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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1870-01-01 · 1870 · page 30

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
Volume
1870
Date
1870-01-01
Page
– (sequence 30)
Language
German
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IRI
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— 31 — Zurückhaltung in die Praxis einführen, und daß es vorwiegend für den Unterricht bestimmte Bücher sind, in welche sie, mit vermeintlicher Mäßigung, Aufnahme gefunden haben, während doch schon naheliegende praktische Gesichtspunkte dies verbieten müßten. Könnte ein vernünftiger Kaufmann, wenn ihm ein in historischer Schreibung geschriebener Brief eines nun unter seine Leitung tretenden Schülers zu Gesichte kommt, nicht meinen, er wäre fehlerhaft? Und was mehr ist, könnte er nicht Recht haben? — Ganz besonders muß es aber, denke ich, dem gewissenhaften Schulmann, welcher nicht schnell genug hinter den neuesten Verbesserungen Hereilen zu können vermeint, zu geringer Genugthuung gereichen, wenn er nun die Theorien und wissenschaftlichen Resultate, wonach gebessert werden soll, selber wechseln, und wieder für falsch erklären sieht, was kaum eben mit so großem Geräusch eingeführt worden war. Es ist noch nicht lange her, daß „Zeichnenheft" und „Rechnenheft" mit ebenso gewichtiger Miene von einer gerade geltenden Richtung als allein richtig gefordert wurde, als heute Hilfe, Armut, selbständig, mislich, Ereignis und Consorten^); bis sich dann zeigte, wie der Sprachgebrauch besser gewußt hatte, daß „Zeichen-", „Rechen-" der zur Zusammensetzung erforderliche Stamm sei, und Zeichenheft ganz richtig wie Schreibheft gebildet hatte, während zeichnen das aus diesem Stamm regelrecht wie schreib-en gebildete zusammengezogene zeichen-en ist. Es ist hier zu untersuchen unmöglich, ob es dem Einzelnen zustehe, hie und da Veränderungen namentlich in der Orthographie vorzuschlagen, und wie es sich in dieser Hinsicht mit solchen wirklich und nachweisbar durchgedrungenen Vorschlägen Einzelner verhält, z. B. der Schreibung mahlen und malen, welche auf Gottscheds Autorität beruht. Aber ganz unbestreitbar scheint es mir fest zu stehen, daß unter Allen, die sich solchen Vorschlägen anzuschließen für gut finden, die Schule die allerletzte sein muß; daß ihr hier, wie in anderen Punkten, schon aus Gründen der Erziehung ein ernster wissenschaftlicher Conservativismus noth thut. IX. Stellung der historischen Sprachforschung im grammatischen Unterricht. Zwei Seiten scheinen es besonders zu sein, von denen der historischen Sprachwissenschaft, derjenigen nämlich, welche theoretisch, nicht praktisch sein will, welche die Sprache erforscht, nicht sie restaurirt oder revolutionirt — der Zugang zu der deutschen Sprachlehre mit dem größten Erfolge eröffnet werden könnte; ich meine die Lautlehre und die Wortbildung. Obwohl die wirkliche Anwendung der Sprache nicht von der Einsicht in ihre Entstehung abhängt, so wirkt doch die Belebung des ursprünglicheren, sinnlicheren Wortinhaltes für die Sprachempfindung auch unzweifelhaft auf die Fähigkeit sich der in den Worten verborgen waltenden Phantasie zugleich mit Wahrheit und Wärme zu bedienen; und vielleicht beruht ein großer Theil der Anregung, die unsere l) Noch gegen Ende des 17. Jahrhunderts findet sich selbständig. Schottelius hat außerdem: Selbgerichte, Selbrichter, selbschuldig, Selbschüldiger, Geldschuld, selbmächtig, selbmündig, selbtähtig, selbdenkend, Selbrecht, und daneben: selbstredend, selbsteigen, Selbstkost, Selb st recht, Selbstliebe, Selb st schuldiger, selbstgewachsener, Selbstmord (x. 544). Die Sprache der Gegenwart hat alle Composita mit selbausgegeben, mit Ausnahme der Zahlbegriffe selbanderu. s. w. Niemand wird „selbthätig" oder „selbdenkend" wieder einsühren wollen; wenn man es bei selbstständig versucht, so geht man von der Erwartung aus, die Entwendung des st würde in der Aussprache nicht bemerkt werden.

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