Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 52 (23.12.1927)
- Date
- 1927-12-23
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3062972-3064299-3064349--15947-3089686- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 16 flUlllDillH ..... DIE WAHRHEIT daß die Angelegenheit innerhalb des Bundes und eventuell in persönlicher Rücksprache mit dem Oberpräsidenten zur Erledigung gekommen wäre. Statt dessen aber wanderte sie von der zionistischen Presse naturgemäß in die völkische. Die außerordentliche Mitgliederversammlung der Ortsgruppe Breslau vom 17. November hat sich nun eingehend mit der Angelegenheit befaßt, und es hat sich hierbei herausgestellt, daß — Mißgriffe zugegeben — zu einem Absetzungsantrage gegen Herrn Dr. Fraenkel. wie ihn der erste Vorsitzende der zionistischen Breslauer Ortsgruppe, Herr Rechtsanwalt Dr. Jacobsohn vorbrachte, keinerlei Anlaß vorlag. Was dieser wohl auch selbst einsah, zog er doch schließlich seinen Antrag selbst zurück. Die Versammlung stellte sich wohl auf den Standpunkt, daß es ein Mißgriff des Ortsgruppen-Vorsitzenden gewesen sei, {dem Vertreter des Oberpräsidenten das Wort nicht erteilt zu haben, und faßte folgende Resolution, die dem Oberpräsidenten übermittelt wurde: „Die Vornahme einer Kritik an der Persönlichkeit des Vertreters des Herrn Oberpräsidenten der Provinz Niederschlesien war im Rahmen der Breslauer Kundgebung des R. 1. F. trotz der zwischen den Herren Doktor Fraenkel und Dr. Markus bestehenden Meinungsverschiedenheiten unzulässig." Wenn nun also die Mitgliederversammlung sich auch im Einzelfalle mit Herrn Dr. Fraenkel nicht einverstanden erklären konnte, so erkannte sie doch seine hervorragende Arbeit um die Stellung des Breslauer und Gesamtjudentums an und brachte dies äußerlich dadurch zum Ausdruck, daß sie ihm in einer zweiten Resolution ihr „uneingeschränktes Vertrauen" mit einer erdrückenden Majorität aussprach. Mit aller Entschiedenheit wandten sich zahlreiche Diskussionsredner gegen die Art der Behandlung des Falles durch die zionistische Presse, die dem 1. Vorsitzenden der Breslauer Ortsgruppe, der in zahllosen Versammlungen antisemitischer Parteien seine ganze Persönlichkeit für die jüdische Sache eingesetzt hatte, unterschoben hatte, er habe den Juden Dr. Markus als Juden desavouieren wollen. Dieser selbst, der überzeugter Zionist sei. versicherte ehrenwörtlich, die Veröffentlichungen in der Presse seiner Partei nicht veranlaßt zu haben; er sei im Gegenteil ein Gegner der öffentlichen Behandlung des Falles gewesen. In einer dritten Resolution brachte die Versammlung demgemäß zum Ausdruck, daß die zionistischen Kameraden die Abgabe einer Erklärung ihrer Parteipresse in dem Sinne erwirken sollten, „daß an der jüdischen Zuverlässigkeit und der jüdischen Gesinnung des Herrn Dr. Fraenkel keinerlei Zweifel bestehe". (Die „Neue Welt" hat eine solche Erklärung bisher nicht veröffentlicht.) Zusammenfassend darf der Hoffnung Ausdruck gegeben werden, daß die Angelegenheit nunmehr endgültig erledigt ist und der R. j. F., der wichtige Arbeit im Kampf gegen den Judenhaß zu leisten hat. von jüdischer Seite wenigstens "nicht in so unerfreulicher Weise angegriffen wird. Der R. j. F. ist bisher nicht in den Parteienkampf des Judentums hineingezogen worden und sollte es auch in Zukunft nicht werden. Bitte hier abzutrennen und an die Geschäftsstelle d<»r .Union deutschfisterrekhtecher Juden". Wien IX.. Berrgas^e Nr. 4, einsenden. Zum A bieben Dr. Chajes hat die „Union deutsch österreichischer Juden" an das Präsidium der Israelitischen Kultusgemeinde das folgende Kondolenzschreiben gerichtet: Sehr geehrte Herren! Tief erschüttert durch die Nachricht vom plötzlichen Ableben des Herrn Oberrabbiners Prof. Dr. H. P. Chajes gestattet sich das Präsidium der „Union deutschösterreichischer Juden" der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde zu dem schweren Verluste, den diese erlitten, namens unserer Vereinigung die herzlichste Teilnahme auszusprechen. Wir schätzten alle an dem Verblichenen seine immense Gelehrsamkeit, seine umfassenden Kenntnisse auf dem Gebiete rabbinischen Wissens und klassischer Bildung; wir bewunderten sein Wirken als edlen Menschenfreund, dem zahlreiche Institutionen humanitären Charakters ihre Entstehung verdanken, die seinen Ruhm ebenso auf die Nachwelt bringen werden, wie das, was er für die Errichtung und Erhaltung von Anstalten geleistet, die der Verbreitung jüdischen Wissens gewidmet sind; wir achteten ihn auch bei aller Verschiedenheit der jüdisch-politischen Ansichten als einen begeisterten Führer der Bestrebungen um den Wiederaufbau des heiligen Landes. Aus allen diesen Gründen ermessen wir die Größe des Verlustes, der unsere altehrwürdige Wiener Gemeinde getroffen, und unsere Anteilnahme entspringt tiefinnigen Gefühlen. Das Andenken dieses gerechten Mannes, der so vielen Leidenden und Verfolgten Vater und Beschützer gewesen, wird für alle Zeiten ein gesegnetes sein, der Wiener Kultusgemeinde, die ihm die Möglichkeit geboten, zu solcher Größe seine Kräfte zu entfalten, gebührt unser aufrichtigstes Beileid. Genehmigen Sie, verehrte Herren, den Ausdruck unserer vorzüglichsten Hochachtung. Für 'das Präsidium der „Union deutschösterreichischer Juden" Der Vizepräsident: Hofrat Dr. Josef Löwner. MM in ü m S'c* 3 Q> Q) <U *Ö OS •OS» »»» cc ÖC §1 & 5 .y >< <L> — .22 t: - •o 3 5 03 ^~ * °£ < Hiermit erkläre ich meinen Beitritt zur „Union deutschösterreichischer Juden" mit einem Jahresbeitrag von...........................................................................Schilling (Mindestbeitrag S 10,—) und zeichne für den Vortragsfonds .................................................................................. Schilling Name: .............................................................................................................................................. Stand:.............................................................................................................................................. Genaue Adresse: .............................................:............................................................................