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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1870-01-01 · 1870 · page 29

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
Volume
1870
Date
1870-01-01
Page
– (sequence 29)
Language
German
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IRI
…/9643684-3089696--0181-3089979
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— 30 — zu welchen Gründen sich seine NachLreter in dieser Hinsicht verstiegen haben, zeigt uns z. B. PH. Wackernagel, der sagt, die großen Anfangsbuchstaben seien „eine Eselsbrücke, um ohne alles Nachdenken die Substantiv« herauszufinden", wobei er indessen loyal genug ist, die Zurückstellung „dieses Modeartikels", nicht „ehe es die Regierungen nicht gestatten", von den Lehrern zu verlangen. An und für sich ist offenbar der Gebrauch, Stadt mit großem Anfangsbuchstaben zu schreiben, nicht unvernünftiger, als der, es nur bei Neustadt zu thun. Die Phönicier unterließen Beides. Es ist nicht uninteressant, zu bemerken, wie schon vor 150 Jahren vielfach dieselben Dinge augefochten wurden, gegen die noch heute, nur mit ganz anderen Gründen, Sturm gelaufen wird. Schon damals suchte man das Dehnungs-H möglichst zu verbannen, bemäkelte die Unterscheidung von mehr und Meer, leer und Lehre, Heer, hehr und her, das und daß u. s. w.^) Ueber den Gebrauch der großen Anfangsbuchstaben lesen wir am Anfang des 17. Jahrhunderts bei Sattler folgendes interessante „Mta" : „In dem getruckten werden bei nahem in einer jeden Lineen dreu oder mehr Versalen gefunden. Als ich etliche alte erfahrne vnnd geübte Schrifftsetzer, warumben solches beschehe, befragt, sagten sie mir, es seve der Teutschen Sprach ein Zierd, vnd könne es der einfeltige desto besser verstehe, als da sie forcht, Personen, gericht 2c. vnnd dergleichen Wörter mit Versalbuchstaben setzen, seue es der Schrifst ein Zierd, vnd vermercke der einfeltige Leser, daß Forcht, Personen, Gericht 2c. etwas mehrers als aber sonsten ein gemein wort auff sich habe. Dahero seye es auch also zu halten bev den Truckereyen auffkommen. Welches dann, ob wol es im Lateinen nit gebraucht wirst, ich doch nicht für böß halte." — Christian Gueintz (Deutscher Sprachlehre Entwurf, Cöthen 1641) beschränkt die großen Anfangsbuchstaben auf: „alle eigene Nennwörter, und die einen Nachdruck haben, die Titel, die Tauf- und Zunamen, die Namen der Länder, Städte, Dörfer, Völker, Secten, Beamten, Künste, Tugenden, Laster, Festtage, Thiere, wie auch die, welche auf einen Punkt folgen 2)." 1657 führt Bellin („hochdeutsche Rechtschreibung, darinnen die insgemein gebräuchliche Schreibart, und derselben, in vielen Stücken, grundrichtige Verbässerung unvorgreiflich gezeiget wird") schon gegen die großen Anfangsbuchstaben der „selbständigen nänwörter" u. A. an: „daß man es nicht allezeit in alten schriften gedrukkt fände; und daß es keine der andern haubtsprachen tue^)." August Buchner schreibt 1645 von einem Versuche, die Verdoppelung der Consonanten als Bezeichnung der Verschärfung der Vocale abzuschaffen: „die dies verändert wissen wollen, suchen uns nach Entdeckung der Feldfrucht wieder auf die Eichelkost zurückzuführen (yuoä <M wutari voluut, wveutiL truZiduL aä Zlanäes nos reclueere stuäent ^)." Daß die Opposition gegen unsere deutsche Schrift ebenfalls bis in das 17. Jahrhundert zurück geht, sieht man aus Leibnitz' „unvorgreiflichen Gedanken" (100, 101). Wenn diese Bemühungen von damals bis heute fruchtlos gewesen sind, so werden ähnliche, gegen die eine so viel längere Gewohnheit und der Gebrauch unserer classischen Literaturperiode spricht, schwerlich etwas anderes, als einige nutzlose Verwirrung zur Folge haben. Alle diese Fragen über Neuerungen in Sprache und Schrift gehören freilich nicht eigentlich zu dem Gegenstande dieser Abhandlung; oder richtiger, sie sollten nicht zu ihm gehören. In Wirklichkeit ist gerade die Schule von solchen Neuerungen keineswegs frei geblieben. Man wird leicht bemerken, daß gerade die größten Sprachforscher ihre Theorien nicht, oder doch nur mit der größten 1) Vergl. Beiträge zur Critischen Historie der deutschen Sprache (herausgeg. v. Gottsched) 5. Bd., Leipzig 1737, S. 561 ff. 2) Ebend. 4. Bd. S. 384. ») Ebend. 6. Bd. S. 51. Ebend. S. 44.

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