Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 51 (16.12.1927)
- Date
- 1927-12-16
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 om Wahrheit WatkwtkeUen vom Sage Die Herren Studenten und Herren Rektoren. In der letzten Nummer dieses Blattes wurde berichtet, daß das Referendum über die Frage, ob die Einzelstudentenschaften ihre Selbstverwaltung auf Grund der preußischen Staatsimmsterialverordnung vom 1. Oktober aufrecht erhalten wollen, von der überwiegenden völkischen Mehrheit der preußischen Studenten abgelehnt wurde und daß hierauf der preußische Unterrichtsminister Dr. Becker eine Verordnung erließ, durch die die Selbstverwaltung der Studentenschaft an allen preußischen Universitäten und Hochschulen aufgehoben wird. Wie wurden nun diese beiden sicherlich betrüblichen Ereignisse von den Wiener völkischen Studenten aufgenommen. Sie teilen mit, daß die „Studentenschaften" Oesterreichs von den Ereignissen in Preußen in keiner Weise berührt werden. Die österreichischen „Studentenschaften" haben bisher weder von den „Studentenschaften" Preußens, noch von den gesamten deutschen „Studentenschaften" irgend welche finanzielle Unterstützung erhalten, sie waren vielmehr stets auf sich selbst gestellt und werden dies auch in Zukunft sein. Weiter erzählen die Herren, daß der unbeugsame Wille der „Deutschen Studentenschaft" der Erklärung des preußischen Kultusministers Dr. Becker gegenübersteht, daß aber sonst alles beim alten bleibe, nur daß sie sich ihre Geldmittel jetzt durch Spenden verschaffen werden. Die Mitteilungen dieser Kreise wären an sich völlig belanglos, wenn sie nicht eine krasse Unwahrheit enthielten. Die österreichischen völkischen Studenten, die sich das Recht anmaßen, die Vertreter aller an den österreichischen Hochschulen Studierenden zu sein, behaupten, von der deutschen Studentenschaft finanziell nicht unterstützt worden zu sein. Der „Tag" hat bereits vor Monaten. die Aufsehen erregende Nachricht gebracht, daß 50.000 Mark, also ein recht ansehnlicher Betrag,; von der deutschen an die österreichische „Studentenschaft", überwiesen wurde. Diese Nachricht ist nicht bestritten, noch weniger widerlegt worden. Es wäre den Herren auch schwer : gefallen, dies zu tun. Die immerhin energische Sprache der Wiener Hakenkreuzstudenten wird verständlich, wenn man bedenkt, welche Unterstützung diese von Selten der Rektoren und Professoren finden. So hat z. B. vor einigen Tagen die Konferenz der Wiener Rektoren gegen die Absicht des preußischen Kultusministers, die „Deutsche Studentenschaft" umzuformen, folgende Entschließung gefaßt: „Die an der Universität in Wien tagende Konferenz der Wiener Rektoren erblickt in der geschlossenen Einheit der Deutschen Studentenschaft des ganzen deutschen Sprachgebietes ein überaus wertvolles kulturelles Band und eine wichtige Stütze des Grenzlanddeutschtums in seinem schweren Existenzkampfe. Es erfüllt die Rektorenkonferenz mit Sorge, eine die Studenten des gesamten deutschen Volkes umfassende Vereinigung in ihrem Bestände bedroht zu sehen. Die inneren Verhältnisse der vom Mutterlande abgeschnürten deutschen Voiksstämme sind so eigenartig und schwierig, daß sie aus der Ferne von den weit glücklicheren Stammesbrüdern im Reiche nur schwer richtig beurteilt werden können. Darum ist auch jede direkte oder indirekte Einflußnahme auf sie nicht ratsam, sondern bedenklich. Die Rektoren werden die Studentenschaft in jeder Bestrebung unterstützen, die darauf gerichtet ist, im Aufbau der Studentenschaft den gesamtdeutschen Gedanken und den Grundsatz der Selbstverwaltung zu stärken." Daß nur von den Völkischen ein Keil in die Vertiefung dieser großdeutschen Idee getrieben wird, verkennen die Herren Rektoren. Die Neuwahl des Zionistischen Landeskomitees. Bekanntlich mußte der Parteitag vom 15. November vertagt werden, weil der radikale Klub seinem Mitglied Doktor Goldhammer nicht erlauben wollte, die auf ihn gefallene Wiederwahl zum Präsidenten des Landeskomitees anzunehmen. Der im radikalen Klub gegen die Führung des Ing. Stricker schon während des Parteitages einsetzende Widerstand hat seither zur Reassümierung jenes Klubbeschlusses geführt. — Am 3. Dezember fand der Parteitag im Klubheim, Bennoplatz, unter Vorsitz Dr. Desider Friedmanns seine Fortsetzung. Oberbaurat Ing. Stricker machte namens des radikalen Klubs von der Reassumierung Mitteilung: Den Klubmitgliedern sei die Abstimmung betreffs Dr.^Gol.cLhammers freigestellt. Zugleich werde konstatiert, daß die Mehrheit einen Präsidenten aus der eigenen Mitte nicht stellen wolle oder könne. Goldhammer werde der Mehrheit vom Klub nicht aufoktroiert Die Zentralstelle für Jüdische soziale Fürsorge, ihre Verbände und die angeschlossenen Vereine sowie die Kuratorien der gefertigten Wohlfahrtsinstitutionen betrauern in tiefer Wehmut das jähe Ableben des Herrn Oberrabbfner Prof. Dr. H. P. CHAJES Der Heimgegangene hat seine hervorragende Persönlichkeit ganz in Ihren Dienst gestellt und mit unermüdlicher Aufopferung für ihre Erhaltung gewirkt. Das Hinscheiden dieses seltenen Mannes bedeutet für die jüdische Fürsorge einen unersetzlichen Verlust* ■enta Academlca Judaica Jüdisches Blindeninstitut lerores-W isenhaus für israef.Mädchen Mittelst * ndsf ürsorae Jadischer Volksküchen-Verein Jüdische Jugendfürsorge Israelitischer Waisenverein Jüdisches Lehrlingsiteini » Zukunft" Jüdische Kinderfreunde American Joint*Committee für Oesterreich Das Kuratorium und das Pr^jjfessorenkollegium der Israeiitisdi-Aeologistfien Lehranstalt in Wien geben hiemit tiefbewegt Mitteilung von dem plötzlichen Ableben seines Präsidenten, des Herrn Obcrrabblners Prot Dr. H. P. CHAJES Sein außergewöhnliches Wissen auf dem Gebiete der jüdischen Gelehrsamkeit, seine überragende Bedeutung als Forseber und als Historiker, die innige Liebet mit welcher er an der Lehranstalt, aus welcher er selbst hervorgegangen, hing, lassen die Größe des Verlustes ermessen, den sie durch den Tod ihres Präsidenten erlitten bat. Das Kuratorium, die Lehrer und Schüler der. Israel .-theol. Lehranstalt werden ihren Führer nie vergessen. _ , Das Kuratorium und der Lehrkörper