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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1871-01-01 · 1871 · page 4

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
Volume
1871
Date
1871-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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IRI
…/9643684-3089698--0219-3090018
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— 5 — vember 1870), welcher eben damals hier eine weibliche Erziehungsanstalt begründet hatte, war ein Mann, der mit seiner Bildung und Anschauungsweise wesentlich in jener Epoche wurzelte, die man mit Necht die Mendelssohn'sche nannte; als Lehrer und Erzieher huldigte er Pestalozzischen Grundsätzen, in seinem ganzen Wesen war er eine durchweg auf das Ideale gerichtete Natur. Neubürger unterrichtete Geiger im Französischen und Deutschen, er wurde bald sein väterlicher Freund. Aber den belebenden Mittelpunkt des Neubürger'schen Hauses bildete die hochbegabte, geistvolle Frau Johanna Neubürger. Mit ihr war Geigers Mutter durch die Bande der innigsten Verehrung und Freundschaft verbunden und in ihrem Hause erblühte dem Knaben in dem Verkehr mit Altersgenossen, zumal mit den Söhnen des Hauses, mit denen ihn bald die mütterlich ererbte Freundschaft verband, ein zauberisches Paradies der Kindheit, in welchem all' sein Dichten und Trachten dem Idealen zugewandt war. So war ihm das beneidenswerthe Glück einer fröhlichen, durch nichts getrübten, an mannigfach erweckenden und fördernden Einflüssen reichen Knabenalters beschieden. Den Forderungen der Schule zu genügen war ihm nicht schwer. Klagte auch der Rechenlehrer zuweilen über den träumerischen Knaben, so gab es doch Andere, die keinen Tadel gegen ihn aufkommen lassen mochten. Vor Allen erkannte Eberz früh seine ungewöhnliche philologische Begabung. Die Klarheit des kaum dreizehnjährigen Knaben in der Auffassung grammatischer Beziehungen setzte ihn nicht selten in Erstaunen; er widmete ihm besondere Aufmerksamkeit, war ihm bei der Auswahl einer angemessenen Lcctüre mit seinem Nathc zur Hand uud förderte ihn in jeder Weise. Bei Eberz las er zuerst den Homer. Griff dieser Dichter, dessen er sich bald ganz bemächtigte, in ein hohes Alterthum zurück, so war doch die Bibel viel älter, sie war ihm überhaupt das älteste Buch, sie bildete den Ausgangspunkt aller seiner Betrachtungen. In seiner frühesten Kindheit war er mit dem vollen Gefühl der Ehrfurcht von seinem Vater selbst an dieses heilige Buch herangeführt worden, um es in der Ursprache zu lesen und immer wieder zu lese« und das Höchste uud Heiligste daraus zu empfangen: die Erkenntniß Gottes und seines Waltens, die Lehre der Wahrheit, die eine Richtschnur sein sollte für sein ganzes Leben, die Grundlage alles Wissens und aller Weisheit. Nicht lange und dieser Unterricht erhob sich über das Elementare: indem er auf die Lcctüre der Eommentare Raschids und Zbn Esra's überging gewann er früh eine wissenschaftliche Richtuug, führte er wenigstens zu eindringenden Erörterungen des Inhalts der Bibel und regte das Nachdenken und den Forschungstrieb des Knaben an^). Seine Sprachkenntnisse erweiterten sich dabei täglich. Des Hebräischen war er früh mächtig; schon der neunjährige Knabe machte glückliche Versuche hebräische Briefe zu schreiben; das Chaldäische sich anzueignen boten die Bibel selbst und die, vielen Bibelausgaben beigedrucktcu Targume Gelegenheit, und eine glückliche Entdeckung führte ihn bald weiter. Unter den Büchern seines Vaters fand er zwei Sammelbände, davon der eine eine Ausschnst fühlte, welche für dcu auf die Erlernung aller Sprachen ausgehenden Knaben sehr verlockend sein mußte, nämlich: „Alting Sprach-!) Treffend bemerkt mein Freund vr. Rosin in seiner dem Jahresbericht des jüd.-theol. Seminars in Breslau 1871 vorgedruckten Abhandlung über ein Comvendium der jüdischen Gesetzeskunde aus dem 14. Jahrhundert S. 5 ff., über den früheren jüdischen Jugendunterricht u. A. Folgendes: Der frühere jüdische Jugendunterricht hatte nur in seinen ersten Ansängen einen elementarischen Character; im weiteren Verlaufe gestaltete er sich zu einem gelehrten Studium. . . . Die Schulen waren eine Art kleiner Academien, deren Lehrziel nicht von der Pädagogik begrenzt wurde, sondern das Unbeschränkte der Wissenschaft war.

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