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Die Wahrheit · 1927-12-16 · Heft 51 (16.12.1927) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 51 (16.12.1927)
Date
1927-12-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 DIE WAHRHEIT Ein gefährliches Machwerk. Die Franzosen Jerome und Jean Tharaud, zwei Brüder, haben unter dem schreienden Titel „Quand Israel it roi" ein Buch herausgegeben, das in der stattlichen Liste antisemitischer „Literatur" eine Sondersteilung einnimmt. Was den Amalthea-Verlag*) veranlaßt haben mochte» dieses Buch ins Deutsche übertragen zu lassen, ist mir unbekannt; ich will aber annehmen, daß es sich nur um einen bedauerlichen Mißgriff handelt und nicht um eine planmäßige Handlung. Jedenfalls muß man es bedenklich finden, daß der Verlag es in seinem Vorworte zu diesem Buche wohl für notwendig hält, darauf hinzuweisen, daß er sich nicht mit der antideutschen Einstellung identifiziere, es aber unterläßt, zu den gefährlichen ant;5^rrpr;senen P^^cei Stellr*"*" zu nehmen. Dieses Buch wird hoffentlich eine Einzelerscheinung in der Reihe seiner Verlagswerke bleiben, denn anderenfalles wäre eine schärfere Sprache gegen die Veröffentlichung von Büchern solchen Charakters notwendig. Die deutsche Ausgabe trägt den Titel „Die Herrschaft Israels" und die einigermaßen einwandfreie Uebersetzung ist das einzig Lobens- *) Der gleiche Verla« veröffentlichte vor einiger 2eit ein auch von uns gewürdigtes Handbuch zur Judenfrage, betitelt „Juden und Judentum von heute" von Reg.-Rat J. KreppeL Und jetzt dieses Machwerk! Quae mutatio! werte daran, wenn auch die Einstellung des Uebersetzers zur Judenfrage merkwürdig berührt. Nachstehende Zeilen sollen alles eher sein als eine Buchbesprechung, denn nur sachliche Ausführungen eines Autors haben Anspruch auf sachliche Behandlung. Die Brüder Tharaud haben Sachlichkeit durchwegs unterlassen, sie führen für ihren Antisemitismus keine Argumente ins Treffen und so stößt man nur auf Vorurteile und Haßgefühl. Allwöchentlich erscheint so viel antisemitische „Literatur", daß es nicht der Mühe wert ist, sich mit dem einzelnen Produkt abzugeben; im vorliegenden Falle aber werden demagogische Phrasen in gefälliger, novellistischer Form zum Ausdruck gebracht, schleichen sich unauffällig in die Gedanken des Lesers und deshalb ist dieses Buch g e f ä h rli c h e r als irgend eine Broschüre oder Flugschrift, die vielleicht aggressiver ist, der man aber ihre Tendenz gleich ansieht. Diese tückische Art, Gift auf silbernem Tablett zu servieren, ist sonst Gewohnheit der Orientalen und wenn die Brüder Tharaud das Buch in die Hände bekommen würden, ohne es selbst geschrieben zu haben, sie würden es zweifellos als typisch „jüdisch" bezeichnen. Die Autoren wundern sich darüber, daß die Juden, „die es in Ungarn auf dem flachen Lande immer gibt, die aus Russisch-Polen, wo sie sich bekanntlich massenhaft vermehren, kamen, die von einer seßhaften Bevölkerung als Vagabunden verachtet, als die Henker Christi vom tiefgläubigen Volk Die Wiener Jüdische Gemeinde beklagt aufs liefste erschüttert den Heimgang ihres ehrwüidigen religiösen Oberhauptes, des Herrn Oberrabbiner Professor Dr. Hirsch Pcrcz Chajcs, der am 13. Dezember 1927 im 52. Lebensjahre jäh aus dem irdischen Leben abberufen wurde. E«ne überragende Persönlichkeit, gleich ausgezeichnet durch hohes Wissen wie durch de ede's en Eigenschaften des Herzens und des Gemütes, rastlos und unermüdlich bis zum falzten Atemzuge bestrebt, demjudentume und seiner Lehre zu dienen, ist unserer Gerne nschaft entrissen worden. Unlösbar bleib« sein Name mit der Geschichte des jüdischen Volkes und unserer Gemeinde verknüpft. D'e rdisdie Hülle des Verewigten wi'd Freilag, den 16. Dezember 1927, um halb 12 II u* vormittags auf d J«n Zentra'f iedhofe (israel. Abte lung) I. Tor, in dem von der israel. Kultusgemeinde Wien gewidmeten Ehrengrabe beigesetzt werden. Wien, 14. Dezember 1927. Der Vorstand der Israel. Kultusgemeinde Wien.

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