Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Volume
- 1871
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Zur Erinnerung an Lazarus Geiger. Am 29. August 1870 starb L. Geiger, ordentlicher Lehrer an unserer Schule. Cr stand eben in der Blüthe des Mannesalters, im zwei und vierzigsten Lebensjahre und im Beginn einer großartig eingeleiteten literarischen Thätigkeit. Bis zu seinem vierzigsten Lebensjahre hatte er nur ganz gelegentlich etwas drucken lassen; sein Name war bis dahin in der Gelehrtenwelt unbekannt. Da erschien 1868 der erste Band seines Werkes „Ursprung und Entwickelung der menschlichen Sprache und Vernunft" und sogleich trat er damit in die Neihe der gelehrtesten Sprachforscher und tiefsten Denker unserer Zeit. Und nun zögerte er nicht ferner mit den reichen Ergebnissen langjähriger, ernster Geistesarbeit hervorzutreten. Nachdem er in seinem ersten Werke einen Theil seiner Aufgabe vollendet hatte, entwarf er in einem 1869 uuter dem Titel „Ursprung der Sprache" erschienenen stattlichen Bande ein allgemeines Bild derselben uud ihrer letzten Ziele. Im folgenden Jahre, 1870 sollte eine dritte Arbeit, eine Sammlung wissenschaftlicher Vorträge, die Urgeschichte der Menschheit betreffend, erscheinen. Sechs dieser Vorträge waren bereits drnckfertig; er war eben im Begriff eine Abhandlung, mit welcher der Band abschließen sollte, niederzuschreiben ^); auch schickte er sich zu einer neuen, abschließenden Durcharbeitung und Vervollständigung des fast vollendeten zweiten Theiles sciues Hauptwerkes an — da setzte der Tod dem rastlosen Schaffen ein Ende. Diejenigen, welche Geiger näher standen und denen ein Einblick in die Werkstätte seines geistigen Schaffens gestattet war, hatten die Ueberzeugung, daß, wie sein Sinnen und Denken und sein ganzes Studium von Jugend an auf die höchsten Probleme gerichtet war, die je den menschlichen Geist beschäftigt haben, so er auch in hervorragendster Weise berufen war, an deren Lösung zu Die sechs Vorträge behandeln folgende Gegenstände: 1) Der Farbensinn der Alten und seine Entwicklung. 2) Ueber die Entstehung der Schrift. 3) Ueber den Ursitz der Jndogermanen. 4) Die Entdeckung des Feuers. 5) Die Urgeschichte der Menschheit im Lichte der Sprache mit besonderer Beziehung auf die Entstehung des Werkzeugs. 6) Die Sprachwissenschaft. — In einer siebenten Abhandlung beabsichtigte Geiger — im Gegensatze zu Darwin, „welcher den positiven Fortschritt der Natur aus natürlicher Auswahl erklärt", (Geiger nennt dies eine mystische Vorstellung, die das eigentliche Geschehen unerklärt läßt), „die Natur so zu einer großen Züchterin und die letzte Wirkung der Entwickelung gleichsam zu einem Resultate ihrer ökonomischen Berechnung macht" — seine Ansicht über „die Entwickelung der Arten", wie er sie in seinem Buche Ursprung der Sprache, Stuttgart, Cotta 1869, S. 201 ff. angedeutet hat, weiter auszuführen und zu begründen.