Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Volume
- 1870
- Date
- 1870-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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— 8 — II. Guellen der neuhochdeutschen Sprache. Juther. Aelteste deutsche Grammatiker. Schleicher über die deutsche Schriftsprache. Wie bekannt, sind dem Neuhochdeutschen zwei andere große Literaturperioden vorausgegangen: die althochdeutsche vom Anfang des 8. Jahrhunderts bis in das 12., und die mittelhochdeutsche von da bis in das 15.Jahrhundert. Es ist namentlich des verewigten Franz Pfeiffer Verdienst, nachgewiesen zuhaben, daß unsere neuhochdeutsche Sprache nicht aus der Schriftsprache der mittelhochdeutschen Dichter hervorgegangen, sondern eine unter dem Einflüsse der Mundarten Mitteldeutschlands, Hessens, Frankens, Thüringens, eigentümlich gebildete Schriftsprache ist. Schriftliche Quellen, die sich diesen Mundarten anschließen, lassen sich neben den mittelhochdeutschen, und fast eben so weit zurück wie diese selbst, verfolgen. Das Neuhochdeutsche steht der Sprache dieser halbmundartlichen Quellen weit näher, als dem Mittelhochdeutschen, und ist also keine Fortsetzung des letzteren, sondern nur gleichsam eine jüngere Seitenlinie desselben. Das characteristische Kennzeichen der neuhochdeutschen Sprache hat indessen Zarncke in der Anwendung der Vocale ei, au, u, eu, gegenüber den mittelhochdeutschen i, ü, uo, in, aufgefunden. Namentlich ist es der neuhochdeutschen Sprache eigen, ai und ei, oder auch den Diphthong ei ohne Unterschied anzuwenden, wo die ältere Sprache i und ei unterschied, z. B. mein (mittelhochdeutsch raw) und Stein (mittelhochdeutsch stein); ebenso vermischt das Neuhochdeutsche das ältere ü und ou, indem es für beide au setzt. Die Dialecte sind der ursprünglichen Unterscheidung treuer geblieben, und man unterscheidet z. B. in Frankfurt sorgfältig mei° und Sta«, Haus und Baam (mittelhochdeutsch küs, douin). „Die ersten Ansätze zu der im Neuhochdeutschen vollständig durchgedrungenen Abweichung vom althochdeutsch-mittelhochdeutschen Vocalismus", sagt Z arncke (S. Brants Narrenschiff, 1854, S. 273.), „finden wir sehr früh. Schon die von Karaj an herausgegebenen Sprachdenkmale des 12. Jahrhunderts bieten vielfach ou statt ü; gewiß hat Jac. Grimm (Gr. I", 203) Recht, wenn er diese Abweichung eine ursprünglich österreichisch-steirische nennt. Mit dem Auftreten des correcten geläuterten Mittelhochdeutsch verschwindet diese diabetische Färbung für längere Zeit, wenigstens aus der höheren Schriftsprache, aus der Sprache und den Reimen der höfischen und der unter ihrem Einflüsse stehenden Volksdichter. Im Munde des Volkes hörte sie gewiß nie auf, auch nicht in Handschriften nachlässiger Schreiber, und so können wir bereits im Laufe des 13. Jahrhunderts ein nicht unbeträchtliches Umsichgreifen dieser Vergröberung .... nachweisen. Vorerst beschränkt sich diese im Wesentlichen in der Vergröberung des i in ü übereinstimmende Veränderung wohl noch auf Oesterreich, setzt sich hier aber so fest, daß z. B. österreichische Dichter aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, wie H. Teichner und P. Suchenwirt, sie ungescheut in die Sprache der Poesie einführen. Von da aus verbreitet sie sich weiter und nimmt im Laufe des 14. und 15. Jahrhunderts ganz Baiern und Franken, selbst Lothringen ein. Seit der Mitte des 15. Jahrhunderts, soviel ich sicher weiß, ist die ursprünglich althochdeutsch-mittelhochdeutsche Reihe, nur noch in den Grenzen Schwabens, etwas südlich vom Neckar und westlich vom Lech zu Hause." Zu Ende des 15. Jahrhunderts bestand, nach Zarncke 's höchst sorgfältigen Untersuchungen, noch ein s chweizeris ch - elsässisch -