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Die Wahrheit · 1927-12-09 · Heft 50 (9.12.1927) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 50 (9.12.1927)
Date
1927-12-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 zu tan. Im Zusammenhang mit den vorangehenden Segenssprücben bezieht sich der Sinn auf den Stolz, alle Gebote erfüllen zu können, 4a. von Vielen die Frauen befreit sind. S. 83 wäre es gut, die Maimonidesstelle genau anzugeben. S. 127 ist die Gleichung ben haschmaschoth ben haarbajim falsch. 'S. 179 zu VI, 6, 1 bedeutet den regelmäßigen Besuch. Der Hinweis auf den Münchener Codex auf S. 157 ist sehr gut, ebenso möge unumwunden anerkannt werden, daß die Anmerkung S. 179 ff freundlicher gehalten ist. 16. Horajot, erschienen 1914, von W. Windfuhr. Ein eigenartiges Vorwort! „Von der ängstlichen Sorgfalt" wird überflüssigerweise gesprochen. Wem das Gesetz am Herzen liegt, der wird diesem Traktate so viel Liebe entgegenbringen wie jedem anderen. S. 25 Anm. Von dem Augenblick, da man das notwendige Salböl nicht mehr herstellen konnte, kann der Hohepriester nur als ,der durch Anlegung der Amtskleider geweihte* gelten. S. 29 ist die Bemerkung über die Stellung des Thoragelehrten im Volke gut. 17. Middot, erschienen 1913 von Holtzmann. Der Herausgeber ist sich darüber klar, daß das wirkliche Bild des Herodianischen Tempels heute nicht mehr gezeichnet werden kann, aber er bemüht sich, durch einen Plan und klare Anmerkungen unserer Vorstellung nachzuhelfen. Die Annahme einer späteren Idealisierung früherer Bauten billige ich so allgemein nicht. Der Vergleich mit den Angaben des Josephus und die jeweilige Feststellung einzelner Maßbestimmungen gereichen dem Hefte pxm besonderen Vorteil. Die Anmerkungen gewinnen durch die reichhaltige Benutzung des Maimonides. S. 53 wundert mich die Bemerkung über Lipschütz, er hat die Fremdwörter gut verstanden, natürlich ist es ratsamer, ein deutsches Wort zu nennen. Auch Philo und die Tosephta werden gern zur Aufklärung herangezogen. Eine prophetische Ahnung. In einer Jugendexhorte erzählte Herr Rabbiner Doktor Grunwald letzthin im Zusammenhange mit dem Wochenabschnitte von einem jüdischen Freiwilligen aus den Befreiungskriegen. Die Erzählung übte auf die jugendlichen Zuhörer einen ersichtlich tiefen Eindruck aus, und da sie es verdient, weiteren Kreisen zugänglich gemacht zu werden, geben wir sie im folgenden nach dem Berichte eines Ohrenzeugen dem Sinne nach wieder. Wie unter den Fahnen Napoleons in Erfüllung ihrer Pflicht gegen das Vaterland Juden kämpften, so aus demselben Grunde auch jüdische Krieger in den Heeren der Mächte, die sich 1813 gegen ihn verbündet hatten. Unter den zahlreichen jüdischen Freiwilligen, die damals zu den Fahnen eilten, befanden sich auch jüdische Jünglinge aus Mecklenburg, dem Lande, das viele aus den Schriften des großen Humoristen Fritz Reuter kennen. In seinen Werken tritt uns ein friedliches Verhältnis zwischen Juden und Christen entgegen. Dieses bestand auch schon früher in Mecklenburg. Es wurde deshalb dort nur als ein gerechter Schritt und ein Fortschritt angesehen, als man den Juden des Landes die bürgerlichen Rechte verlieh. Aus Dankbarkeit gegen das Vaterland trat, wie er in einer späteren Niederschrift bekennt, ein junger jüdischer Bildhauer als Freiwilliger bei dem mecklenburgischen Jägerkorps ein, das sich im März 1813 zum Kampfe gegen Napoleon bildete. Als er diesen seinen Entschluß seinen Eltern mitteilte, waren sie, wie begreiflich, sehr betroffen. Der Vater faßte sich zuerst und erteilte dem Sohne unter Tränen den altüberlieferten jüdischen Segen. Die Mutter tröstete unser junger Held mit den Worten: „Liebe Mutter! Eine innere Stimme sagt mir wahr und wahrhaftig, mich wird keine Kugel treffen. Ich habe eine prophetische Ahnung, daß ich heil zurückkehren werde." Worauf auch die Mutter ihm die Hände segnend aufs Haupt legte. Cohen, so hieß dieser Freiwillige, wurde der ersten Kompagnie seines Regimentes zugeteilt. Er war der einzige Jude in der Kompagnie, und seine christlichen Kameraden gewannen ihn so lieb, daß sie während des ganzen Feldzuges, wohin sie auch kamen, überall, wo Juden wohnten, dafür sorgten, daß Cohen bei jüdischen Wirten einquartiert wurde. Sie wußten, daß er sich streng an die jüdischen Speisegesetze hielt. In seinem Tornister sahen sie auch ein hebräisches Gebetbuch und einen jüdischen Kalender. Daß er von seinen Eltern gutjüdisch erzogen worden war, ersieht man daraus, daß er später in seiner Heimatsgemeinde Jahrzehnte lang an den HHBHBHItt DIE WAHRHKfl hohen Festtagen als Vorbeter im Ehrenamte sich betätigte. Er selbst erzählte aber auch von der Frömmigkeit seines Vaters, der seine Kinder so erzogen hatte, daß sie sich, vor nichts, außer vor Gott, fürchteten. Auf den Märschen wurden die Pulverkarren und Munitionswagen auf dem Friedhof des Ortes aufgestellt, und sehr oft hatte Cohen um Mitternacht zwischen den Gräben auf Wachtposten zu stehen. Während aber andere das Gruseln bekamen, weil ihnen schon als Kindern solche gruselige Märchen von Toten und Friedhöfen erzählt worden waren, blieb er immer ohne Furcht. Sein Judentum war überhaupt wie ein Engel, der ihn überall begleitete und ihm die Wege ebnete. So trat er eines Tages bei einem Juden ins Haus. Er fand die Familie bei Tische und begrüßte sie mit dem hebräischen Gruße „Beruchim Hajoschwim" (Gesegnet, die da sitzen!). Freudig schallte ihm der Gegengruß entgegen: „Baruch habba" (Gesegnet, der da gekommen!), und er wurde wie ein Familienmitglied freundlich aufgenommen. In Aachen sucht er an einem Freitag die Synagoge und ein jüdisches Speisehaus. Er sieht vor einer Haustür einen Mann stehen, in dem er einen Juden zu erkennen glaubt. Er spricht ihn an mit „Schalom alechem (Friede über Euch!) und der freut sich, in dem schmucken Krieger einen Glaubensgenossen zu sehen. Auf die Frage nach Synagoge und Speisehaus erwidert er: „Beides haben Sie in diesem Hause. Hier wird gebetet und ich verabreiche koschere Kost auch gegen Bezahlung." In dem Betsaal wird Cohen mit allen Ehren ausgezeichnet. Er erhält seinen Platz neben der Bundeslade. Und als er nach vierzehntägigem Aufenthalte bei seinem Wirte die Rechnung begleichen will, sagt ihm der lächelnd: „Glauben Sie wirklich, ich werde mir von Ihnen zahlen lassen? Was ich Ihnen damals sagte, war nur ein Scherz. Ich freue mich, daß ich Sie bewirten konnte!" Als seine Truppe vor der Festung Jülich lag, sah Cohen unter den Händlern, die im Lager zu tun hatten, einen alten Mann; den er für einen Juden hielt. Er sprach ihn mit hebräischen Worten an und der Alte bot ihm sofort an, da gerade das Pessachfest vor der Tür stand, ihn mit Mazzoth und aller sonstigen Kost für das Fest zu versorgen. Er schickte ihm sogleich zwei Körbe mit Mazzoth, Fleisch, Wurstvorrat und Wein und anderer guter Dinge so viel, daß Cohen noch mit seinen christlichen Kameraden teilen konnte. Aber auch jene prophetische Ahnung, daß ihn keine Kugel treffen und es gesund heimkehren werde, hat sich vollauf bewährt. Cohen machte eine ganze Reihe von blutigen Treffen mit. Bei Schöneberg im August 1813 focht seine Truppe 'gemeinsam mit dem bekannten Major Schill und seinen Husaren. Er erzählt, wie Schill gefangen genommen wurde. Schills Offiziere wurden bekanntlich auf Befehl Napoleons in Wesel erschossen. Cohen gelang es in diesem Treffen, eine ganze Anzahl Kameraden vor der Gefangennahme oder dem sicheren Tode zu retten, indem er einem Signal folgte, das andere falsch verstanden hatten. Bei Retschow fiel sein Nebenmann zur Linken und der zur Rechten. Er selbst blieb unversehrt In einem Feldlager ging das Gewehr infolge der Fahrlässigkeit eines Kameraden los und ein guter Freund Cohens, der neben ihm lag, wurde von der Kugel getötet. Wenn bei Verteidigung der Eiderbrücke gegen die Dänen die anderen sich bei jeder nahenden Kanonenkugel bückten, blieb er aufrecht und sprach den Kameraden zu, das Gleiche zu tun. In dem Treffen bei Seestadt blieb er unverletzt. Aber infolge der argen Vergeßlichkeit eines Vorgesetzten wurde er mit nassen Füßen, die er sich beim Sturz in einen Graben geholt hatte, statt einer Stunde 4 Stunden ohne Ablösung auf einem Posten gelassen. Es fügte sich, daß er noch am selben Abend in einem verlassenen Bauernhause eine Anzahl wollener Strümpfe fand. Sonst wäre er an dieser Erkältung zugrunde gegangen. Ueberau schützte ihn offenbar eine höhere Macht Nur einem Judenfeinde begegnete er in dem ganzen . Feldzuge und der war sein Major. Schon beim Ausrücken sagte der zu den versammelten Jägern: „Es wird Zeiten geben, wo jeder wird seinen Tornister selbst tragen müssen. Aber es sind ja welche unter uns, die das Packentragen gewohnt sind." Damit zielte er natürlichauf Cohen als Juden. Lebten doch die Juden noch in jener Zeit in großer Zahl von dem mühseligen Gewerbe des Hausierers, der seinen schweren Packen mit Waren von Dorf zu Dorf schleppen mußte. Cohen wußte nicht, wohin er sich vor Empörung wenden sollte. Aber wie ein Mann traten seine Kameraden für ihn ein und riefen dem Major zu: „Unser Cohen ist kein Packenträger; sondern ein Künstler." So abgeblitzt zog der

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