Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Volume
- 1871
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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irgend einer Bibelstelle zum Thema: selbst noch der Belehrung zu sehr benöthigt, dürfe er hier, so sagte er, nicht als Lehrer auftreten, ihm zieme nur Dank und Gebet. Inzwischen fuhr er foit in der Schule sich hervorzuthun, er galt bald als der beste Schüler und dieses sowie die Auszeichnung, die ihm bei einer öffentlichen Schulprüfnng wiederfuhr, erweckten sauen Ehrgeiz. Gleichwohl glaubte sein Vater ihn nicht für den Gelehrtenstand bestimmen zu dürfen. ' Confessionelle Beschränkungen erschwerten damals noch mehr als heute die Laufbahn eines jüdischen Philologen. Die Eltern glaubten ihren Sohn nicht dem Kampfe gegen bestehende Ordnungen und eingewurzelte Vorurtheile aussetzen zu dürfen; er sollte also Kaufmann werden. Aber ihn so ganz außer Zusammenhang mit der Gelehrtenwelt zu stellen erschien auch ihnen unmöglich, sie wählten also den nicht ungewöhnlichen Ausweg und bestimmten den Knaben, der sich am Liebsten mit Büchern beschäftigte, zum Buchhändler. Da hier in Frankfurt ihn, aus Furcht in ihm einen Eoncurrcnten groß zu zieheu, Niemand in die Lehre nehmen wollte, so sollte er in das Geschäft des Herrn Victor von Zabern in Mainz eintreten. Der Knabe schien damit sehr wohl zufrieden. Practische Erwägungen lagen ihm sehr fern. Daß er mit dem Eintritt in das Geschäft aufhören müsse zu studiren, daran dachte er mit Nichten. Er tröstete sich mit Spinoza und Moses Mendelssohn, die doch große Philosophen und berühmte Männer geworden sind, obgleich sie neben ihren gelehrten Studien auch eine profane Beschäftigung hatten. Er lebte übrigens durchaus sorglos in einer Welt voller Ideale; die Sorge für das Practische überließ er seinen Eltern. Diese hatten beschlossen, er solle Kaufmann werden; es verstand sich ganz von selbst, daß er handeln müsse wie ein gehorsamer Sohn. Eberz aber schüttelte den Kopf und sagte, als sich der geliebte Schüler, um nach Mainz zu gehen, im Juli 1843 von ihm verabschiedete: „Du wirst doch noch umsatteln?" II. Zum ersten Male in einer fremden Stadt und allein kam sich der Knabe in Mainz Anfangs wie verloren vor; von Heimweh gequält, verging ihm der erste Abend unter Thränen. Bald aber kehrte ihm der jugendliche Frohsinn wieder. War es doch ein schöner Beruf, für den er sich hier vorbereiten sollte! Ohne den Buchhandel, so dachte er, gäbe es keine Wissenschaft. Mit erhabeneren Vorstellungen ist wohl nie ein Buchhändlerlehrling in ein Geschäft eingetreten. Wie bald ihm diese Ideale zerrannen, wissen wir nicht, das aber steht fest, daß in der Vorstellung von der Art, wie man sich für diesen hohen Beruf vorzubereiten habe, nur zu bald eine merkliche Meinungsverschiedenheit zwischen ihm und seinem Lehrherrn hervortreten mußte. Jeder freie Augenblick während der Geschäftszeit und außerhalb derselben wnrde von dem angehenden Buchhändler auf das Eifrigste zum Studium vorzugsweise der orientalischen und klassischen Sprachen verwendet. Denn nicht anders als wie mit einer Naturgewalt trieb es den Knaben zum Lernen nnd Forschen und hielt es ihn fest bei einer einmal begonnenen Arbeit. Die strenge jüdische Ob scrvanz, in der er lebte, bot ihm den erheblichen Vortheil, außer dem Sonntag auch noch den Samstag ganz auf das Studium verwenden zu können. „Ganz besonders", berichtete er seinem Lehrer Eberz, „beschäftige ich mich jetzt des Samstags mit der orientalischen Literatur und ich treibe eifrig das Hebräische, Chaldäische, Syrische und werde nächstens das Arabische anfangen. Im Hebräischen bin ich zuletzt in Verbindung mit einem jungen Freunde das Hohelied durchgegangen und