Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Volume
- 1871
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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- 10 - znräumen, welches die Stellen der ^euesis II, 23, IV, 1 und II, 20, wo von den Namen die Rede ist, die Adam seinem Weibe (Isekak) seinem Erstgeborenen (Xajiu)^) und allem Vieh und allen Vögeln des Himmels und dem Gethier des Feldes gab, seiner Behauptung, die hebräische Sprache sei uicht die Sprache Adams gewesen, — „Um endlich", fährt er fort, „von Gesprächen zu reden, deren oft in der Bibel zwischen den Menschen untereinander und zwischen diesen und ihrem Schöpfer schon frühzeitig erwähnt wird, so konnten sie ebenso gut in der Zeichen- und Lautsprache als in der hebräischen geführt werden, um so eher, da Gott, meiner Meinung nach, ebenso gut oder noch besser eine Gemüths- oder Hcrzcnssprache verstand, als das schönst gesprochene, richtigste Hebräisch." --Doch wir brechen endlich ab und fügen nur noch das Schlußwort hinzu, mit welchem der Knabe sich an seine Leser wendet: „Lange genug," ruft er aus, „habe ich Euch liebe Leser mit meinem Geplauder belästigt. Jetzt habe ich nur noch Euch um Verzeihung zu bitten für die Verwegenheit, daß ich, noch selbst ein Schüler, es gewagt habe dieses unbedeutende Sandkörnchen im Meere der Wissenschast auch in die Lcsewelt zu schicken. Hat dieses kleine Schriftchen wirklich das Wohlwollen, oder doch nicht den Tadel nur eines unter Euch mir zugezogen, so hat es mehr erreicht, als ich hoffte, da ich mit zitternden Händen es zu schreiben mich niedersetzte. Verdient es im Gegcntheil Euer Mißfallen, so erinnert Euch meines noch zarten Alters und rechnet mir meine Fehler nicht zu hoch an. Ist das, was ich behaupte, unrichtig — gern nehme ich Belehrung an. Ist jenes aber nicht neu und habeu schon Viele über diesen Gegenstand und von demselben Gesichtspunkte aus geschrieben, so haltet es dann nicht für jene eitle Ruhmsucht, sich mit fremden Federn zu schmücken, daß auch ich ebenso gesprochen habe, sondern höchstens für Unbelesenheit von meiner Seite. — Doch, wozu die vielen Bitteil? Ihr seid es ja, meine werthen Freunde und Gönner, in deren Hände ich dies Büchlein empfehle und Ihr werdet ja ohnedies von einem Knaben meines Alters nicht zu viel fordern. — So lebe denn wohl, erste Frucht meiner Ueberlegung und reise mit Gott!" — — Der Knabe, der mit zitternder Hand dieses niederschrieb, verband mit einem kindlich-einfältigen, frommen Sinn einen unwiderstehlichen Drang nach Erkenntniß und mit der tiefsten Ehrfurcht vor der Hoheit und Würde der Wissenschaft die seltenste geistige Begabung. Es fehlte ihm nicht jenes Selbstbewußtsein, welches begabten Menschen aus dem sichern Gefühl ihrer Kraft erwächst, aber damit verband er eine tiefe Bescheidenheit. Niemand, weder sein Vater, noch irgend einer seiner Freunde, auch nicht sein Lehrer Eberz, zu dem er die vertrauensvollsten Beziehungen gewonnen hatte, erfuhr etwas von seinem ersten Versuche, der sich in seinem Nachlasse gefunden hat. — Dieselbe Bescheidenheit erkennen wir bei einer andern Gelegenheit. Als er an dem Sabbath nach seinem vierzehnten Geburtstage, nachdem er bei dem Gottesdienste in der Synagoge in hergebrachter Weise den Wochenabschnitt aus der Thorah selbst vorgetragen, im elterlichen Hause vor dem versammelten Kreise der Verwandten und Freunde eine Nede^) hielt, wählte er nicht, wie zu geschehen Pflegte, die Erklärung!) Vergl. übrigens Geiger Urspr. und Entw. der menschlichen Spr. u. Vernunft I, 118 u. 397. 2) Die Rede, die von der Hand des Knaben sorgfältig geschrieben mir vorliegt, hat zur Neberschrift: „Dank an meine Eltern, vorgetragen bei Gelegenheit meiner Confirmation, den 30. April 1842, den 20. Jjar 5602 Lazarus Geiger." Als Einleitungsworte wählte er Spr. Sal. XXX, 2, 3. Eharacteristisch in der Rede, die entschieden von dem Knaben selbst verfaßt ist, ist folgende Stelle: „Welche menschliche Sprache hätte Ausdrücke, um das vollständig zu bezeichnen, was Kinder den Eltern schulden?" Dem Vater dankt cr besonders für die vielen beschwerlichen Unterrichtsstunden, die er verwandte, ihn zu belehren, ihm mitzutheilen von dem Geiste seiner Weisheit."