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Die Wahrheit · 1927-12-16 · Heft 51 (16.12.1927) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 51 (16.12.1927)
Date
1927-12-16
Page
– (sequence 11)
Language
German
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DIE WAHRHEIT illlB^ Seite U Als Präsident werde er in seinen Handlungen von den Weisungen des Klubs unabhängig sein, wie auch dieser sich durch die Person des Präsidenten nicht werde beirren lassen. Nach Hinnahme dieser Deklaration wurde Dr. Goldbammer in namentlicher Abstimmung mit 32 Stimmen bei 5 Stimmenthaltungen (Stricker und sein engster Anhang) gewählt. Die Wiederwahl von Dr. David R o t h b I u m und Frau Sophie Löwenherz sowie die Neuwähl von Adolf Böhm und Dr. Georg Wein er, die als „Neutrale" keiner Fraktion angehören, erfolgte einstimmig, hingegen die Neuwahl des Radikalen Hans Kandl und des Prof. Rath vom „Aufbau" mit starker Mehrheit. Dr. Goldhammer gab für das neue Landeskomitee die Erklärung ab, daß es sich als einheitliches, zu gesamter Hand haftendes Exekutivorgan für die zionistische Arbeit betrachte. Die Austragung von Fraktionsfragen gehöre nicht in die Landesorganisation, sondern vor dem Kongreß. Ab Neujahr 1928 soll wieder ein offizielles Wochenblatt unter dem Titel „Jüdische Zeitung" erscheinen, dessen Bestand durch die Garantie einiger Gesinnungsgenossen vorläufig für ein Jahr gesichert ist. Für Mitte Jänner ist, da Dr. Weizmann zu kommen verhindert ist. der Besuch S o k o 1 o w s in Wien angesagt. Zwei deutsche Hetzprofessoren abgebaut Aus Weimar wird berichtet, daß der Haushaltungsausschuß des thüringischen Landtages mit Linksmehrheit beschlossen hat, die Etatsstelle für die ordentliche Professur des Zoologen Plate an der Universität Jena zu streichen. Professor Plate, der sein Katheder unablässig zu antisemitischen Schimpfereien mißbraucht, hat sich vor kurzem vor Gericht eine unsterbliche Blamage geholt. In einem Verleumdungsprozeß gab er ein „wissenschaftliches" Gutachten ab, daß ein gewisser hoher Beamter von Juden abstammen müsse. Der so schwer „Verdächtigte" konnte aber dokumentarisch nachweisen, daß sein gesamter Stammbaum „judenrein" sei. — Gegen den außerordentlichen Professor an der juristischen Fakultät der Universität Berlin, Dr. E. v. Möller, über dessen antisemitische Betätigung im Hörsaal hier ausführlich berichtet wurde, ist bekanntlich das förmliche Disziplinarverfahren eingeleitet worden, nachdem der Kultusminister die Voruntersuchung über die Skandalaffäre abgeschlossen hatte. Herr v. Möller ist nunmehr sang- und klanglos verabschiedet worden. Auch die Preßburger Universität? Die Preßburger Tageszeitung „A Reggel** brachte vor kurzem die aufsehenerregende Nachricht, daß an der Preßburger Universität, im Rahmen einer Sitzung des Vereines der slowakischen medizinischen Studenten, antisemitische Demonstrationen stattgefunden hätten, und zwar dermaßen, daß sich die Vertreter der jüdischen Studentenschaft veranläßt sahen, sich zu entfernen. Zu dem Vorfall äußert sich nun Universitätsprofessor Dr. Netoulek in dem „Grenzbote" vom 3. November folgendermaßen: „Von einer Demonstration, wie es der „Reggel" darstellt, kann keine Rede sein. Eine solche antisemitische Demonstration fand auch nicht statt. Ich war zur Generalversammlung des Vereines der slowakischen Mediziner als Professor eingeladen. Bei der Generalversammlung waren auch Mitglieder der Vereinigung der jüdischen Studenten, „Achduth", anwesend. Es handelte sich darum, wie diese Vereinigung in den slowakischen Verein aufgenommen werden könnte. Diesbezüglich ergaben sich' einige Schwierigkeiten, und im Laufe der Debatte hörte man eine slowakische Stimme „Hinaus m i t d e n J u d e n!" rufen. Von Kundgebungen demonstrativer und allgemeiner Art war aber keine Rede; es kann sich nur um die Privatmeinüng eines Studenten handeln, dies bedeutet aber kein Vor populi." Und Prag?! . Anläßlich der Feier der sechzigjährigen Jubiläumsversammlung des Vereines der tschechischen Mediziner kam es in Prag zu antisemitischen Kundgebungen. Es wurden antisemitische Flugblätter verteilt, in denen auf die große Zahl von Juden aus allen Enden der Welt verwiesen wurde, die in Prag studieren, sich mit der Zeit die inländische Staatsbürgerschaft erwerben und sich dann Assistentenposten und andere amtliche Stellen zu verschaffen suchen, während der tschechische junge Arzt schwer um seine Existenz kämpfen muß. „Daher hinaus mit den internationalen Juden; die tschechische Universität gehört den Tschechoslowakei4 heißt es in den Flugblättern. Im Verlaufe der Versammlung kam es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den faszistischen Studenten, von denen die Aktion ausging, und ihren Gegnern. — Tout comme chez nous . . . JDIe überstaatlichen Mächte." Anläßlich einer Massenkundgebung des Tannenbergbundes in Berlin hielt General Ludendorff eine neue maßlose Hetzrede gegen Judentumund Freimaurerei. Er wiederholte zunächst seine altbekannte Phrase von den ü b e r^ staatlichen Mächten: den Juden, den Freimaurern und den Jesuiten, die Deutschland in den Krieg und den Zusammenbruch getrieben hätten. Er habe durch seine Arbeiten im Generalstab den Frieden erhalten wollen, jene aber wollen es anders. Er besprach sodann die Gründe für seinen Austrittaus der Kirche und wies darauf hin, daß sich die Geistlichen auf den Kanzeln gegen ihn gewendet hätten, als er in dem völkischen Prozeß in München die bedeutenden politischen Machtansprüche Roms erwähnt hatte. Ein hoher Geistlicher entblödete sich nicht zu sagen, er, Ludendorff, hätte sich mit Vorliebe die katholischen Regimenter herausgesucht, um sie an den gefährlichsten Stellen des Kriegsschauplatzes einzusetzen. Als er darauf seinen Austritt aus der Kirche erklärt habe, hätten die Geistlichen gesagt, es passe ihm nicht in seinen völkischen Kram, daß Jesus ein Jude gewesen sei. Schließlich sagte Ludendorff, er habe gelegentlich der Verfertigung seiner Schrift gegen die Freimaurerei die Bibel ernst und eingehendst studiert und dabei gesehen, daß der Glaube, den man ihn gelehrt habe; nicht mehr derjenige sei, der seinen Geist und sein Gewissen bewege. Da es aber nichts Halbes für ihn gebe, habe er die Konsequenzen daraus gezogen, so schwer ihm auch der Entschluß dazu gefallen sei. Hierauf nahm die Frau Ludendorffs das Wort, um vehemente Angriffe gegen die Freimaurerei zu richten, deren Symbolik und Rituale zu Rassenverrat, Nationalverrat und Verhöhnung der männlichen Urteilskraft verführe. Ein völkischer „Dreh". Der Grazer antisemitische „Michel" schreibt: Es ist nicht erwiesen, daß Hitler französisches Geld erhalten hat Und nun folgen für diese Behauptung die ,3eweise": Der bayrische Landtag hat seinerzeit einen „Ausschuß zur Untersuchung der Ursachen des Hitlerputsches" eingesetzt. Aus den Akten ergab sich, daß die Geldmittel Hitlers zum großen Teile aus dem Auslande, vor allem aus der Schweiz, eingelangt seien. Hitler hat auch regelmäßig aus der Tschechoslowakei, ja sogar aus Südafrika und Holland Gelder bezogen. Unter den Geldgebern befand sich auch der Amerikaner Ford. Ob auch französische Geldgeber dabei waren, sei nicht klar ersichtlich. An der Grenze des besetzten Gebietes habe aber französisches Militär einmarschbereit gestanden. Aus dem Inland hat Hitler besonders aus dem Kreise der Schwerindustriellen viel Geld bekommen. Hitler hat auch ein Konto unter dem Namen ,.HanfStengel" gehabt, auf das er holländische, englische und amerikanische Gelder bekam. Aus der Schweiz waren damals 33.000 Franken gekommen, was in der Inflationszeit ein sehr bedeutender Betrag war. — Das Blatt meint, daß diese Tatsachen nicht für den Nachweis genügen, daß Hitler von den Franzosen Geld bekommen. Was für Beweise würden denn genügen? Von überall soll Hitler Geld genommen haben, gerade von Frankreich nicht? Das glaubt — der „Michel"! Bollinger-Eiskasten sind «alt 1870 dl* besten Fabrik: Wien XV., Staglgasse Nr. 10, Telephon B 38-4-19 Filiale: VII.. Bargeasse Nr. 17, Telephon B 32-3-80 -^■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■r —S Kleiderkredit Zablbax innerhalb eines HBMgBHHBBBBM Jahre*, Sämtliche Herren» und Damenkleider Nur Qualitätsware! nach Maß sowie fertig lagernd. Billigste Preise! KLEIDERNAUS WERTER, WIE* XVI., Telephon A 21-501 Ottekrhigrerstralle 17 Telephon A 2« 5^1 m i

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