Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Volume
- 1870
- Date
- 1870-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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15 - Ennius geschrieben, nicht 80I1W8 sum, wie der große Haufe, das voIZuL sage. Man sieht, wie unrichtig es wäre, die lateinische Schriftsprache, sei es in Hinsicht auf Mitwirkung des Schriftstellerthums bei ihrer Feststellung, sei es in Hinsicht auf grammatische Behandlung, zu der Deutschen in Gegensatz zu bringen. — Bei denGriech en sind grammatische Untersuchungen und ihre pracnsche Verwendung zum Zweck correeten Sprechens älter als So erat es. Protagoras lehrte die Jugend die Kunst richtig zu sprechen. Er war es, der entdeckte, daß die Hauptwörter drei Geschlechter haben und zuerst von männlichen und weiblichen Wörtern sprach; auch unterschied er an den Zeitwörtern, oder vielmehr den Prädicaten, die vier Kategorien der Frage, der Antwort, des Befehls und des Wunsches, wie sie noch jetzt in unserer Grammatik ganz ähnlich wiederholt werden. Prodikos erfand die Synonymik, lehrte im Reden die richtigen Unterschiede sinnverwandter Wörter beobachten, und wendete diese Unterscheidung auch zur Erklärung der Dichter an. Dies alles geschah schon im fünften vorchristlichen Jahrhundert. Kein griechischer Schriftsteller der classischen und nachclassischen Zeit zweifelte, daß grammatische Studien, so verschieden man sich dieselben auch dachte, für den Gebrauch der Sprache förderlich seien. Gehen wir über den von Grimm berührten Kreis hinaus, so besitzen die Inder in P5nini^s hochberühmter Grammatik, welche die Leistungen zahlreicher Vorgänger in sich aufnahm und abschloß, ein allumfassendes Lehrbuch der Sanskritsprache, welches über jede Einzelheit der Formenlehre in bewundernswürdiger Weise Auskunft und Entscheidung gibt. Dieses Weck ist keineswegs zum Zwecke theoretischer Sprachuntersuchung, sondern geradezu mit der Absicht einer Gesetzgebung für die Sprache, und zwar zur Zeit ihres Lebens und ihrer Blüthe geschaffen worden. Die bloße Aufnahme einer grammatischen Form Seitens Panini's entscheidet über ihre Correctheit; eine Entscheidung, mit der sich kein Sanskritschriftsteller in Widerspruch zu setzen wagte, da er eben hierdurch schon falsch geschrieben haben würde. Es ist also hier für die Grammatik ein Prineip befolgt, wie in lexikalischer Hinsicht in dem Wörterbuch der französischen Akademie, und wie es auch Adelung in seinem deutschen Wörterbuche vorschwebte; nur daß die europäische und ganz besonders die deutsche Natur ein solches der Fortentwickelung widerstrebendes Princip nicht wirklich festzuhalten im Stande ist. Auch stützt sich Panini nicht etwa auf Citate aus Classikern, sondern höchstens auf Entscheidungen älterer Grammatiker. Ja die clasfische Sprache der Vorzeit war eine ganz andere als die der Zeitgenossen Panini's; der Dialect der heiligen Literatur der Beda's verhält sich zum Sanskrit etwa wie Homer zu den späteren griechischen Classikern; und Panini lehrte, wo er nicht die Vedasprache der Umgangssprache ausdrücklich entgegensetzt, gerade diese letztere. Doch ist es nicht unwahrscheinlich, daß auch das Sanskrit damals den Gegensatz einer lebenden Literatursprache gegen die Mundarten bildete, und daß dieser Gegensatz zur Entwicklung der nationalen Grammatik der Inder Vieles beitrug. Im 7. Jahrhundert unserer Zeitrechnung nun wurde Indien von einem buddhistischen Pilger aus China, Hiuan-Thsang, bereist. Als dieser nach Wnini's Geburtsstadt kam, fand er nicht nur eine Statue ihm zu Ehren errichtet, sondern alle Knaben der Stadt lernten seine grammatischen Regeln und nach Hiuan-Thsang's Erzählung war dies schon 500 Jahre früher der Fall. Mag nun auch die Vaterstadt PAuini's in dem allgemeinen Studium seiner Lehren weiter gegangen sein als andere Städte ^udieus, so war der Unterricht in denselben doch gewiß nicht aus sie beschränkt, und bis auf diesen Tag ist es für die Brahmanen religiöse Pflicht, die 3996 Regeln seiner Grammatik auswendig zu wissen.