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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1871-01-01 · 1871 · page 11

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
Volume
1871
Date
1871-01-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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IRI
…/9643684-3089698--0226-3090025
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- 12 - ich habe dafür nach zweitägigem ununterbrochenem Studium einen passenden Sinn gefunden. Denken Sie sich meine Freude, als ich einige Wochen später in Eichhorns Einleitung in das alte Testament in einem herrlichen Style, wie ich mir ihn nie in einer Philologischen Arbeit erwartet hätte, mit geringen Verbesserungen meine Erklärung eines Liedes wiederfinde, das selbst Gesenius nicht ganz verstanden!" Daneben vertiefte er sich mit besonderer Vorliebe in Mendelssohns Schriften und begann mit wachsendem Interesse Herder zu lesen; auch das Griechische und Lateinische wurde uicht vernachlässigt. Natürlich mußten, da die Geschäftszeit 13 Stunden dauerte, um solchen Wissensdrang zu stillen, die Stunden der Nacht hinzu genommen werden und oft genug fand der hereinbrechende Morgen den kaum fünfzehnjährigen Buchhändlcrlehrling noch bei seinen Studien. Es konnte nicht fehlen, daß er bei einer solchen Lebensweise zuweilen nicht eben pünktlich ins Geschäft kam und daß die Thätigkeit, die ihn da erwartete, nicht eben den gleichen Reiz ans ihn ausübte wie seine Studien. Diese wurden nun durch den Gegensatz erst recht seine Lieblingsbeschäftigung, und wie er wahrnahm, daß es übel vermerkt wurde, wenn er in den Geschäftsstunden ein Buch, das ihn besonders interessirte, öffnete, um es zu lesen, ja wie er gar hören mußte, daß es für den Buchhändler genug sei etwa die Vorrede eines Buches zu lese», um sich ein Urtheil darüber zu bilden: da gingen ihm die Augen auf, er sah um sich und bemerkte zu seinem Entsetzen, daß es sich beim Buchhandel hauptsächlich um — Gelo handle. „Der Buchhandel", schrieb er an Eberz, „könnte viel sein, aber er ist nichts. Er könnte, was die schaffenden Geister unserer Zeitgenossen bereiten, zu einem mächtigen und herrlichen Ganzen vereinigen und er wird zur bloßen Befriedigung der Geldlust benutzt. Von was redet je ein Buchhändler bei einer Unternehmung anders, als vom hineingesteckten oder herausgeschlagenen Geld? „Vom buchhändlerischen Gesichtspunkte ausgehen", ist ein bloßer Kunstausdruck für „vom Gelde reden". — „Ich sah einen Stand", so klagte er seiner Mutter, „der Großes zu Tage gefördert hat, einen Stand ohne den es keine Wissenschaft, keine Gelehrsamkeit geben könne und ich dachte, daß, was Schönes schaffe auch schön und groß sein müsse und vergaß, daß es nicht des Goldes bedürfe, um die Erde zu düngen, die erquickende Früchte bringen soll. So glaubte ich und ich fand mich getäuscht." Sollte er nun wirklich fortfahren sich für einen Beruf vorzubereiten, der seinen Idealen so wenig entsprach? Er ging ernstlich mit sich zu Nathe, er fragte sich, ob es denn nicht möglich sei, Buchhändler und zugleich Gelehrter zu sein, aber er fand, daß beide Fächer eine so verschiedene Geistesrichtung erfordern, daß man Fähigkeit zu beiden nicht bei einem Menschen suchen dürfe; auch deu Gedanken Kaufmann zu heißen und Gelehrter zu sein, hielt er nunmehr für unausführbar, denn eine Vernachlässigung des Berufes, deu man in sich verspüre, räche sich unfehlbar, ein Talent, das man für eine Zeit verbannt, lasse sich nicht nach Wunsch zurückrufen, er fürchtete die Abstufung, die aus einem traurigen Lehrling einen launigen Commis und endlich einen abgestumpften, für alles Schöne wie abgestandenen Kaufherru mache, und so befestigte sich in ihm der Entschluß der Wissenschaft allein sich ganz zu ergeben. „Ich habe mich entschlossen", schrieb er an Eberz, »Niemanden scheuend meinen Weg zu verfolgen, die Wissenschaft jetzt zu lieben, einst zu fördern und mein Muth soll mit jedem mir entgegentretenden Hinderniß nur wachsen!" Was ihn aber dabei doch bekümmerte, war der Gedanke an die Möglichkeit mit seinen Eltern in Widerspruch zu gerathen. Denn so allgewaltig auch der innere Trieb war, der ihn zum Studium drängte, gleich mächtig beherrschte das Gefühl der Pietät gegen seine Eltern sein ganzes Dasein; irgend etwas zu unternehmen, wodurch er seinen Eltern Sorge bereiten konnte, war ihm

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