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Die Wahrheit · 1927-12-09 · Heft 50 (9.12.1927) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 50 (9.12.1927)
Date
1927-12-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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die Wahrheit iiitiuinniiiiimiiiimifflnMiitmniunmnminiamniimiuiminniiiii Die Gießener Mischna-Ausgabe. Von iRabbiner Dr. A. Po stier, Kiel. (Schluß.) 10. Joma, erschienen 1913 von Meinhold, die Einleitung ist ebenfalls recht bibelkritisch gehalten, wird aber dem Geist und der Stimmung noch ziemlich gerecht. Daher ist der Schlußsatz sehr versönnlich, verzeichnet mit Verständnis das tatsächliche Empfinden. S. 57 zu V 6c muß die Uebersetzung heißen: .Man kann dabei Untreue begehen4, d. h. es gilt so sehr als heilig, daß eine Entwendung einer Veruntreuung heiligen Gutes gleichkommt. Die Uebertragung .doch es ward auch entwendet* ist falsch. Die Anmerkung S. 53/4 gibt wohl nicht die richtige Vorstellung wieder. Wie beim Schlagen der gerichtlichen Geißelhiebe der Schlag jemals tiefer ging, nachdem man oben am Rücken angefangen hatte, so muß auch bei Sprengen der ersten Blutstropfen nach oben gerichtet werden, die folgenden aber immer tiefer hinzielen. Wertvoll — und wieder ein Zeichen der Objektivität — ist die Anmerkung S. Td zu VIII 9a, die die Quelle von Mat 5, 23 ff ist. 11. Rosch ha-schana, erschienen 1914 von Paul Fiebig. Der Herausgeber, der übrigens ein guter Kenner der jüdischen Literatur ist, behandelt in der Einleitung das Verhältnis der Mischna zur Tosephta Rosch ha-schana. bringt große Stücke aus den Neujahrsgebeten, unter Zugrundelegung des Baerschen Siddurs (und sogar ganz moderne deutsche Gebete für dieses Fest, wie S. 31 von Seligmann). Ja, er bringt sogar auf S. 105 Noten zur Veranschaulichung der Schofartöne. S. 69 muß es heißen .soll' statt darf. 12. bis 14. Baba qamma, Baba messia und Baba batra, erschienen 1913, 1923 und 1925, sämtlich von W. Windfuhr. Alle Einleitungen erweisen die gute Kenntnis des jüdischen Zivilrechtes, wie es die Bibel lehrt, und wie es die Grundlage dieser Traktate ist. Der Verfasser hat auch aus Sonderforschungen über dieses Gebiet sich reichlich belehren lassen. (Auf S. 2 des Traktates Baba qamma hat er vergessen, zu vermerken, daß die Bezeichnung „Hilfeleistungen" auf Jes. 33, 6 zurückgeht.) Man freut sich, das gesunde Urteil über Aehnlichkeit und Entlehnung zu lesen. Der Herausgeber betont die Bedeutung dieser Rechtsvorschriften, die sie für den orthodoxen Juden noch heute haben und schließt ,man wird mit den jüdischen Gelehrten zu der Ansicht kommen, daß hier eine juristische Größe vorliegt, die von Anfang an im eigenen. beschränkten Kreis gepflegt und aus sich selbst herausgewachsen ist. Wenigstens gibt das römische Recht kerne Veranlassung, an Entlehnungen zu denken, für den, der nicht hinter jeder Aehnlichkeit eine solche vermutet. Die Verhältnisse in griechischer Zeit sind nicht bekannt genug, als daß man bisher ein Urteil gewagt hätte.' Muad. auf S. 11. wird man am besten durch bezeugt oder verwarnt übersetzen, .gefährlich' trifft nur noch etwa den Sinn und ist von der wörtlichen Uebersetzung zu weit entfernt. S. 21 zu III 4 dürfte .gemeinsam' falsch sein. S. 39 zu V 4 wird man doch wohl Hoffmann folgen müssen. S. 14 zu l 1: es handelt sich doch um einen Fund, der alltäglich vorkommen kann, der Schluß auf .die ungeheure Kleidernot der armen Bevölkerung4, die oftmalz zwei Personen zwang, ein Kleidungsstück abwechselnd zu tragen, ist doch wohl sehr gewagt und gänzlich überflüssig. S. 41 vgl. Margolis im Index. Ob die Differenzierung von nochri und goj (S. 64) zulässig und richtig ist? — S. 19 Anm. der Verweis auf Dtn 27, 2, 4 gibt Nichts. S. 22 zu II, 4 klärt die Anmerkung die selbst nach dem Talmud schwierige Stelle längst nicht genügend auf. Auf S. 24 ist mit der Anmerkung der Hinweis auf 2. Kge 16, 4 nicht klar geworden. Die Anmerkungen über Maße und Termini sind bisweilen sehr aufschlußreich, so S. 63. Man beachte zu der S. 70 ad VIII, 2 genannten Stelle die Kommentare zu Hiob 42, 15. 15. Abot, eben 1927 erschienen von G. Beer. Auch diese Ausgabe sticht leider nicht sehr von der Pesachim-Ausgabe des Verfassers ab. Hier hat es Beer auf die Pharisäer abgesehen, die er mit gehässigen Bemerkungen belegt, wiewohl er in der Wiedergabe der Charakteristik des Musterjuden ihm wahrlich keinen Mangel anhängen kann. Der Vergleich, nach dem sich Abot zur übrigen Mischna wie Deuteronomium zum übrigen Pentateuch verhält, ist recht hinkend, man möchte sagen, töricht. So ist der Erklärer von Vorurteilen nicht frei genug, um den Büchern Herfords freundlich gegenüberzutreten, er benutzt sie, übernimmt sie auch oft, liebt es aber, sie abzulehnen. Die Anmerkungen sind daher auch auf den gleichen Ton abgestimmt, sie sprechen von spinösen Auslegungen und Anwendungen (S. 6), von der jüdischen Mär (S. 129), von den Liebeswerken, die auch von dem christlichen Gemeindemitsüed verlangt werden (S. 8). Wertvoll sind in der Einfettung die Abhandlung über die Einführungsformel, die sprachlichen Beiträge und die nicht so klare Auseinandersetzung über die Traditionskette. Der Kommentar ist in diesem Hefte wieder sehr ausführlich, aber man kann darin keinen Nachteil sehen. Zu S. 13 Anm. vgl. Posner im Jeschurun. ed. Wohlgemuth 1925, S. 460—467. S. 15 Anm. der Segensspruch ,der mich nicht als Weib erschaffen hat', hat nichts mit der Stellung der Frau Indessen flickte seine Frau seine Kleider. Bekanntlich tragen Schneider stets zerrissene Kleider. Ebenso wie Schuster stets mit zenrissenen Schuhen herumlaufen. Als alles fix und fertig war, nahm der Schneider ein Bad, und am anderen Tage begab er sich zu dem hohen Herrn. Dieser wartete bereits und nahm den Schneider sehr leutselig auf. Er gab ihm bekannt, daß in einer Stunde gereist wird, und der Schneider bat, schnell nochmals nach Hause laufen zu dürfen, um sich von seiner lieben Familie verabschieden zu können. Dies wurde ihm gewährt Der Schneider machte diese Ausrede absichtlich. Er hatte sich schon von seiner Familie verabschiedet, hatte aber, was ihm später zu seinem Entsetzen einfiel, vergessen, die Mesusoh zu küssen . . .!" Schmulek tat einen tiefen, weltgescMchtlich-erzählenden Seufzer und fuhr fort: „Na, also, der Prager Schneider ist im fürstlichen Palast angekommen. Man empfing ihn mit großen Ehren und wies ihm einige herrliche Gemächer an, die alle Bequemlichkeiten aufwiesen. Auch eine vollständige Schneiderstube war vorhanden, die den Prager Schneider so entzückte, daß er beim Anblick derselben ausrief: .Gottes Wunder sind groß!' Jetzt bekam der Prager Schneider das Bewußtsein, daß Schneider auch Menschen sind, und er dankte fortwährend seinem Schöpfer, daß er ihn zum Schneider gemacht. Ein volles Jahr ist vergangen, und der Schneider von Prag hatte viele fürstliche Gewänder gemacht, die ihn zur Berühmtheit im ganzen Lande machten. Aber bei allen Ehren, die man ihm erwies, war er ein aufrichtiger, frommer Mann geblieben; wußte er doch, daß er die Kunst des prachtvollen Schneiderns einer göttlichen Eingabe zu verdanken hatte. Die freie Zeit verbrachte der Sohneider im frommen Gespräche mit Gott. Allmählich wurde im Palast bekannt, daß der Schneider aus Prag kein so einfacher Mensch sei, denn er redete viel mit unsichtbaren Wesen. In Wirklichkeit aber beriet sich der Schneider mit Gott, wie er die fürstlichen Gewänder zu machen habe. Dies gang folgendermaßen zu: Wenn der Schneider eine schwierige Schneäderfrage zu lösen hatte, betete er tagelang, bis er in einen Schlaf verfiel, der ihn die Lösung der Frage einfach träumen Keß. Mit einfachen Dingen ging dies sicher nicht zu. Eines Tages hielt ein großer Rabbi in der Residenzstadt Einkehr. Er erfuhr von dem Prager Schneider, der im fürsfc liehen Palast wohne, und er beschloß, denselben aufzusuchen. Noch am gleichen Tage empfing der Schneider von Prag den Rabbi. Was die beiden zusammen sprachen, ist nie bekannt geworden, aber das weiß man, daß der Rabbi den Schnöder als einen von Gott besonders begnadeten Menschen bezeichnete, und daß man demselben alle Ehren erweisen solle. Der Rabbi selbst sprach stets vom Prager Schneider mit höchstem Respekt und sogar mit einer gewissen Ehrfurcht. Bald sprach sich dieses in der Residenzstadt herum, und man fing allerwärts an, Wunder von dem Präger Schneider zu erzählen. Wenn der Schneider den Palast verließ, umringten ihn Dutzende von Glaubensgenossen; jeder klagte ihm sein Leid, und jeder erflehte von dem Wundermanne Hilfe. Aber der Schneider von Prag antwortete jedem: ,Gar nichts bin ich! Ein Schneider bin ich! Ich kann für euch nichts tun! Laßt mich in Frieden! Was wollt ihr von mir? Mehr wie beten kann ich nicht . . .' Ah, das war genug. So ein bescheidener Mensch! So ein großer Mann! Beten! Ja, das wollte man nun gerade von ihm! Darum wollte man Um ja bitten! Und der Prager Schneider half jedem. Dem wurde ein Kind geboren, dem wurde der Wechsel zum sechstenmal prolongiert, der wurde von einer bösen Krankheit geheilt — kurz: jedem, dem er zu beten versprach, wurde geholfen. Bald war der Schneider von Prag im ganzen Land bekannt und geschätzt. Von allen Enden und Ecken des Landes reiste man zu ihm. Aber auch der Fürst wurde dies gewahr, und er freute sich, einen solch großen Mann am Hofe zu haben. (Schluß folgt.)

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