Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 50 (9.12.1927)
- Date
- 1927-12-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT mSifif01HfIJflfBillimm!Iliaimi*SlHIStiai ifiMillHSMIliBlllilOli!1; Seite b Major von dannen. Aber Cohen sagte den Kameraden: „Gebet acht, wenn der mit mir Juden anfängt, wird er sich auch bald gegen die anderen etwas herausnehmen." Und das: traf bald ein. Die freiwilligen Jäger gehörten den gebflflte Standen an. Und als der Major eines Tages einen vött ihnen,, einen Studenten, ungerechterweise grob anfuhr, ließ"; die ganze Kompagnie wie auf Kommando den Major stehen und ging zum Obersten, sich über dieses Vorgehen zn beschweren. Der Major mußte sie durch den Obersten um Entschuldigung bitten lassen. Und als die Jäger siegreich in die Heimat einzogen, befahl der Major, nur die Größten, zu denen- .Cohen nicht gehörte, sollten in der ersten Kompagnie marschieren. Da sägte Cohen so, daß der Major es hören konnte:. „Ich wundere mich nur, daß man Smir die Ehre gelassen Tiat, im Kriege vorne zu gehen."* < 1- Doch von diesem Major abgesehen, behandelten alle Vorgesetzten, vor allem der Oberst selbst, Cohen mit besonderer Freundlichkeit. Noch nach vielen Jahren besuchte der Oberst ihn, so oft er in sein Städtchen kam. Auch schenkte er ihm zum Andenken einen Pfeifenkopf, auf dem Jäger in der Uniform jenes freiwilligen Korps gemalt waren. Cohen hatte sich aber auch diese Behandlung verdient. Seine Diensttreue und seine Gewissenhaftigkeit wurden vom Obersten den anderen als Muster hingestellt. Nie hatte er eine Strafwache. Einmal erheiterte er die ganze Truppe, indem er sich als tüchtiger Künstler zeigte und aus Schnee ein gewaltiges Denkmal errichtete, das einen knienden Ritter darstellte. Es galt dem Andenken der bei Seestadt Gefallenen und fand den Beifall auch des kommandierenden Generals. In Limburg fand ein großes Vogelschießen statt, bei dem Cohen buchstäblich mit zwei Kameraden den Vogel abschoß und zur Ehre seiner Truppe den ausgesetzten Schützenpreis erhielt. ' Als er, der einmal totgesagt worden war, dann zu den ßlts$n heimkehre, konnte er freudestrahlend vor die Mutter hiritreten und sie an die Worte erinnern: „Ich habe eine prophetische Ahnung, daß ich glücklich heimkehren werde." Vor allem aber dankte er Gott für d?e wundertätige Hilfe, die €t erfahren" hatte. Mit hebräischen Worten sowie in deutscher Sprache betet er zu dem Allmächtigen in diesem bis heute erhaltenen Herzenserguß, er möge allen Haß von der Erde schwinden lassen, daß freiheitliche Gesinnung die Völker und ihre Führer beseele und nie mehr Krieg und Zwist-.entstehe. Oeffentliehe Plenarversammlangdes Vorstandes der Wiener israelitischen Kultusgemeinde. Mittwoch, den 30. v. M. fand eine öffentliche Plenarversammlung des Kultusvorstandes statt. Präsident Professor Dr. A. Pick eröffnete die Sitzung, begrüßte die erschienenen Vorstandsmitglieder und hielt sodann dem plötzlich dahingeschiedenen Hochverdienten Präsidenten der Pester Israeliti- S^MfiL Religionsgemeinde, Dr. ^Alexander Leder er, einen wäfrnen Nachruf, welcher von allen Anwesenden stehend angehört wurde. Das Präsidium der Kultusgemeinde hat auf tetegraphischem Wege der Büdapester Schwestergemeinde die Innigste Anteilnahme an dem schmerzlichen Verluste zum Ati&Jruck gebracht. . 7 Seit vielen Wochen ist das langjährige Mitglied des KuJtBsvor&tandes, Herr Kommerzialrat Moritz Reif, durch eine schwere Erkrankung den. stets besonders eifrig erfüllten, fliehten als Kultusvorsteher entzogen. Das Präsidium, äfesSfeÄ Mitglieder wiederholt . Herrn Kommerzialrat Reif besuchter*,, kann mitteilen, daß er sich erfreulicherweise auf Wege der. Genesung, befindet. Einen Beweis für das überaus .rege Interesse, welches Herr Kommerzialrat Reif den Angelegenheiten unserer Gemeinde entgegenbringt, bildet ein ausführliches Expose^ welches von ihm im Krankenbette verfaßt^ und an das Präsidium, geleitet wurde. Die mannigfachen Anregungen dieses Exposeswerden in den zuständigen Kommissionen des Kultusvorstandes sicherlich den Gegenständ der Erwägung bilden. ^QUADRAT' rhaitllch In Ober 60O Varkaii Groß vertrieb für Oesterreich: Wien V1I-. Siebeasterngasse 46, Tel. B31 3-?i* Herr Kommerzialrat Sigmund Bondi bat sich bestimmt, gefunden, .sein Mandat im Kultusvorstande zurückzulegen. Präsident Professor Dr. A. Pick dankte Herrn Kommerzialrat Sigmund Bondi für seine Mitarbeit und für sein emsiges Wirken, insbesondere auf charitativem Gebiete. An seiner Statt wurde Herr Michael Sternfeld (Agudah) in den Kultusvorstand einberufen. Amtsdirektor Regierungsrat Guido Fuchsgelb bringt nun den Einlaui zur Verlesung, in dem sich u. a. befindet: Ein Bericht der Hauptkassa vom 15. September 1927. wonach eine Anonymus 1600 Schilling als Spende für verschiedene von ihm angegebene jüdische Fürsorgezwecke erlegte. — Eine Mitteilung des Herrn Justizrates Dr. Adolf Adler, nach welcher aus dem Nachlasse des verstorbenen Herrn Moriz Adler in Zürich ein Legat von 2000 Schweizer Francs de» Israelitischen Kultusgemeinde Wien für jüdische Wohlfahrtsinstitutionen zur Verfügung gestellt werden. — Eine Mitteilung des Herrn Rechtsanwaltes Dr. Rudolf Schwarz- Hiller, nach welcher aus dem Nachlasse des in Wien verstorbenen Herrn Jakob G r ü n f e I d 1000 Schilling als Leg it für jüdische Arme der Kultusgemeinde zugewiesen sind. — Das Testament von Frau Therese Bienstock. Trafik- und Lottokollektur-Inhaberin in Wien, mit welchem die Israelitische Kultusgemeinde zur Universalerbin eingesetzt wird und derselben ein Vorvermächtnis von 1000 Schilling, sowie zwecks1 Verteilung an bedürftige Insassen des Altersversorgungshauses ein Betrag von 500 Schilling ausgesetzt sind. Vom Matrikelamte liegen Wochenberichte vor. aus welchen sich ergibt, daß in der Zeit vom 18. September bis 19. November 1927 die Zahl der Geburten 203. die Zahl der Todesfälle 387 und die Zahl der Austritte aus dem Judentum 240 betragen hat. Von den Erben des Herrn Simon R o s i n wurde der Entwurf einer Widmungserklärung für die von dem Verstorbenen der Israelitischen Kultusgemeinde letztwillig bestimmten 150.000 Schilling vorgelegt, wonach im Spltale der Israelitischen Kultusgemeinde ein Krankenbett II. Klasse und in der Siechenabteilung der Versorgungsanstalt ein Krankenbett III. Klasse als „S. Rosin-Betten" gestiftet werden. Das Präsidium ist bemüht, gemeinsam mit Herrn Kultusvorsteher Direktor E p 1 e r eine Ergänzung der Widmungsurkunde dahin durchzusetzen, daß im Falle einer Erweiterung der israelitischen Versorgungsanstalt der Kapitalsbetrag dieser Widmung für die Zwecke des Ergänzungs- oder Neubaues herangezogen werden könne. Hierauf wurde von Regierüngsrat Fuchsgelb der Präsidialbericht zum Vortrag gebracht Er konnte zunächst berichten, daß sich der Gottesdienst an den diesjährigen hohen Feiertagen sowohl In den ständigen, wie In den temporären Bethäusern würdig und klaglos abgewickelt hat. Nach den vorgenommenen Ermittlungen standen insgesamt den Bethausbesuchern 42.150 behördlich genehmigte Sitzplätze zur Verfügung. Hierzu kommen noch die vielfach in Anspruch genommenen Stehplätze und; es konnte wahrgenommen werden, daß für die Bedürfnisse alter Richtungen ausreichend vorgesorgt war. Hierzu ist zu bemerken, daß die Betgelegenheiten des „Verbandes der türkischen Israeliten" sowie der zahlreichen Hausandachten in diese Aufstellung nicht einbezogen sind. Die Zahl. 4er Unentgeltlich abgegebenen Betsitzkarten hat etw^p 10 Prozent der Betsitze betragen. Einer großen;