Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Volume
- 1870
- Date
- 1870-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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— 16 — Auch die Araber betrieben die Grammatik mitten in der Blüthe ihrer Literatur auf's Angelegentlichste. Der älteste arabische Grammatiker, Abu-l-Asvad, starb nicht 60 Jahre nach Muhammed. Die Wirkung Muhammeds auf die arabische Sprache, Literatur und Grammatik bietet überhaupt eine ähnliche Erscheinung, wie die Luther's auf das Hochdeutsche dar, nur in größerem Maßstabe. Muhammed hatte in dem reinsten, fortan mustergiltigen Arabisch seine Lehre verkündet. Schon von Anfang an hatte ein Theil des Zaubers, den er auf die arabischen Stämme übte, auf seiner Herrschaft über die Sprache beruht, deren Reinheit längst der Stolz seines Stammes war. Die Sprache der Koreischiten, des Korans und der vorzugsweise Araber genannten Beduinen rein Zu bewahren, sie vor fremden Einflüssen, vor Barbarismen und Solöcismen zu schützen, war das Ziel und die Hauptaufgabe der Grammatiker. Man glaubt von Muhammed zu lesen, wenn Clajus in der Borrede zu seiner Grammatik sagt, er habe dieselbe aus Luthers Schriften gezogen, da er der Ueberzeugung sei, daß sie nicht sowohl die eines Menschen, als Werke des heiligen Geistes seien, und „daß der heilige Geist, der durch Moses und die Propheten hebräisch und durch die Apostel griechisch gesprochen habe, auch gut deutsch gesprochen durch sein erwähltes Werkzeug Luther. Denn außerdem sei es unmöglich gewesen, daß Ein Mensch so rein, so treffend, so schön deutsch spräche, ohne Jemandes Führung und Unterstützung". Die Übereinstimmung in der Geschichte der arabischen Grammatik und Sprache mit der deutschen geht so weit, daß man auch von der arabischen Schriftsprache den Zweifel erhoben hat, ob sie nicht ein blos künstliches Idiom sei, ein Zweifel, der freilich in nichts zerfiele, wenn Palgrave's Beobachtungen gegründet sind, der bei den Beduinen den reinen Dialeet des Korans in aller grammatischen Vollkommenheit lebendig zu finden glaubte^). Renan macht hierüber treffende Bemerkungen, die zum größten Theil auch fast wörtlich auf das Hochdeutsche angewendet werden können. „Nach einer grammatischen Umschmelzuug", sagt er, „zeigt sich die Sprache des Volkes immer von der der Gebildeten verschieden. Dann erst fängt man von einer Volkssprache im Gegensatze zur Gelehrtensprache zu reden an. Die Ent¬ Wickelung der Sprache ist gewissermaßen gespalten und setzt sich fortan nach zwei mehr und mehr auseinanderlausenden Richtungen fort, indem der Vulgärdialect durch einen Verderbuugsprozeß auf die ursprüngliche Sprache solgt, wie die gelehrte Sprache durch einen Culturproceß auf dieselbe gefolgt war.....Man kann das ursprüngliche Arabisch mit dem vergleichen, was das Lateinische vor der grammatischen Arbeit gewesen sein muß, die sie um die Zeit der Scipionen regelte; das Schristarabisch läßt sich der lateinischen Sprache in den Denkmälern aus dem Zeitalter des Augustus, die arabische Volkssprache dem einfachen Latein des 6. Jahrhunderts vergleichen, das in vieler Hinsicht mehr dem alterthümlichenLatein, als dem des Virgil nnd.Cicero glicht)." Die Bemühungen der Araber um die grammatische Richtigkeit der Sprache steigerten sich mit der Verbreitung der Herrschaft ihres Volkes über fremdländische Reiche, während sich zugleich die unterworfenen Völker, namentlich die Perser, ganz besonders an der grammatischen Bearbeitung, der Sprache betheiligten. Am Anfang des 13. Jahrhunderts finden wir Lehrbücher der arabischen Nationalgrammatiker in den Händen der Jugend am östlichsten Ende des Seldschuckenreiches. „In dem Jahre", erzählt Sadi in seinem „Rosengarten", „wo Sultan Mahmud von Charism mit 1) Ueber das Sanskrit herrscht bekanntlich derselbe Zweifel. 2) Nenaru kist. ^ev. Ü68 lanZues Zelllitigues,?ar. 1855, x. 380 sy.