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Die Wahrheit · 1927-12-23 · Heft 52 (23.12.1927) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 52 (23.12.1927)
Date
1927-12-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
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DIE WAHRHEIT sgiieiH^ Seite 7 söhaftiichen Konkurrenzneid getrieben wurden, nur zu oft die Klinke der Gesetzgebung in die Hand, und dann wüteten sie nach Herzenslust gegen die Juden. In der österreichischen Bukowina war für solche Elemente kein Raum. Darum gab es hier keinen Antisemitismus. Man nannte die Bukowina das gelobte Land. Die Friedensverträge von Versailles uöd seinen Dependancen sicherten den Juden in den von dem zertriimmerten Staate abgetretenen Provinzen nicht nur die uneingeschränkte Wahrung ihrer bisherigen Rechte, sondern verhießen ihnen auch noch etwas Funkelnagelneues, wovon die vorige Generation keine Ahnung gehabt, nämlich den Minderheitenschutz. Die Juden von Cernauti durften ruhig in die Zukunft schauen. Ueber ihrem Schicksal wachte England, das den Juden in Palästina eine nationale Heimstätte aufbaute, wachte Frankreich, der ewige Beschützer aller Unterdtrtickten und Geknechteten auf dem weiten Erdenrund, wachte Präsident Wilson, der Mann der „vierzehn Punkte", der erklärte Protektor der Juden, der eben erst eine eigene Kommission nach Polen entsandt hatte, um die Juden zu retten, Wilson, dessen rechte Hand1 der Professor Frankfurter war, und der noch eine Anzahl rechter Hände von gleicher Beschaffenheit hatte. Und wenn die Juden von Cernauti in das „Regat" (so heißt nämlich Altrumänien) hinüberblickten, so mußte ihr Herz höher schlagen; dort hatte nämlich die Regierung monatelang vor Zusammentritt der Friedenskonferenz, ganz aus freien Stücken sämtlichen Juden das ihnen seit 1866 verweigerte Heimatsrecht gewährt und sie so zu Vollbürgera erhoben. Kurz, der Himmel hing voller Geigen. Die Juden der Bukowina nahmen mit Wehmut und dankbarem Gedenken Abschied von Habsburg, aber diese weltgeschichtliche Notwendigkeit prophezeite Husen wenigstens kein Verderben für idie Zukunft. .. Nach einer ganz kurzen Weile wendete sich das Blatt, und die Juden merkten, daß sie vollständige Parias in dem Lande waren, in dem sie erst vor kurzem noch als Vollbürger galten. Unter der Herrschaft des westeuropäischen demokratischen Kultureinffusses durfte vor den Augen der ganzen Welt, ein rumänischer Student der einen jüdischen erschoß, freigesprochen werden. Aber einen noch viel nachdrücklicheren Beweis für die neue Gerechtigkeit erlebten die Juden voiv Tschernowitz erst vor kurzem, ein Fall, der zwar kein blutiges Opfer betraf, aber trotzdem verdient, in den Annalen der Geschichte verbucht zu v/erden. Eines schönen Tages erschien eine Kommission der hohen rumänischen Behörde im Tschernowitzer jüdischen Krankenhaus, um eine hochnotpeinliche Untersuchung vorzunehmen. Den leitenden Persönlichkeiten drohte Verhaftung, der Vorstand der Gemeinde mußte herbeigeholt werden . . . Stand etwa das jüdische Krankenhaus im'Verdacht ein Herd irredentistischer oder bolschewistischer Propaganda zu seht, oder als Zufluchtsstätte für Ritualmorde zu dienen? Es stellte sich bald heraus, daß es sich um einen viel schwerer wiegenden Verdacht handelte. Der hohen Behördie war nämlich zu Ohren gekommen, daß in dem 1 ü d i sehen Spital — die Feder sträubt sich, es niederzuschreiben — christliche Patienten Aufnahme gefunden hatten!!! Nachdem die verdächtigten jüdischen Personen sich von ihrem Schreck erholt hatten, mußten sie sich zusammennehmen, um nicht m ein befreiendes Lachen auszubrechen. Das wäre ein Verbrechen, sagten sie, das hier im Hause seit unvordenklichen. Zeiten begangen wurde, man denke gar nicht daran, es zu verhehlen, in diesem Momente befänden sich im Hause mehrere Objekte dieses Verbrechens, die hohe Behörde könne sieb überzeugen.....Die hohe Behörde trat den Rundgang an. Man hatte von Bukarest nach dem frisch „eroberten" Tschernowitz offenbar besonders strenge Staatswürdenträger beordert mit dem Auftrage» die Juden fest im Auge zu behalten. Sie fanden also eine Anzahl christlicher Patienten, die befragt weshalb sie just das Krankenhaus der „Zidani" aufgesucht, unverfroren antworteten, dieses Krankenhaus erfreue sich, namentlich bei der ärmeren nichtjüdischen Bevölkerung, des größten Vertrauens. Die hochlöbliche Kommission war von den Antworten wenig befriedigt die Untersuchung zog sich bis spät" in den Abend hin. Indessen wurde das Spital nicht geschlossen, wie man anfänglich befürchtete. Auch wurden keine Verhaftungen vorgenommen. Nur ein riesiger Stoß Akten ging nach der Hauptstadt Bukarest an das Ministerium des Inneren. Die Entscheidung ist noch nicht herabgelangt, trotz der mehrfachen Urgenzen seitens der jüdischen Gemeinde von Tschernowitz. Aber die Juden der Bukowina wissen seither, wie die hochkultivierte, westeuropäische Gerechtigkeit aussehen kann, w?enn sie sich im rumänischen Osten offenbart. ... B. Segel. Die Universitätsschande. Von Lux. Die österreichischen Universitätszustände erregen in jüngster Zelt auch im Auslande großes Befremden, besonders seitdem die Maßnahmen des preußischen Unterrichtsministers gegen die völkischen Studenten gezeigt haben, daß ihre Gewaltherrschaft an den österreichischen Hochschulen auch In Deutschland Ruhe und Ordnung gefährdet. Die Wiener Universitätsbehörden aber sind allen Beschwerden gegenüber taub, sie wissen nur von einer „Hetze", die gegen die Universität von jenen geführt wird, die ihre empörende Haltung nicht ruhig hinnehmen. Dagegen wissen sie nichts von jener Hetze, die seit Jahren auf dem Boden der Universität mit schamloser Offenheit gegen die Demokratie, also gegen die Grundlage unserer Verfassung, gegen die Deutsche Republik, gegen die verfassungsmäßig und völkerrechtlich verbürgte Gleichberechtigung aller Rassen und Konfessionen, gegen österreichische Behörden, die noch die beschworene Amtspflicht höher stellen als das völkische Diktat, geführt wird. Lüge, Niedertracht und Dummheit grinsen von den Mauern unserer höchsten Bitdungsstätte. Da hängt zum Beispiel ein Plakat: „Die Macher der deutschen Revolution"; es zeigt die Bilder jüdischer Revolutionäre und ist über und über mit Blut besu<fdt. Die Deutsche Republik ist also ein« Judenrepublik, auch andere Anschläge wiederholen diese freche Verleumdung. Was würde der akademische Senat tun, wenn jemand ein vieJ wahrheitsgetreueres Plakat anschlagen würde: ,Die Macher dtes deutseben Elends": Wilhelm II.. Ludendorff und seine Spießgesellen auf der Leichenpyramide des Weltkrieges? — Unweit von diesem Kasten verbreitet das „KuUüramt" des Robert Körber Kultur. Vor kurzem hing dort z. B. ein Plakat, das den deutschen Reichskanzler und den deutschen Reichsaußenminister durch Verhöhnung^hr*e* Aussehens lächerlich machte: grobe Angriffe gelten den preußischen Unterrichtsminister prangen natürlich an vielen Orten, ebenso niedrige Anwürfe gegen die Friedenspolitik von

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