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Die Wahrheit · 1927-12-09 · Heft 50 (9.12.1927) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 50 (9.12.1927)
Date
1927-12-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
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OHE WAHHfiEIT iM»ilM^ Seite 9 Führung „werktätiger" Juden die Kuitusgemernde zu erobern, nur um das eine hehre Ziel, bei den Wählern das Mißtrauen gegen die. was die Begeisterung für religiöse Fragen betrifft, immerhin etwas" verdächtigen Sozialdemokraten einzuschläfern? * * Die^mehr oder minder gut maskierten „werktätigen Judien"könnten wirklich— und wir sind glücklich, ihnen, dies bestätigen zu dürfen — darauf hinweisen, daß der erste und größte Sozialist, der die Welt erblickte, selbst nach dem Zeugnisse eines Heun^ Georges niemand anderer als — Moses war. Ofe'Xehren, die im Alten Testamente zum erstenmal, zur menschenbeglückenden Lösung sozialer Fragen und zur Begründung einer den idealsten Anforderungen gerecht werdenden Ethik verkündet wurden, sind und bleiben ein unauslöschlicher föihmestitei des Judentums. Dieser Moses aber, in dem die Juden ihren Mausche Rabbenu, ihren ersten Reifeionslehrer verehren, hat die sozialen wie die ethischen Grundlehren des Alten Testamentes ausnahmslos auf reinstem religiösem Fundament errichtet, sie alle auf göttliche Gebote zurückgeführt. Na<jh dem Sozialismus des Moses ist auch die Religion allein geeignet, ,j(inder sittlich zu beeinflussen" und sie Gott und Menschen gefällig zu erziehen. * * * Auf dem Boden dieser . Ueberzeugung stehen auchvd:ie an.die Spitze der Kultusgemeinde gestellten Männer,; gegen die die vereinigten fünf „werktätigen Juden" als Auftakt zur ihrem „Eroberungszug" ihre wortreiche Klage über den ungenügenden Religionsunterricht anstimmten. Man hörte die Botschaft,,' aber es fehlt der Qlaube. Auch der Glaube, daß• Üie Legitimation der Fünfmänner-Partei zur Erhebung dieser Klage eine genügende sei. :r::::;-..^ . "Worin es -dieser Liegitimation mangelt? Da es sieh um die Frage des Religionsunterrichtes handelt dürfen wir wohl hier zur Antwort einen. Midrasch stellen lassen. Da heißt es: ^.„Der Kaiser Hadrian hatte zwei Minister, von deneni'der eine einst als das Kostbarste das Wort pries, während der andene dias Schweigen als das Ko$tlfchere erklärte. ^■i Per Kaiser lud nun den ersteren ein. den Wert des Wortes zu beweisen. ^Großer Fürst," erwiderte dieser ~ „wozu soll ich das Wort in vielen Worten preisen. Könnte man ohne Worte einem. Könige huldigen, eine Schönheit verherrlichen? Könnte die Welt ohne Geschäfte bestehen?" * a^ihi'winkte der Kaiser dem Verherrlicher des Schweigens» seine Beweise vorzubringen. . . Kaum öffnete jedoch dieser den Mund zum Sprechen, als sein Gegner ihm die Hand auf die Lippen drückte und ihn.am Reden verhinderte, r '^jAy.äs.. tust .du da?" rief zornig der Kaiser.- „Warum störst du ihn am Sprechen?" „Größer Fürst", antwortete der Minister, „ich habe durch das Wort die Güte des Wortes bewiesen. Mein Gegner will sich m e i n e s Mittels bediefieji; um mich zu besiegen? Das geht nicht an. Er soir es mit dem Schweigen versuchen." DANKSAGUNG. Anläßlich meines 70. Geburtstage« sind mir so viele Beweise von Freundschaft und Ehrung zugekommen, daß ich außerstande bin, hiefür Jedem einzeln geziemend Dank zu sagen. Ich spreche daher auf diesem Wege dem- Vorstand sowie den Mitgliedern des Vereines M«hOWra blkfclir Chaullm für den IX. Bezirk", insbesondere den Harren Prof. Dr. Jakob Bronner, 1. Frank, Rudolt Hendl, S. Oesterreich, Ignatz Walzar und Herrn Oberkanror S. Postolow, sowie allen Verwandten und Freunden meinen wärmsten tiefgefühltesten Dank aus. Wien, im Dezember 1927. Adolf Hajek. 2 So weit der Midrasch. Die Schützlinge, Freunde und „Genossen" der Abfallverkünder könnten aus diesem Midrasch lernen, daß was den Religionsunterricht betrifft, für sie das — Schweigen geziemt. ■ * * Die Partei „werktätiger Juden" hat durch ihre Redner auch scharfe Angriffe gegen die Fürsorgetätigkeit der'Kultusgemeinde gerichtet. Die Herren sollten zwar wissen, daß es keine zweite jüdische und auch nichtjüdische Gemeinde gibt, die wfe die Wiener Kultusgemeinde sich darauf berufen darf, daß sie 40 Prozent ihrer Gesamteinnahmen in den Dienst der Fürsorge stellt, aber das beirrt die Nörgler nicht. Ein freundlicher Zufall wollte es, daß in diesen Tagen den leitenden Männern der Kultusgemeinde, die unter der Wucht der weniger sachlichen als persönlichen Ausstellungen mehr lächelnd als zerschmettert den Sitzungssaal verließen, wie zur Entschädigung eine Anerkennung seitens fachmännisch urteilender Niehtjuden zuteil ward. Der leitende Direktor des Lainzer Versorgungshauses hatte in Begleitung eines hohen Magistratsbeamten das jüdische Versorgungshaus in der Seegasse besucht und dessen sämtliche Einrichtungen einer eingehenden Prüfung unterzogen. Beide Herren sprachen beim Abschiede ihre bewundernde Anerkennung über das Gesehene aus. Der Direktor des Lainzer Versorgungshauses versicherte aber auch insbesondere den Herren, die ihn auf dem Rundgang begleitet hatten: „Jetzt begreife ich wirklich schon, weshalb ihre Glaubensgenossen, die In Lainz Aufnahme finden, nicht aufhören, mich mit den Bitten zu bestürmen, dafür zu sorgen, daß sie in die — Seegasse übernommen werden." * * * Sollen wir noch von anderen Leistungen sprechen, die den Ruhm der opferbereiten Männer verkünden, die von den redegewaltigen Männern der Fünfmänner-Partei seit Jahr und Tag unausgesetzt so unglimpflich .behandelt werden? Nein. Die einen arbeiten mit Eifer, Hingebung und Liebe weiter und die anderen — kritteln tmd magern weiter. Aber es fragt sich schließlich doch, wer sind cfie eigentlichen „Werktätigen** in der Kultusgemeinde? Wie vtär% — es ist die? nur ein Vorschlag.,zur Güte — wenn die Partei, (Ke~ jetzt unteF der FtesEge „werktätige Juden" segelt, ihren geütanten „Eroberungszug441 unter dem Namen „Die Worttätigen4' fortsetzen wollt*?

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