Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 49 (2.12.1927)
- Date
- 1927-12-02
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 MltiflMIlMi« liiiiiilyiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiillii ■MMMUflUUI DIB WAHRHEIT HOTEL „NATIONAL i m Restaurant 5 Wien II., Taberstraße 18 IS^JSSS» Zentrale Lage, 200 Zimmer, fließendes kaltes und warmes Wasser u. Zentralheizung. In allen Zimmern Telephon Unter^der bewährten Leitung des bestbekannten Restaurateurs S. Grüner. Vorzügl. Wiener, ungarische u. orientalische (rumänische) Küche. Wienerbräu u. Pilsner Urquell. lager an der Cholera gestorben sei, und daß man sie in der Kreisstadt beerdigen werde. Das Dorf, in dem Chaschie gewirkt hatte, war gerade der gefährlichste Punkt gewesen, und sie hatte sich nicht genug in acht genommen. Sie hatte die Kranken in die Wanne gebracht und ihre Körper mit verschiedenen Essenzen gerieben, dann aber nicht darauf geachtet, sich Kleider und Hände gut zu desinfizieren. Der Leichenzug war ganz großartig. Fast die ganze Stadt war da. Auch viele Christen. Am Grabe sprach der Rabbiner, der älteste Arzt, der Vorsitzende des Kreistages. Die Eltern der Verstorbenen standen seitwärts, allein und weinten heiße Tränen, aber sie verstanden nichts. Erst wieder zu Hause, schrie die Mutter mit fremder Stimme auf, und andere Frauen stimmten ein: „Ein so junges, iunges Bäumchen....." (Fortsetzung folgt.) Glossen. In Brünn haben etwa hundert mit Stöcken und Gummiknütteln ausgerüstete hakenkreuzlerische Studenten den jüdischen Hörern den Einlaß in die Hochschule für Technik verwehrt. Welche Genialität in der Erfindung neuer technischer Behelfe zum leichteren Vorwärtskommen! Gibt es ein Mittel, um den Konkurrenten sicherer aus dem Felde zu schlagen? * * * In deutschnationalen Kreisen macht sich, wie verlautet, eine lebhafte Agitation bemerkbar, die dahin geht, eine Revision der Satzungen des hakenkreuzlerischen österreichischen Skiverbandes zu erzwingen. Dem famosen Arierparagraphen, der das Ziel verfolgte, nicht nur Stadt und ebenes Land, sondern auch die Luft der Berge mit antisemitischen Bazillen zu schwängern, soll eine Klausel beigefügt werden, wonach ausnahmsweise für ewige Zeiten den Nachkommen des Ritters Georg von Schönerer deren gerichtsordnungsmäßig bewiesene und festgestellte Abkunft mütterlicherseits von dem seligen Schmul Leeb Kohn nachgesehen wird. Es ist anzunehmen, daß die erbittertsten Hakenkreuzler aus Pietät für Schönerer, den gefeierten Begründer der deutschnationalen antisemitischen Partei in Oesterreich sich dieser Revision nicht widersetzen werden. * * * Die hakenkreuzlerischen Studenten an der Wiener Universität, die unter dem Pseudonym „Deutsche Studentenschaft" auftreten, haben einen Üniversitätsführer für Hörer des ersten Jahrganges veröffentlicht. Sowohl dem scheidenden Rektor Molisch, wie auch dessen Nachfolger Peham waren die Druckbogen des Büchleins, das sachliche Mitteilungen bietet, vorgelegt und sie hatten daher keine Bedenken, einige empfehlenswerte Leitworte beizusteuern. Es ist nun sicherlich nicht sonderlich überraschend, daß die Hakenkreuzler nachträglich auch den Leitaufsatz ihres Führers, der ein Kompendium antisemitischer Beschimpfungen' enthält, dem Büchlein beifügten, das somit den Eindruck erweckt, als stünde es zur Gänze unter dem Protektorat hoher akademischer Würdenträger. Weniger begreiflich ist es allerdings, daß die Professoren Molisch und Peham sich nicht nachträglich bemüßigt sahen, festzustellen, auf welche Weise ihre Beiträge erschlichen wurden. Man sollte glauben, daß diese Herren diese Richtigstellung ihrer eigenen Ehre schuldig sind. Die Ehre der Juden können die antisemitischen Schmierer nicht besudeln. ■* •* * Dem so jäh durch den Tod aus seiner Wirksamkeit gerissenen rumänischen Diktator Jonel B r a t i a n u wird von seinen Verehrern nachgerühmt, daß er das Werk seines Vaters in dessen Geist fortgesetzt hat. In der Tat hat auch der Sohn sich bemüht, dem rumänischen Staate, der sich so lange sein halbasiatisches Gepräge bewahrte, mit einem dünnen europäischen Firniß zu versehen, auch er hat seinen eisernen, unbeugsamen Willen zum höchsten Gesetz erhoben. Die Juden Rumäniens, die auch auf dem Schlachtfelde mit ihrem Blute die, Treue zu ihrem Vaterlande besiegelten, können nicht behaupten, daß Jonel Bratianu jemals den Willen bekundet hätte, ihren bürgerlichen Rechten, die überdies unter der Garantie der Signatarmächte standen, zur vollen Geltung zu verhelfen. Als der Vater Jonel Bratianus der Herr über das Schicksal der Juden in Rumänien war, richtete ein Bukarester Universitätsprofessor an den berühmten Adolf Franck in Paris die Bitte, er möge ihm seine Meinung über seine Schrift: „Vergleichende Versuche über die Institutionen und Gesetze Rumäniens" aussprechen. Franck antwortete ihm offen, daß er mit jener Partie des Buches, die über die Juden handelt, ganz und gar unzufrieden sei: „Ich gehöre", — schrieb der große Gelehrte u. a. buchstäblich — „und ich bin stolz darauf,- jenem alten Geschlechte an, welches der Menschheit die Bibel, das Evangelium, die Apostel und sogar die Person Jesu Christi geschenkt hat. Die Juden waren dort moralisch und physisch schmutzig, wo man sie beschmutzt hat." Dieses Urteil hat leider auch für das Rumänien Jone! Bratianus seine Aktualität behalten. * * * Es ist wiederholt von ungarischen Ministern betont worden, daß die Revision des Numerus clausus, die von der öffentlichen Meinung im Auslande mit der Revision des Trianoner Vertrages in Zu-