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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1871-01-01 · 1871 · page 3

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
Volume
1871
Date
1871-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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IRI
…/9643684-3089698--0218-3090017
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- 4 — arbeiten. Und noch mehr! Unbefangene Männer, die mit ihm von den Tagen der Kindheit an durch die Stürme einer leidenschaftlich erregten Jugendzeit bis in das reife Mannesalter durch das Leben gegangen sind, die all' sein Thun und die geheimsten Triebfedern seines Herzens kannten, verehrten in ihm einen Mann, der das höchste Ideal sittlicher Reinheit erstrebte, dessen Tugend nie gewankt, dessen Wahrhaftigkeit und Treue sich in allen Lagen des Lebens bewährt hat. — Nun ist der Mann, dessen Arbeitskraft uus so oft in Erstaunen setzte, dessen Körper den nachhaltigsten Anstrengungen trotzen zu können schien, dahin gegangen, lange vor der Zeit und bevor es ihm vergönnt war auch uur eiueu Theil der Aufgaben, die er sich gestellt hat, zu vollenden. — Sein Nachlaß wird von Freundeshand geordnet und soll demnächst veröffentlicht werden. Treten dann zu dem Uebcrblick über seine wissenschaftliche Thätigkeit, der dadurch möglich sein wird, auch noch Aufzeichnungen der wenigen Männer, die er in verschiedenen Epochen seines Lebens ans seinen Schülern gewissermaßen zu Genossen seiner Studien gemacht hat, und die bald mit einer schwärmerischen Verehrung zu ihm aufblickten, so wird in einer hoffentlich minder drangvollen Zeit und von einer geübteren Feder eine Würdigung des Gelehrten, des Denkers nnd des Menschen nicht ausbleiben. Wir aber haben geglaubt diesen Zeitpunkt nicht abwarten zu dürfen und im Hinblick auf das, was Geiger unserer Schule gewesen ist, sein Andenken auch jetzt schon und an dieser Stelle festhalten zu müssen. I. Elieser Lazarus Salomo Geiger entstammte väterlicher- und mütterlicherseits einer seit länger als zwei Jahrhunderten hier in Frankfurt ansässigen jüdischen Familie, deren Stammbaum eine ganze Reihe gelehrter, scharfsinniger Talmudisten aufweist. Hier wurde er am 21. Mai 1829 geboren. Den ersten Unterricht empfing er von seinem Vater, dem Privatgelehrten R. Salomo Geiger. Es war vornehmlich eine Unterweisung in der heiligen Schrift, welche in der Ursprache mit grammatischen und sachlichen Erläuterungen gelesen wurde uud der sich bei zunehmender Reife des Knaben die Lectürc der besten hebräischen Commcntarc anschloß. In der hiesigen Selectenschule (Realschule und Progymnasimn), an welcher damals der bekannte Historiker Joseph Aschbach und der jetzige Gymnasial-Professor vr. Eberz lehrten, empfing er die Grundlage der klassischen Studien. Es fiel auf, wie leicht und schnell der Knabe sich fremde Sprachen aneignete; eine glückliche Begabung traf hier mit einer früh hervortretenden Neigung zu Sprachstudien zusammen. „Ich muß", rief eines Tages der lcbhafte'zehnjährige Knabe vorahnmd seiner Mutter zu, „alle Sprachen lernen, alle!" An Fleiß und Eifer zu so großem Beginnen ließ er es nicht fehlen, aber damit paarte sich in dem heranwachsenden Knaben ein fröhlicher, heiterem Lebensgenuß zugewandter Sinn und ein Trieb znr Geselligkeit. In dem bescheidenen aber geistig anregenden Kreise des elterlichen Hauses empfing er unvergängliche, seine künftige Lebcnsgewöhnung bestimmende Jugendeindrücke. Den arbeitsvollen Wochentagen, in welchen neben dem Schulunterricht die väterliche Unterweisuug iu der heiligen Schrift herging, folgten in erfrischendem Wechsel die Ruhe- und Festtage mit jener Weihe, mit der das altjüdische Familienleben sie ausstattet und sie zu erhebenden, das Gcmüth bereichernden und veredelnden Erziehungsmomenten gestaltet. Es fehlte nicht der Verkehr mit Altersgenossen. Verwandtschaftliche Beziehungen-führten ihn in das Neubürger'sche Haus. Der vor Kurzem in hohem Grcisenalter verstorbene Jacob Neubürger (geb. 22. August 1790, gestorben zn Frankfurt 8. No-

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