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Die Wahrheit · 1927-12-23 · Heft 52 (23.12.1927) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 52 (23.12.1927)
Date
1927-12-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Sit WAHRHEIT llllltllllllllflllillliltllllllllllHHIIiillllillHIlIHlliHllüllI Seit». 3 „Hochverehrter Herr Präsident! Anläßlich des schweren Verlustes, den Ihre Gemeinde durch das Ableben ihres geistlichen Oberhauptes, Prof. Dr. Chajes. erlitten hat, bitte ich, meiner innigen Anteilnahme versichert zu sein. Oberrabbiner Chajes war — beseelt von unendlicher Liebe zu seinen Glaubensgenossen und stets erfüllt von Hilfsbereitschaft und sozialem Empfinden — nicht nur eine der prominentesten Persönlichkeiten seiner Gemeinde. Sein gründliches Gelehrt enwissen und seine außerordentlichen wissenschaftlichen Leistungen, vor allem auf dem Gebiete der Orientalistik, haben seinen Namen weit über die Grenzen seines Volkes und .unserer Stadt hm:ius ruhmvoll in die Welt getragen. Ich darf wohl sagen, daß auch ein großer Kreis der Wiener, die nicht seines Glaubens sind, dem Verblichenen ein ehrenvolles Andenken bewahren wird! Karl Seitz." Die letzte Fahrt des Oberrabbiners. h. Wien, 16. Dezember. Ein eisig kalter Wintertag. Beißender Wind und dichtes Schneegestöber verleidet den Passanten den Aufenthalt in den Straßen. Und dennoch an zahlreichen Stellen der Stadt Tausende von Menschen. Auf der schneebedeckten Straße stehen sie trotz der herben Witterung stundenlang, alt und jung, Greise und Kinder. Die fahle Wintersonne steht hoch auf dem Firmament, und dennoch Hauptstraßen der Stadt von Bogenlampen hell beleuchtet. Zur stärksten Geschäftszeit zahlreiche Läden geschlossen. Alles im allem, ein vom Getriebe des Alltags völlig abweichendes Straßenbild... Oberrabbiner Professor Dr. H. P. C h a j e s, der für seine Idee, zur Linderung der Not und des Elends so oft Reisen in alle Welt unternommen, tritt heute seine letzte Fahrt an. Die Wiener Judenschaft gibt ihm das Geleite, sie trauert aufrichtig um ihn, denn sie verliert einen Führer, dessen höchstes Ideal es gewesen, seinen Brüdern zu helfen. Obwohl die Anordnung getroffen war. daß die Leiche in aller Stille aus dem Sterbehause in 9. Bezirke. Lackierergasse 9, in den Seitenstettentempel gebracht werde, hatten sich schon den frühesten Morgenstunden zahlreiche Personen in der Umgebung des Trauerhauses eingefunden. Um 8 Uhr morgens wurde der einfache Sarg unter Trauergebeten zum Leichenwagen gebracht und dann, geleitet von den Familienangehörigen, vom Präsidium der israelitischen Kultusgemeinde Wien und der Chewra Kadischa, einer Abordnung deT „Adas Jisroel" mit Oberrabbiner S. Fürst, Obmannstellvertreter Dr. Isidor R e i n i n g e r und Vorstandsmitglied Leopold Richter, den Vertretern der Studentenschaft, welche die Ehrenwache gehalten hatten, zum Seitenstettentempel gebracht. Die beinahe zehnjährige Wirkungsstätte des so plötzlich Dahingeschiedenen, der altehrwürdige Stadttempel, war in tiefste Trauer gehüllt. Schwarze Tücher drapierten die Wände, umkleideten die Säulen, hingen über der Bundeslade; durch den Trauerflor drang der gedämofte Schein der Lichter. An der Stelle, wo er so oft gesprochen, stand nun sein einfacher Sarg, bedeckt mit dem Ehrentuche der Chewra Kadischa. Rechts und links zwölf hohe Girandolen, unter dem Ewigen Lichte brannte die Sterbekerze. Schon lange vor Beginn der Trauerfeierlichkeit staute sich in den an den Tempel grenzenden Gassen eine nach vielen Tausenden zählende Menschenmenge. Die Trauergäste konnten nur, angesichts der beschränkten Raumverhältnisse, mit Einlaßkarten durch einen Kordon der Sicherheitswache in das Gotteshaus gelangen. Dieses selbst war bereits bald nach neun Uhr im Parterre und auf den Galerien überfüllt. Zu der Traüerfeier hatten sich unter anderen eingefunden: Der Bundespräsident Dr. Michael Hainisch, in Vertretung der Stadt Wien Vizebürgermeister Georg E m m e r 11 n g. Polizeipräsident Dr. Johann Schober, Sektionschef Dr. Ernst Horicky für das Bundeskanzleramt, Sektionschef Dr. E. Lo ebenste in mit den Ministerialräten Scapinelli und Fohr in Vertretung des Unterrichtsministeriums, Ministerialrat Dr. Alfons F o r r a m i t i in Vertretung des Ministeriums für soziale Verwaltung, Stadthaüptmann für den 1. Bezirk Hofrat Dr. Tauß, Hofrat Dr. Friedrieh Driak von der Polizeidirektion, die Bezirksvorsteher Dr. Sigmet (I.Bez.) und Schober (IX. Bez.), Bistumverweser Tüchler für die Altkatholische Kirchengemeinde, Justizrat Dr. A. Adler in Vertretung der deutschen Gesandtschaft, sowie zahlreiche sonstige offizielle Persönlichkeiten". Die Wiener jüdische Oeffentlichkeit war vertreten durch den Gesamt vorstand der Wiener israelitischen Kultusgemeinde mit Präsident Professor Dr. Alois Pick und den Vizepräsidenten. Dr. Jakob 0 r ustein und Dr. Josef Löwenherz an der Spitze, sämtliche Mitglieder des Bethausvorstandes unter Führung des Präsidenten Dr. E. Münz, die Rabbiner: Dr. A. Abel es, Dr. M. J. Bach, Dr. M. Bauer. Dr. J. Drob i n s k y, Dr. D. F e u c h t w a n g, Dr. A. Frankfurter, Dr. S. F u n k, Dr. M. G r u n w a 1 d. Dr. A. K a m i n k a, Dr. A. L. M a n d e 1». M. M a y e r s o h n, Dr. M. G. Mehrer, Dr. M. Rosen mann, Dr. A. Z. Sch wa r z. Dr. I. T a g 1 i c h t und Dr. B. Templer, den Gesamtvorstand der Chewra-Kadischa mit Präsident Dr. W. Pappenheim, die Vertreter der B. B.-Logen des In- und Auslandes unter Führung des Herrn Dr. E. K o h n, Abordnungen der Israelitisch-theologischen Lehranstalt mit Rektor Hofrat Prof. Dr. A. Schwarz und Professor S. Kraus, des Hebräischen Pädagogiums, des Jüdischen Realgymnasiums und des Jüdischen Religionslehrerseminars, für die türkisch-sefardische Gemeinde Vizepräsident de M a j o und Rabbiner Doktor O v a d j a, das zionistische Landeskomitee mit Präsident Dr. L. Goldhammer und Adolf Böhm, sowie Vertreter zahlreicher zionistischer Vereine, für die „Union deutschösterreichischer Juden" die Vizepräsidenten Hof rat Doktor J. Löwner und Karl Fröhlich, die Obmänner sämtlicher Wiener Tempelvereine mit dem Präsidenten des Verbandes der Tempelvereine Börserat I. Glück an der Spitze; für den österreichischen Kantorenverband Präsident Oberkantor J. L ö w i t, Vizepräsident Oberkantor J. Müller und Schriftführer Oberkantor A. Frankel und sämtliche Wiener Kantoren, für die Zentralstelle für jüdische soziale Fürsorge Kommerzialrat Karl Klemperer. sowie Vertreter aller dieser angeschlossenen Vereine und der zahlreichen Wohlfahrtsinstitutionen, in deren Dienst der Heimgegangene seine hervorragende Persönlichkeit gestellt, eine große Anzahl von Deputationen der Wiener jüdischen Frauenvereine, die gesamte Beamtenschaft der Wiener Kultusgemeinde mit den Amtsdirektoren Regierungsrat Dr. E. Adler und G. Fuchsgelb, Vertreter der Presse u. v. a. Zahlreiche auswärtige Teilnehmer hatten sich von weiter und naher Ferne zur Trauerfeier eingefunden: so u. a.: für das zionistische Aktionskomitee Leo Motzkin (Paris). Abordnungen hatten entsendet: der Verband der Kultusgemeinden im Bundesstaate Oesterreich: Präsident Baumeister Winkler (Gr.- Enzersdorf): ferner die Kultusgemeinden Amstetten: Baden: Oberrabbiner Reich, Kultuspräsident Alexander Braun. Vorsteher Schey und Stern; Eisenstadt: Sandor Wolf: Gänse rndorf: Gmunden: Alfred Mannheimer: Graz: Landesrabbiner Prof. Dr. D. Herzog und Vizepräsident Schwarz; Horn: Ferdinand Pollatschek uno Siegfried Adler: Innsbruck: Rabbiner Dr. Link; die Kultusräte Graubart und Baurat Adler: Krems: Linz: Rabbiner Dr. V. K u r r e i n und Camillo Schüler: Mistelb a c h: Karl Sonnenmark: Mödling; Rabbiner Doktor Schweiger und Vorsteher Josef Fischer-: Oberhollabrunn: Religionslehrer S. Jellinek; Steyr Nathan Po Hak: S t. PöI t e n: Vorsteher Aibert Leicht, Vorsteher-Stellvertreter Karl Frank und Beirat Julias Kohn; Waidhofen a. Th.; Samuel Barth: W r. Neustadt: Rabb. Dr. H.W e i s s und Vorsteher G. U n g a r, Adolf Raab; ferner die auswärtigen Gemeinden; Berlin: Doktor Martin Rosenblüh; Bratislava: Max Re i s z und Dir. Isidor Knöpfelmacher: Breslau: Dozent Dr. A. Rabin; Brody: Drl I. Bloch; Brünn: Generaldirektor Haas und Dr. Hugo Meissner: Bukarest: Kom.-Rat Wilhelm Roth; Lemberg: Vizepräsident Dr. Hausmann: Prag: Artur Kauders: Triest: Oberrabbiner Prof. Zoll er; Warschau: Stadtrat Dr. Hindes; Za-

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