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Die Wahrheit · 1927-12-16 · Heft 51 (16.12.1927) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 51 (16.12.1927)
Date
1927-12-16
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 iiltlilM iMilllllUitlilJlillilllflf DIE WAHRHEIT HOTEL „N ATION AL" m Restaurant Wien II., TaborstraDe 18 Ir.'ÄS n«o i«i Zentrale Lage, 200Zimmer, fließendes kaltes und warmes Wasser u. Zentralheizung. In allen Zimmern Telephon Unter^der bewährten; Leitung des bestbekannten Restaurateurs S. Grüner. Vorzügl. wiener, ungarische u. orientalische (rumänische) Küche. Wienerbräu u. Pilsner Urquell. Eigentliche; sie auch von Hause aus etwas den Juden und dem jüdischen Wesen ganz Fremdes. Im ganzen biblischen Judentum sehen wir von ihr keine Spur. Das war nur ganz natürlich; denn in einem Bauernvolk findet sie keinen Platz. Jakob erhält von Laban für seine Arbeit und seinen Fleiß eine Quote des gemeinsamen Erträgnisses, ein Vertrag, den er bekanntlich wie der modernste wissenschaftliche Viehzüchter .zu seinen Gunsten auszunützen versteht, doch von einer Mitgift ist keine Rede. Auch heute noch sucht der Bauer zur Vergrößerung seines Stammbesitzes, zur Arrondierung seines Bauernhofes für seinen Sohn eine bäuerliche Erbin, selbst eine ältere Bäuerin, aber er entschließt sich nicht, ein Ackerstück herzugeben, um eine Tochter zu verheiraten. Die Mitgift ist eines der ersten Erzeugnisse des beginnenden mobilen Besitzes von Gold und Geld, von welchem man sich ungleich leichter trennt, als von Grund und Boden. Nachweisbar haben die Juden sie erst in Babylon kennen gelernt, wo sie — ich erinnere den Leser an das, was ich über diese Epoche im 1. Buche, Kapitel 2, gesagt habe — mitten in eine solche Entwicklung gelangt und ihr gefolgt sind. In den babylonischen Funden erscheint sie als „Nedunje", und hat erst von da auch in die späteren Teile des babylonischen Talmud als „Nedann" Aufnahme getunden. In Europa ist die Mitgift durch die wirtschaftliche Entwicklung und unterstützt durch die Rezipierung des schon wesentlich kapitalistischen römischen Zivilrechtes entstanden; sie ist nicht mit der germanischen Morgengabe des jungen Ehemannes an die Frau zu verwechseln. (Fortsetzung folgt.) Glossen. Als man in Großwardein bereits Tote und zahlreiche Schwerverwundete zählte, ließ die rumänische Regierung zunächst offiziell mitteilen, es seien in der Stadt ein paar Fensterscheiben eingeschlagen worden. Sollte die Kulturwelt sich über das täuschen lassen, was sich alles vor und hinter diesen Fensterscheiben abgespielt hat? * * * Die rumänischen Studenten hielten ihren Einzug in Großwardein unter der Führung ihres Cödreanu, der bekanntlich den Polizeipräsidenten von Jassy niedergeschossen, weil er ihm in seinem Auftreten gegen die Juden zu lau erschienen war. Sollte Herr Codreanu wieder einen Grund gefunden haben, seiner Unzufriedenheit mit der Haltung der zivilen und militärischen Würdenträger Ausdruck zu geben? * « * Daß der Sinn mancher Worte im Laufe der Zeiten einer Aenderung unterworfen war, weiß man. Soll es auch dazu kommen, daß unter „akademisch gesprochen" sofort Jeder das Dreinschlagen mit Knütteln und Schlagringen versteht? * # ■ . * Der ungarische Wohlfahrtsminister hat als Stellvertreter des Ministerpräsidenten Bethlen im Parlament mit flammenden Worten erklärt, daß die öffentliche Meinung mit einem Aufschrei der Erntepörung auf die Ungeheuerlichkeiten antwortet, die auf dem Gebiete eines anderen Staates gegen ungarische Menschen verübt wurden. Sollte es Graf Bethlen seinem Stellvertreter nicht verübeln, daß er es dem rumänischen Ministerpräsidenten so unsäglich leicht gemacht hat, die Entrüstung des ungarischen Parlaments mit einer einzigen ironischen Wendung lächerlich zu machen? * * * Wie ernst es der rumänischen Regierung ist, Strenge zu zeigen, beweist der Umstand, daß sie auch gegen Arbeiter und Juden die Untersuchung eingeleitet hat, weil manche bereits ihnen die Schuld zuschreiben, die Exzesse verschuldet zu haben. Einem findigen Kopf dürfte es auch nicht schwer fallen, nachzuweisen, daß sich die be^- drängten Studenten keinen besseren Rat wußten, als sich in die Synagoge zu flüchten! * » * Selbst die Ueberschreitung der Notwehr soll nicht ungeahndet bleiben. So wird auch der tödlich verwundete jüdische Hotelier in Großwardein, falls er mit dem Leben davonkommt, unter Anklage gestellt werden, weil er sich gejgen eine Rotte, die ihn überfiel, mit einem Dolch verteidigte. Hätte er nicht einen Stock suchen können? * ♦ * Es verlautet, daß der berühmte Dekan der philosophischen Fakultät an der Pester Universität Professor MShelyi nach der Entrüstungssitzung im Parlament eine Depesche an Professor Cuza richtete, in der es u. a. heißt: „Es wäre wohl zu wünschen gewesen, teurer Freund und Gesinnungsgenosse, daß Deine begeisterten Jünger in Großwardein, Klausenburg, Jassy usw. sich nur von den erhabenen Idealen des Numerus clausus hätten leiten lassen, der sich ausschließlich immer und überall auf Juden bezieht. Aber ich begreife es, daß in der Hitze des Kampfes Mißgriffe nicht zu vermeiden sind. Aber wir zwei beiben darum doch die Alten." * * * Die rumänische Regierung ist schon mit Erfolg bemüht, die Gerüchte, daß sie die Tragweite der jüngsten Vorfälle überschätze, zu widerlegen. So hat auch der Minister des Aeußeren Titulescu bereits erklärt, daß es ihm nicht einfalle, seine Demission zu geben. Er habe nur seine Auslandsreise verschoben. Der Minister rechnet damit, daß das Ausland in kürzester Zeit -rwie immer -ttt die kleinen Exzesse gegen Juden vergessen tiaben wird.

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