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Die Wahrheit · 1927-12-02 · Heft 49 (2.12.1927) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 49 (2.12.1927)
Date
1927-12-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
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seite 6 II11BI2H DIE WAHRHEU Palästinakriegsschauplatz focht, von London in die Churwah- Synagoge in Jerusalem. Diese Feldzeichenüberführung 1926, zu der die jüdischen Legionäre zusammenströmten, war für die Araber zweifellos eine Herausforderung, Gleiche Gesinnung beweisen die deutlichen Bestrebungen dieser radikalnationalen Seite, die jüdische Legion in Palästina neu zu bilden und als jüdische Kampftruppe aufzustellen. Eine Anzahl bekannter Zionisten Palästinas hat sich in einem Aufruf dagegen erklärt, in dem sie feierlich versicherten, das neue Palästina könne niemals mit Waffengewalt aufgebaut werden. Die radikalen Nationalisten bekämpfen aber vor allem den vermeintlichen beständigen Kotau vor England. Die Lage, so behaupten sie, würde um keinen Deut schlechter, wenn mit den Engländern einmal Fraktur geredet würde. Die Mandatarmacht gebe Hunderttausende für mohammedanische und christliche Schulen, lumpige 3000 Pfund dagegen für die jüdischen Schulen Die Mandatarmacht denke gar nicht daran, ihr Versprechen, das herrenlose, besiedelte Land den Juden anteilig zu geben, zu erfüllen, und sie scheue nicht einmal davor zurück, wegen politischer Vorteile die Juden öffentlich bloßzustellen. Würde in Deutschland eine Regierungsverordnung erscheinen können, die Juden etwa für eine umzubildende Gendarmerie namentlich ausschließt? In Palästina erscheint sie. Sie ist zwar später gemildert worden; aber ist sie nicht bezeichnend? Gut unterrichtete polltische Kreise wollen wissen, die Umformung der palästinischen Gendarmerie hänge mit der Auflösung der Gendarmerie Emir Abdullahs, des Herrschers von Ostjordanland von Englands Gnaden, zusammen. Seine Gendarmerietrappe mußte auf Englands Wunsch aufgelöst werden. Er fügte sich schließlich aber unter der Bedingung, daß wenigstens keine Juden der neuen Truppe angehören. Zweifellos ist die englische Regierung hier zu weit gegangen. Vertraulich wird erzählt, Lord Pluiner habe auch seinen fehler eingesehen und berichtigt Ich konnte mich nicht enthalten, einem hervorragenden zionistischen Führer bei Besprechung dieser Frage zu sagen: „Wird der Centraiverein nicht demnächst e'ne Filiale in Palästina eröffnen müssen? Und in der Tat bedeutet die politische Arbeit der Zionisten der englischen Regieruns: gegenüber zu einem Teil schon eine Art Kampf um die Minoritätsrechte. Dieser — welche Ironie des Schicksals! — muß zweifellos mit denselben Methoden, Mitteln und Erfahrungen geführt werden, wie wir ihn, oft unter heftigen Angriffen von zionistischer Seite, in unserer deutschen Heimat führen. Wenn m unseren Reihen früher oft. jetzt seltener, der Ruf ertönte: „Was tut der Centralverein?" — den leitenden Männern' der Zionistischen Exekutive in Jerusalem geht es nicht anders. Auch diese klagen bewegt über den mangelnden politischen Sinn der Juden in Palästina. Große Worte und lärmende Taten, die ersichtlich als die Politik bei der Masse gelten, werden begehrt Die bestehenden Verhältnisse, die Uebermacht der englischen Regierung, die Möglichkeit, nicht im offenen lärmenden Kampfe, sondern bestenfalls in geschickter politischer Kleinarbeit seih Recht zu erlangen, werden nicht gewürdigt Manche behaupten, die zum mindesten gleichgültige Haltung der englischen Regierung den Juden gegenüber, sei darauf zurückzuführen, daß die leitenden englischen Beamten — man nennt den Gouverneur von Jerusalem, Starres — eine Art antijüdischer Hauspolitik in Palästina treiben. In London würden die maßgebenden Behörden dagegen auftreten, wären sie unterrichtet Diese Behauptung ist sicher verfehlt Aus der Not wird eine Tugend gemacht Es ist schon so, wie in jedem politischen Handbuch nachzulesen ist: die Engländer machen die Kolonialpolitik, die ihnen zuerst vorteilhaft ist Es wäre wunderbar, würden die führenden Männer der Zionistischen Exekutive, die keine rosarote Brille tragen, dies nicht erkennen, und würden sie sich nicht darüber klar sein, daß die Eng'änder die Juden oder die Araber oder beide gemeinsam fördern, aber nur, solange das englische Interesse, das allerdings oft gleich Palästina-Interesse Ist darunter nicht leidet. ■ DAMKSytGUNG ■ H Anläßlich des schweren Schicksalschlages, der H H uns unsere innigstgeliebte Tochter H H Jessa H H so jäh in der Blüte ihrer Jahre entrissen hat, sind H H uns so zahlreiche Beweise der Anteilnahme an S H un unserem furchtbaren Geschick zugekommen. H H daß wir uns außerstande fühlen, jedem einzelnen H H persönlich zu danken. H H Wir sprechen daher auf diesem Wege allen, H H die uns in diesen schweren Tagen beigestanden, H H unseren herzlichsten, tiefgefühltesten Dank aus« H H W ien, im November 1927. fl| ^hhhihhhiihhIIhhiih^^ Nochmals: Der zionistische Delegiertentag. Wir haben in unserer letzten Nummer bei der Behandlung des jüngst stattgefundenen zionistischen Delegiertentages den Satz niedergeschrieben: „Die ganze Unfruchtbarkeit und — wir haben keinen anderen Ausdruck dafür — Ziellosigkeit des österreichischen Zionismus kam so recht auf dem Delegiertentag zum Ausdruck." Diese unsere Ansicht bestätigt auch der Bericht der .Prager zionistischen „Selbstwehr", den wir hier gekürzt zum Nachdrucke bringen, da er sehr interessant ist: Der Parteitag schloß mit einem schrillen Mißton. Die Wahl der neuen Leitung erwies sich als unmöglich. Der Fraktionsstreit wütet hierlands schon seit Jahren. Den „Radikalen" unter Oberbaurat Stricker, dem sich eine Anzahl prominenter Zionisten angeschlossen hat und der Handvoll „Revisionisten" stehen als Anhänger Weizmanns und seines Programms die überwiegende Mehrheit der einfachen Zionisten in den Bezirkssektionen gegenüber. Dabei beherrschte Stricker — zum Unwillen dieser Mehrheit — die „Morgenzeitung" und verfügt jetzt noch unbeschränkter über das von ihm begründete Privatorgan ,J3ie Neue Welt". Das letzte Landeskomitee unter Leitung des Dr. Goldhammer, der übrigens selbst Radikaler ist, mühte sich ehrlich, Beruhigung zu schaffen und alle Zionisten zu der einer Landesorganisation obliegenden Arbeit zurückzuführen. Leider ließ Goldhammer sich als Radikaler für den Kongreß kandidieren. Man wählte ihn auch — neben Dr. Schalit — und zwar nicht zuletzt aus Dankbarkeit für seine hingebungsvolle Tätigkeit als Obmann des Landeskomitees. Aber, obschon er zu dieser Kandidatur durchaus berechtigt war, schuf sie neues Mißtrauen und Verwirrung. Dr. Goldhammer stellte offen den Rückgang der Partei fest der sich in der Niederlage bei den Parlamentswahlen, im Eingehen der „Morgenzeitung" und im Abfall ei9i.es Großteils der Jugend zur Sozialdemokratie besonders Klar äußert Er ging den Gründen hierfür nach und schlug vor, fortab durch planmäßige Verbreitung, der zionistischen Ideologiewerbend zu wirken. Dr. Röthblum trat in einem ergänzenden Referat dafür ein, daß der Parteitag durch eine Parole für hebräische Sprache und Kultur endlich Ernst mache und ein weithin kündendes Beispiel gebe. Die Generaldebatte Heß sich gut an. Die' Debatter sprachen meist zur Sache und hatten nur wenige polemische Entgleisungen. Diese Stimmung schlug aber um, als Stricker — gegen einige an seiner intranslgenien Politik geübten Kritik — erklärte, daß er seinen Kampf gegen Agency und Krimkolonisation — trotz aller Kongreßbeschlüsse — unbeirrt fortführen werde. Es half nichts, daß er vorausgeschickt hatte, die Radikalen wären zur Mitarbeit am Aufbau der Öster- 7 AP AM A WETr> Kleideru. Gummimäntel-Fabrik I [*\ 1 f VI #■% I m\. Export nach a,len ^dem ß * » 8 » ■ ■ ■ » Zentrale: Wien II , GlOCkengaSse 24 Tel. 48-4-79 Wir Kiittiisbaamte und Varelnsfunktionäre segen Legitimation 10% Nachlaß

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