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Die Wahrheit · 1927-12-16 · Heft 51 (16.12.1927) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 51 (16.12.1927)
Date
1927-12-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Jn Rumänien beginnt bereits 4te Beruhigung in den Kreisen der erregten Studentenschaft Platz zu greifen. Hierzu trägt wohl bei, daß der erste Student, der vor dem Kriegsgericht in Jassy unter der Anklage stand, an der Demolierung der Synagoge in Großwardein teilgenommen zu haben, freigesprochen wurde. * * Anläßlich der Straßenübungen, mit denen sich die Besucher des rumänischen Studentenkongresses in verschiedenen Städten die Zeit vertrieben, wurden auch einige fremde Staatsbürger — weder Juden noch Ungarn — die Opfer eines kleinen Irrtums bezüglich ihrer Rassenzugehörigkeit. Es wäre wirklich ebenso kleinlich wie hämisch, den rumänischen Studenten hieraus einen Vorwurf zu machen. Die berühmtesten Forscher auf dem Gebiete der Rassenkunde sind einstimmig darin, daß es in dieser Wissenschaft keine absolut sicheren Merkmale gibt. Wie sollen da junge Studenten vor einem Irrtum gefeit sein? * .• Ruhig und objektiv Denkende werden sich nicht durch momentane Eindrücke und vorübergehende Wallungen bestimmen lassen. Die Zeitungen mögen fortfahren, weiß Gott, welch ungeheuerliche, wenn auch noch so verbürgte Einzelheiten aus den jüngsten Vorfällen in Rumänien zu veröffentlichen, das wird nicht das Geringste an der Tatsache ändern: Rumänien ist auch heute noch derselbe Kulturstaat, der es seit jeher war. Ego. £«.1;;■• «- Religion oder Illusion? Eine Auseinandersetzung mit dem jüngsten Buche Professor Sig. Fxe ujäs: „Die Zukunf t ei^er Illusion". Von Med.-&at Dr. Heinrich Ha-a s e. (Fortsetzung.) III. Diesen sich mehr oder weniger widersprechenden Aeujßerungen über den Wert der Religion will ich zunächst einige Urteile Spenglers über die w$hre B«<leutiHtg der h§cEsten Errungenschaften unseres Intellekts anfügen-: „Wenn es der Physik wirklich eines Tages gelange, ihr vermeintliches Ziel zü erreichen und alles Sinnliche faßbar in e£n System gesetzmäßig fixierter Bewegung und der in ihr wirksamen Energien zu bringen, wäre sie damit in der Erkenntnis auch nur einen Schritt vorwärts gekommen? Ist d^e Formensprache der Mechanik darum nicht weniger dogmatisch, enthält sie nicht vielmehr die Symbolik der halranystischen Ürworte, welche die Erfahrung beherrschen, stattaus ihr hervorzugehen, gerade in ihrer schärfsten Fassung? Was ist ,JCraft", was ist „Ursache", was ist „ProieÖ"?... Die'EnMec^kungen der Physik sind dem eigentlichen Gehalt nach außerhalb der Formeln selbst im Kopfe so vorsichtiger Forscher wie Ed. Rob. Meier, Faraday, Hertz, rein intuitiver Natur. .\.Es gibt keine Naturwissenschaft ohne eine vorausgegangene Religion. In diesem Punkt besteht kein Unterschied zwischen katholischer und atheistischer Anschauung; sie sagen dasselbe mit anderen Worten. Auch die materialistische Wissenschaft hat Religion. Die moderne Mechanik ist Stück für Stück ein Abbild christlicher Dogmen. Alle Einwände, w-elche die Naturwissenschaft gegen die Religion richtet, treffen sie selbst... Die atomistischen Vorstellungen der modernen Physik (und Chemie), zu denen auch die Elektjroaentheorie und die Quantenhypothese gehört, setzen mehr und mehr jene (faustische) innere Anschauung voraus, die auch auf manchen Gebieten der höheren Mathematik gefordert wird! und dem Laien nicht zur Verfügung steht... Die physikalische Phantasie drängt stets zur Imagination unendlich bewegter Scharen von kleinsten Elementen. Dieses Prinzip, dem die Mathematik' in der Gruppentheorie, der Mengenlehre Rechnung, getragen hat. kehrt in. der kinetischen Q^beprie, d#r Verstellung von Kraftfeldern, loaefi, Elektronen wieder; aber es ist dasselbe, was das Weltgefühl der früheren Jahrhunderte längst in seinen Kobolden, Zwergen und Wichten, in dem stillen Volk in Wiesen und Bergen, in Elfen, die im Laub, im Sonnenlicht „weben" verkörpert hat. Und hier ist der Ursprung dessen zu sehen, was die Worte „Kraft" und „Bewegung" enthalten und was über alle Möglichkeiten logischer Fixierung hinausgeht... Die westeuropäische Physik ist an der Grenze ihrer inneren Möglichheiten angelangt. Daher ergeben sich plötzlich vernichtende Zweifel an Dingen, die noch gestern das unbestrittene Fundament der physikalischen Theorie bildeten, am Sinne des Energie-Prinzips, am Begriff der Masse, des Raumes, der absoluten Zeit, des kausalen Naturgesetzes überhaupt." Wir sehen demnach: Der sich rein wissenschaftlich gebende Materialismus hat mit der Raschheit, mit welcher seine grundlegenden Anschauungen wechselten und sich überlebten, an Geltung verloren. Es bedurfte nicht erst der Einst e i n s c h e n Relativitätstheorie mit der durch sie verursachten Erschütterung der Begriffe von Zeit und Raum, um in bezug auf eine materialistische Deutung der Weltschöpfung z. B. ein „Impossible" auszusprechen, wie es Napoleon einst getan. Als er nämlich zu Füßen der Pyramiden in Aegypten kampierte, ließ er sich von einem der ihn begleitenden Professoren der Sorbonne über das damals neue Thema der Nebular-Theorie unterhatten. Nach dieser sollte aus den ursprünglich ruhenden Nebelmassen durch einen spontanen Schock eine Teilung in Gruppen nach chemischen Affinitäten erfolgt sein. Die Differenzierung in Fixsterne und Planeten, ihre Evaporationen von Dunst und Nebel und Regen habe ebenso plötzlich auf der Erde die Entstehung von Vegetation, vom Tierreich, zuletzt vom Menschen bewirkt Napoleon schwieg eine Weile; dann deutete er, die Augen zu dem glänzend erleuchteten Sternenhimmel einer wunderbaren Nacht, erhebend mit der Hand auf diesen und sprach leise und nachsinnend die Worte: „Et tout cela nest que Chance? — C'est impossible!" Und er war es, der den von der Revolution angeordneten Kultus der Vernunft wieder aufhob und die entthronte Religion wieder einsetzte. Man wird einwenden: aus Politik! Es regiert sich leichter ein Volk, das durch das „Narkotikum" der Religion, wie Freud sich ausdrückt, betäubt ist. Es muß aber die Frage gestellt werden, ob der Kultus der Vernunft von einer Besserung der Sitten begleitet, resp. gefolgt ward. Es war nicht der Fall; namentlich die Jugend ward verdorben. (Fortsetzung folgt.) Zum Ableben des Oberrabblners Prof. Dr. IL P. Chajes. In einer Mittwoch im Präsidium der israelitischen Kultusgemejnde Wien unter Teilnahme der Familienangehörigen des verbuchenen öberrabbiners und der Vertreter der großen jüdischen Körperschaften stattgehabten Besprechung wurden die Anordnungen für das Freitag, den 16. d. M., um YA2 Uhr vormittags auf der israelitischen Abteilung des Zentralfriedhofes (I. Tor) stattfindende Leichenbegängnis getroffen. In den frühen Morgenstunden wird der Leichnam vom Sterbehause nach dem Seitenstettentempel gebracht und dort am Altar aufgebahrt. Vor der Ueberführung auf den Zentralfriedhof findet hier eine kurze Trauerfeierlichkeit statt, an welcher mit Rücksicht auf die Raumverhältnisse nur die Familienangehörigen, ferner die Vertreter der Behörden, des Kultus- und Bethausvorstandes, die Delegierten der jüdischen Anstalten und Korporationen teilnehmen können. Sowohl in den Tempel, als auch in die Zeremonienhalle am Zentralfriedhof kann der Einlaß nur den seitens der israelitischen Kuhuv gemeinde mit Eintrittskarten Beteilten gestattet werden und es sind demgemäß angesichts der zu erwartenden großen Teilnahme umfassende Absperrungsvorkehrungen getroffen worden. Jene Teilnehmer, welche nicht mit Eintrittskarten verseben werden konnten, werden gebeten, sich an der Spalierbildung längs der Simmeringer Hauptsrtaße bis zum Eingange in das Zeremoniengebäude zu beteiligen und den Weisungen der hierfür bestimmten Ordnungsorgane Folge zu leisten. Samstag, den 17. d. M. abends tritt der Kultusvorstand zu einer Trauersitzung zusammen. An alle jüdischen Vereine und Korporationen ergeht das Ersuchen des Kultusvorstandes, zum Zeichen der Trauer für den so hoch verdienten Heimgegangenen festliche Veranstaltungen, welche für die ersten acht Tage seit dem Ableben des ehrwürdigen Oberrabbiners etwa anberaumt sind, abzusagen. Die Chanukafeiern in den Fürsorgeinstituten werden mit Rücksicht auf den Trauerfall lediglich durch die Beschenkung der Insassen unter. Wegfall aller künstlerischen Darbietungen stattzufinden itabea. ".^SP^.^BFiUÜKl3FTy^T

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