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Die Wahrheit · 1927-12-16 · Heft 51 (16.12.1927) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 51 (16.12.1927)
Date
1927-12-16
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 DIE WAHRHEIT &he4ätex.3£Mnstu.£it€xutm Tan Wodke *u Wodke Der Gelehrte als Konzertgeiger. Albert Einstein, der Musikliebende, bat, aller relativen Bedenken ledig, eines positiven, gütigen Willens voll, zur Geige gegriffen und, von Bruno Eisner begleitet, bei einem Konzert zugunsten der Berliner J ü di s c he n A11 er shilfe mitgewirkt. An Schubert'und Beethoven deutelt er nicht, die läßt er gelten, wie sie sind. Vor ihnen wird er bescheiden und frohmütig — man sieht's ihm an den Augen an — zum Diener und Mittler. Und wen hätte dieser Mittler vergebens gerufen? Schnell entfachter Beifall jubelte ihm zu. Em Beifall, der sich den Abend über auf der gleichen Höhe hielt. "ÄäBSS**-*'••'• ~ „Neue Pariser Zeitung.4' Das Zeichen der neuanbrechenden Zeit ist das Erscheinen einer deutsch geschriebenen Zeitung in Paris. Sie bringt interessante Berichte über Wirtschaftsleben, Finanzwesen, Kunst. Literatur und Sport und bietet das beste Sprachorgan für die deutsche und französische Industrie. Dr. Paul Hohenau hat die Generalvertretung der „Neuen Pariser Zeitung" für Oesterreich übernommen. Geschäftsstelle: Wien IX.. Türkenstraße 9. ^^^^^^^•rm^-r-^ 'fp&fee-vf-;v-*«55*lB8Sf! Oer Mutter Traum. Chanukkahmärchen in einem Aufzug von Dr. Siegfried Keßler. Verlag B. Heller, München. Preis RM. —.80. In liebenswürdiger und ansprechender Welse' hat es der Verfasser verstanden, in einem Chanükkäh-Spiel darzustellen, wie durch die frische und ganz erfüllte Eindruckskraft eines Kindes, dem das Judentum durch die Schule zum Erlebnis geworden ist, auch in seiner Mutter, die sich seit langem schon von jüdischer Sitte und jüdischem Gefühl abgewandt hat, verschüttete Quellen wieder springen, — wie das alte und fast schon erstorben geglaubte Zugehörigkeitsgefühl zum Judentum wieder aufbricht und wie so sich in einer Mutter im Gedanken an ihr Kind die Wiedergeburt des Judentums vollzieht. Das Sinei, das für Kinder- und Schulaufführungen gedacht ist, führt, geleitet vom Propheten Elia, die 22 Buchstaben des jüdischen Alphabets der träumenden Mutter vor und gewinnt dadurch sogar eine im besten Sinne des Wortes lehrhafte Note. Die Verse übersteigen die Fassungskraft von Kindern nicht und sind leicht einprägsam. Mit diesem Spiel ist nicht nur eine wertvolle Ergänzung des recht begrenzten Repertoires an Kinderstücken jüdischen Inhalts gewonnen; sondern es ist auch zur Lektüre für alle jüdischen Frauen und Mütter geeignet, die es mit ihren Pflichten ernst meinen. Man wünscht dem Büchlein deshalb gerne viele Freunde und zahlreiche Aufführungen. Arthur Spanler, Die massoretischen Akzente. Akademie-Verlag, Berlin 1927. Die Akademie fürdie Wissenschaft des Judentums setzt ihre Veröffentlichungen wacker fort Spanier, der auch über die Tosefta geschrieben hat, beschenkt uns nun mit einem Buche, welches die viel erörterte Frage der biblischen Akzente behandelt. Diese Akzente haben bereits eine hermeneutische und eine rhetorische Erklärung gefunden; andere wollen Musikzeichen in ihnen sehen; Spanier sieht in ihnen sowohl Satzakzente als Zeichen des rhythmischen Vortrages der biblischen Texte. Durch von ihm selbst konstruierte Zeichen macht er uns das Wesen und die Bedeutung der hebräischen Satzteilung anschaulich: Interessant ist seine Feststellung (S. 113), daß das Atnach, dieses bekannte Pausezeichen, dem Bilde und Wesen nach sich ebenso im Griechischen findet. Das Buch ist* für Hebraisten und Grammatiker, doch auch für Tempelfunktionäre, die sich ihrer Aufgabe bewußt sind, sehr lesenswert S. Krauss. 1 Was ist* was will Keren Hathora. Keren Hathora — Thora^Fonds — ist ein Fonds zur Erhaltung aller jener Lehrstätten — Jeschiwoth, Talmud Toroth — in denen jüdische Wissenschaft gelehrt und gelernt wird. Die Hauptzentren der Thöra-Gelehrsamkeit liegen im Osten; in Polen, Litauen, Ungarn und in Palästina; aber auch im Westen sind sie nicht mehr vereinzelt. Sie sind die Hochburgen jüdischer Forschung und Erziehung ini Geiste der Tradition. Diese Grundfesten des Judentums leiden unsagbaren Mangel. Täglich aüfs neue führen sie einen gigantischen Kämpf um die Erfordernisse des Alltags, um die nackte Existenz. Mit einem Idealismus und einer Hingabe ohnegleichen haben sictf ihre Zöglinge dem Studium geweiht. Währerid die herbste Not' an die Pforten der Schule pocht, während viele Alters- — oder besser gesagt — Jugendgenosseh den gleißenden Verlockungen der Umwelt erliegen, ringen sie sich zum tiefsten Wissen empor, bereiten sie den Böden für die geistige Ernte, die dem ges^prten jüdischen Volke zugute kömmt. Es gibt ein altes jüdisches Wort, das den jüdischen Thöra- Beflissenen charakterisiert: Wer sich mit Brot, Salz und Wasser begnügt und unter Ehtbebrtirigen sein' Leben dein* Thora-Stüdiuni weiht, ist ein glücklicher Bürger dieser und jener Welt: Die alten Griechen wären mit Recht von Stolz erfüllt, well sie e-i n e Ii Weisen, Diogenes; den ihren nannten", der vor dein mäcWigsTen König seiner Zeit die innere Ueb'er- Iegeftheit als Diener des- Geistes gegenüber irdischer Machtgröße mit stolzer Bescheidenheit betönt, und die armselige Tonne, die ihm Obdach gewährte, nicht gegen den Königs* palast zlt täuscheir gewillt war. Nicht einen' solchen Diogenes hatdas jüdische Volk aufzuweisen': in den" Hütten kleiner; rüssiscü-pölhischer. litauischer und palästinensischer Städtchen finden wir Hunderte und Täüsende, die um des Studiums willen darben, jede Not mit philosophischer Rühe trägen. Es" liegt in den westeuropäischen Verhältnissen begründet, daß unsere Kinder hier nicht so unbedingt im Reiche des jüdischen Geistes verwurzelt sind. Um so mehr müssen wir stolz darauf sein, daß es Stätten gibt; in welchen die Verbindung mit dem ehrwürdigen Erbgut des jüdischen.Volkes gewahrt wird, daß die Ströme fließen, die zu den ürewigen, lebendigen Quellen führen. Geben doch alle Kulturvölker der Erde Millionen aus, um" die Kulturgüter ihrer Vergangenheit zu wahren. Sollen wir jüdisches Volk, das Volk der thora. nichts übrig haben für die Träger unserer eigenen Kultur? Söll die Erhaltung jener Lehrstätten abhängen vom Edelsinn,Einzelner? Muß die Sorge um sie nicht selbstverständliche Pflicht des ganzen jüdischen Volkes werden? Muß nicht jeder Jude an der Erhältung und Entwicklung seiher Hochschulen den Anteil nehmen, den der Kulturbürger jeder Nation dem Wachstum seiner Akademie entgegenbringt? Aus den Steuern der Bürger werden die Geistesstätten jedes Staates erhalten. Die seelische Verbundenheitdes Juden .mit seiner Lehremuß*' stärker seih als jede geschriebene Konvention; Willig^ mit offenen Herzen und Händen sollen wir geben für die Statten der Thora-Forschüng, aus denen so viele Größe in Israel hervorgegangfen sind; vor deren Bedeutung sichauch die nichtjüdische Welt stets in Ehrfurcht gebeugt hat Oer Keren Hathöra — Thorä-Fonds —. ins Lebehvgerüfen von den großen religiösen Führern der Jüdenheit, hat es sieti zur Aufgabe gemacht, die Lehrhäuser vor dem Untergang zu retten, neue auf- und auszubauen. In aller Welt, im Osten wie im Westen, in Europa, Amerika und Palästina will; Kefem ftäthora das jüdische Erziehungs werfe festigen. Und darum wendet sieh der Keren MÖBELFABRIK Sflüf. WIEN, 2. BEZ., PRA TERSTRASSE NR. 30 Pe/fJr« Auswahl solid w amrb'mMe t e r FERNSPRECH-NUMMER 45-1-91 MSbel xu billigsten Preisen

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