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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1870-01-01 · 1870 · page 19

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
Volume
1870
Date
1870-01-01
Page
– (sequence 19)
Language
German
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IRI
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— 20 - Theil von Wahrheit nicht verkennen, der in der analytischen Methode liegen mag. Es ist gut, nicht todten Stoff zu überliefern, die Selbstthätigkeit anzuregen, auffinden zu lassen, wo es eben angehen will. Aber thöricht wäre es, sich einzubilden, daß ein Kind wirklich in einer Viertelstunde selbst finden könnte, was die größten Geister vieler Jahrhunderte erst entdecken mußten. Wenn die analytische Methode richtig verstanden wird, so entspricht sie der Forderung, daß das Gesammtbild vor den Einzelheiten zum Bewußtsein gelangen müsse. Aber dieser Forderung ist bei der Sprache schon damit Genüge geleistet, daß wir sie verstehen. Es bleibt uns bei der Muttersprache, oder einer andern, die uns durch Umgang und Lectüre vertraut geworden ist, nur noch eines zu lernen übrig, und dies ist eben das System. Ein grammatisches System analytisch, gelegentlich lehren zu wollen, .ist ein Unding. Wer würde z. B. bei Gelegenheit des Wortes „gepflogen" erst lehren wollen,^ daß es Conjugationen, Participien, starke Verba, Ablaute gibt? Man muß den Begriff des Zeitwortes und seiner Conjugation voraussetzen dürfen, ehe man zur Erklärung einer sprachlichen Erscheinung übergehen kann, auf die so manche besonderen Gesetze Anwendung finden. Wollte man etwa auswählend verfahren, eine Zeitlang blos auf die Declination sehen u. dgl., so wäre dies nur wieder das System, wenn auch maskirt und lückenhaft. Zuletzt würden wir nur etwa wieder bei Hamilton und Jacotot anlangen. Es bleibt also, wenn ein grammatisches System gelehrt werden soll, nur die synthetische Methode. Es ist nothwendig dies festzuhalten; denn nachdem alle halben Versuche, alle Vermittlungen beseitigt sind, bleibt die Frage nun einfach die: Grammatik oder nicht? VI. Der systematische grammatische Unterricht. Der nächste Zweck des Sprachunterrichts ist, wie R. v. Raumer gewiß mit Recht bemerkt, der praktische; nur daß ich ihn nicht in das richtige Schreiben allein, sondern auch, und vielleicht zunächst, in das richtige Sprechen setzen möchte. Ist nun für diesen Zweck die Kenntniß eines grammatischen Systems nothwendig? Ist das durch Uebung zu erreichende Sprachgefühl nicht allein ausreichend? — Diese Frage ist keine andere, als die nach der Bedeutung des Bewußtseins. Das Sprachgefühl leitet in unzähligen Fällen, aber in anderen wird es schwanken und nach einer Stütze im Bewußtsein suchen. Für vieles Einzelne wird ein unverhältnißmäßiger Aufwand von Zeit und Kraft nöthig sein, um durch lange Erfahrung zu erreichen, was ein einziges Gesammtgesetz mit wenig Worten gegeben hätte. Wenn Jemand begegnen transitiv gebraucht, so ist der Fehler leicht gehoben, wenn man die Worte, transitiv, Accusativ, Dativ gebrauchen kann; aber ohne diese bleibt uns nur ein unbestimmtes „es ist nicht richtig." Wo ist deren, wo derer zu gebrauchen? Ohne Grammatik wird Niemand hierüber Auskunft geben können, und gar Mancher auch in der Praxis Verwechselungen begehen. Daß es der Wille oder der Willen und dergl. heißt, aber nur den Willen, ist eine in das Schema unserer Declination leicht einzuordnende Einzelheit; ohne dieses wird sie zu beständiger Ungewißheit Veranlassung geben. Die Formen unserer Declination sind höchst einfach; für Denjenigen, der nie decliniren gelernt, erscheinen sie als eine unendliche Masse. Wenn Jemand, wie es wohl vorkommt, den Conjunctiv der indirecten Rede mit der hypo-

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