durch, nachdem ich mich heimlich aus dem elterlichen Haus gestohlen, mit verschlungenen Armen im Lindensels saßen und von Homer, von Sophokles, von allem Großen und Schönen des klassischen Alterthums redeten". Am 27. August 1847 beschloß Geiger seine Gymnajialzeit mit einer Rede, die er bei Gelegenheit der Progressionsfeier im Kaisersaale vortrug. Zum Thema hatte er sich das Buch Hiob gewählt^). War diese Wahl eine zufällige? Wenn man die Größe eines Volkes nach den ewigen Idealen reinster, höchster Sittlichkeit bemißt, welche es in seinen Dichtungen geschaffen und verherrlicht hat, so überragt das jüdische Volk weitaus die Völker der Erde in demselben Maaße, wie das hellenische durch die unvergänglichen Ideale vollendeter Schönheit in den Schöpfnngen seiner Kunst und Poesie. Für die Erkenntniß des Guten, für das Erfassen des Schönen hatte Geiger seine Meister gefunden; nach Wahrheit forschen wollte er im Geiste des Sokrates und Plato. — Das waren, soweit sich erkennen läßt, die Anschauungen, die in Geiger sich befestigt hatten, als er sich anschickte, die Universität zu beziehen. Einige Bruchstücke der Rede folgen in der Beilage.

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