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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1870-01-01 · 1870 · page 18

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
Volume
1870
Date
1870-01-01
Page
– (sequence 18)
Language
German
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IRI
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— 19 — deutsche innerlich übersetzt werden, sondern sofort hochdeutsch in ihm entstehen. Darum und aus keinem anderen Grunde wird es von dem natürlich kindlichen Gefühl lächerlich gefunden, und wie ich glaube, mit Recht, wenn eine superkluge Reflexion auf den Gedanken kommt, an einem Orte und über Dinge, die dem Kinde nur in hochdeutschem Lichte zu erscheinen pflegen, seiner Sprachgewohnheit, seinem Sprachgefühle zuwider, in die Mundart zu verfallen. Ich wenigstens glaube nicht, daß für die Empfindung z. B. eines Frankfurter Knaben der Satz „die Erde ist der Schemel meiner Füße" gewinnen werde, wenn man ihm sagt, daß der Schemel die Schawell bedeute i). Eine derartige Bemerkung über den Gegensatz zwischen Schriftsprache undDialect kann höchstens den Dialect als solchen zum Bewußtsein bringen; sie wird anstatt, wie beabsichtigt, das Hochdeutsche durch den Dialect, vielmehr umgekehrt diesen durch jenes vermitteln und gleichsam Dialectgrammatik anstatt der deutschen lehren^). V. Analytische Entwickelung der Grammatik aus dem Lesestoff. Nach alledem wird, wenn deutsche Grammatik denn doch gelegentlich gelehrt werden soll, nur der hochdeutsche Sprachstoff Veranlassung dazu bieten dürfen. Dies hieße dann soviel, als daß die Grammatik aus dem Gelesenen analytisch entwickelt werde. In dieser Gestalt wird denn auch die Forderung nicht selten gestellt; ob sie jemals erfüllt worden ist, kann ich nicht sagen. Denn es ist leicht, systematische Grammatik nicht zu lehren, aber dafür auch analytische Grammatik wirklich zu lehren, ist weniger leicht. Es ist das freilich eine bloße Frage der Methode; insofern aber die analytische Methode hier auf einer Theorie beruht, kann ich nicht umhin zu bekennen, daß ich sie für falsch halte. Der Mensch hat in jahrtausendelangem Studium die Natur durch das System beherrscht, und es ist aller Grund vorhanden, diese Errungenschaft nicht leichten Kaufes preiszugeben. Sollen wir warten, bis sich alle Pflanzen in Wiese und Wald in der Anschauung jedes einzelnen Menschen zusammengefunden haben, ehe wir der Verwirrung, die die ungeordnete chaotische Masse in ihm hervorrufen muß, durch Mittheilung längst entdeckter Ordnung lösen? Sollen wir nicht der neuen Generation erzählen dürfen, daß eine vorige die Masse der Stoffe auf eine geringe Zahl von Elementen zurückzuführen gelernt habe, nicht die Gesetze der Mechanik, der Electricität nach selbst gewählter Anordnung der Experimente lehren^ sondern alles aus der complicirten Einzelerscheinung erst analysiren müssen? Die Grammatik ist die Theorie, das Beispiel Experiment; die Entwickelung der Grammatik aus dem Ganzen einer Schiller'schen Ballade ist eine Verderbung beider, der Grammatik und der Ballade. Ich will den!) Schawell ist Fremdwort, nämlich das lateinische 8eade1win, während Schemel aus dem uncorrecten späten scamsUuiii entstanden ist, auf welche Bildung das m in seanmuiu, Bank (aus seaduum von 8eabo, schaben) eingewirkt hat. Eigentlich ist also Schemel die uncorrectere Form. -) Vergl. vr. I. A. Finge r's „Frankfurt a. M. als Arbeitsfeld für Unterricht und Erziehung", 1869, S. 19, wo auch die Entscheidung holsteinischer Lehrer gegen die Ansicht Burgwardt's in Wismar angeführt wird, die sich (i. I. 1859) dahin aussprachen, daß das Hochdeutsche auch bei ihnen „den Kleinen gar nicht so unverständlich sei, wie behauptet werde." 3*

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