Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 49 (2.12.1927)
- Date
- 1927-12-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT mmmmmmmmmmmm bathvorstellung gibt. Man kann doch nicht ernstlich leugnen, daß die babylonischen bösen Siebenertage mit dem jüdischen Sabbath auch nichts gemein haben. So ist die ganze Beschreibung des Sabbaths von dem protestantischen Entwicklungsgedanken getragen. S. 75 ist Jes 30, 14 b sehr flüchtig übersetzt, es fehlen die Worte .von der Brandstätte*. S. 77 zu IX 2. 1 ist der Hinweis auf die Hermeneutik gut. es wäre vielleicht auch am Platz, den technischen Terminus der Regel hierherzusetzen. S. 118 ist die Anmerkung auf recht moderner Auffassung aufgebaut. Gen. 2. 24 dürfte ein Druckfehler für Ex 2 24 sein. 8. Erubin, erschienen 1926 von W. Nowack. Der Herausgeber bekennt im Vorwort, daß er der Benethschen Ausgabe viel Anregung verdanke. Die Einleitung ist nicht so sehr ruhig gehalten, das .zuläßt' kann leicht falsche Vorstellungen erwecken (S. 1), es ist ja nicht an eine unbedingt vorherige Erlaubnis gedacht, sondern an das im geschehenen Falle Unbestraft bleiben, weil die Tat auf ungewöhnliche Weise geschehen ist. In der Einteilung stellt sich Nowack in starkem Gegensatz zu A. Schwarz. S. 15 erwartet man eine längere Anmerkung. S. 16 zu I 7a muß darauf hingewiesen werden, daß der Grabdeckel sich vor dem Grabe befindet. S 32/3 zu III 50 ist die Anmerkung undeutlich, wenn nicht gar falsch. S. 35 der Begriff „Schalttage" kann leicht Mißverständnisse entstehen lassen. Die Anmerkungen sind reichlicher als sonst. 9. Pesachim, erschienen 1912 von Beer. Der Traktat enthält eine riesenhafte Einleitung, die unendlich gehässig geschrieben ist und daher schon a priori Widerwillen erregt, gar nicht zu ernster Beschäftigung raten kann. Davon müssen einige Proben gegeben werden, damit man sehe, wie weit auch der Wissenschaftler sich vergessen kann. Z. B. S. 109 „Durch das christliche Abendmahl ist das jüdische Ostermahl überholt und entwertet, und sind für das Gesamtwohl der Menschen vorher nur geahnte Lebenskräfte entbunden".....Damit ist die alte Welt abgetan und beginnt mit Jesus die Neuzeit, und darum steht die moderne Kulturmenschheit in Jesu bleibender Dankesschuld." S. 77 ist von der .nur einen frommen jüdischen Magen quälenden Frage* die Rede, S. 89 heißt es .einzelne gallige Ausfälle gegen die Nichtjuden werden in der Pessachhagada beseitigt. Christen nehmen an jüdischen Osterfesten, wenn auch oft nur als Zuschauer, teil!' S. 104 versteigt sich der Herausgeber zu folgendem Satz: ,die Pessachfeier gilt dem Bekenntnis der jüdischen Weltherrschaft, die Abendmahlsfeier dem Bekenntnis der Humanität.4 Eine unglaubliche, fast unverzeihliche Gegenüberstellung! Die iüdische Hoffnung auf das dritte Heiligtum veranlaßt S. XIX die Paranthese — .sehnsüchtig allerdings harrend — welch seltsames Unterfangen!'— Genug! Es ist traurig, daß Z. Karol sich in seiner hebräischen Mischnaausgabe (Krakau 1924) an diese Arbeit gehalten hat (vgl. dazu Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentunis 1925, S. 412 ff). Die Anmerkungen sind in demselben Geiste geschrieben (so S. 111 wird .von den geisttötenden und zeitvergeudpnden Pflichten des frommen Juden' gesprochen, oder S. 189 von einer »echt rabbinlschen Rechtfertigung'). Was an wertvollen Einzelbemerkungen vorhanden ist, fällt durch solchen Ton gar nicht mehr recht ins Gewicht. (Schluß folgt) VJC1^ Kritische Reise durch Palästina. Der lang erwartete Bericht von Dr. Alfred Wiener. Syndikus des Central-Vereines, über seine Palästtfnareise 1926 gelangt soeben imPhilo-Verlag, Berlin, zur Auslieferung. Das Buch enthält vier Hauptteile: Schwierigkeiten der Palästinaerkenntnis; Grundlagen der Palästinaerkenntnis; wesentliche Relseeindrücke; Schlußbetrachtung. Ein Anhang bringt wichtige Dokumente und Zahlen. 13 Karten und Zeichnungen ergänzen und heben die Darstellung. Wir veröffentlichen nachstehend einige Stellen aus der Einleitung, die die von warmem Gefühl durchzogene Sachlichkeit des Verfassers klar hervortreten lassen, und schließen den Anfang des Kapitels „Die englische Frage" an. Als ich von Palästina her wieder den Boden der deutschen Heimat betrat, fragten mich die, die ich zuerst begrüßte: „Wie gefällt Ihnen Palästina? Was halten Sie von Palästina?" Ich war um eine Antwort verlegen; nicht etwa aus Furcht vor der nationaljüdischen Presse in Deutschland oder vor der beliebten üblen Nachrede, die wohl jeden Nlchtzionisten treffen wird, erklärt er nflcht alles, was der Keren Hajessod tut und 181 Seite 5 wünscht, für unantastbar, sondern weil es unmöglich ist, mit einigen Sätzen oder gar mit einigen Worten auf diese inhaltschwere Frage eine treffende Antwort zu gaben. I-h wich einer billigen Antwort deshalb aus, weil ein vollkommen abgeschlossenes Urteil über das Gelingen des wirtschaftlichen und nationalen Aufbaues des zionistischen Palästina meiner Uebixzeugung nach noch nicht gegeben werden kann; denn alles ist m Gärung und im Werden. Eine vorschnelle Antwort kann der, der das Land der Väter seit Jahren kennt und liebt und der im Deutschen und im Jüdischen wertvolle und unentbehrliche Bestandteile seines Lebens sieht, auch darum nicht erteilen, weil er alles vermeiden möchte, um dem prachtvollen Willen und der großartigen Hingabe Tausender junger Menschen, die in Palästina leben und denen die nationale Zukunftsarbeit das Wesentliche ihres Lebensinhalts ist, mit dem sie bestehen oder zugrunde sehen, nicht leichtfertig wehe zu tun. So haben die folgenden Ausführungen, die sorgfältig durchdacht und gewissenhaft immer und immer wieder überprüft worden sind, durchaus nicht den Zweck, das zionistische Palästina-Werk etwa m Grund und Boden zu verdammen, sondern es ist Aufgabe dieser Ausführungen, Klarheit zu schaffen über alle aufbauenden Kräfte im Heiligen Lande, den Anteil der Zionistischen Organisation auf das richtige Maß zurückzuführen, ohne deshalb das, was sie geleistet hat, zu übersehen, insbesondere aber aufzuklären über den rein nationalen Charakter des zionistischen Aufbauwerkes und über die in Palästina Aufbauenden. Dabei wird die arabische, die englische sowie die religiöse Frage behandelt werden müssen, verhängnisvolle Propagandamethoden, nationalistische Übertreibungen werden zu beleuchten sein. Einiges, was der gesunde Menschenverstand erkannt hat, wird über den wirtschaftlichen Aufbau gesagt werden können; darüber aber hat der Fachmann, der ich zu sein mir nicht einbilde, das entscheidende Wort. Die englische Fräse. Ueberau, wo Engländer als Kolonialbeamte auftreten, verstehen sie, sich wenig sichtbar zu machen. In Palästina erscheinen englische Polizeioffiziere und Gendarmeriesoldaten hier und da in der Oeffentlichkeit, englische Zlvttbeaonte sind weniger zu bemerken. „Möglichst wenig eingreifen" ist ihre Losung. Die englische Verwaltung hält sich an die Balfour- Deklaration. Daß diese einmal aufgehoben wird, gjaubt niemand; aber jeder Ist überzeugt, die Balfour-Deklaration wird je nach der politischen Lage ausgelegt und benutzt werden. Die Auslegung der Balfour-Deklaration in der Gegenwart setzt bei dem wichtigen Begriff „Nationalheim" den Akzent mehr auf ,-Heim" als auf „Nation". Das ist dem palastmischen Nationaljudentum ein Dorn im Auge. Weizmann hat deshalb dauernd einen schweren Stand, nicht nur auf dem Kongresse. Die „Union der revisionistischen Zlonisten", die auf dem äußersten linken Flügel des politischen Zionismus steht und deren Einfluß gering zu schätzen verfehlt wäre, verlangt eine scharfe nationale Politik auch um den Preis, sich mit England zu verfeinden. Weizmann und der Vorsitzende der Palästina- Exekutive, Colonel Kisch, besonnene Politiker, weigern .sich, solchen Kurs zu steuern, wefl sie sich der jüdischen Schwäche bewußt sind. Ein Zeichen solcher radikalen Nationalpolitik war die Ueberführumg der Feldzeichen der jüdischen Legion, die seinerzeit innerhalb der englischen Armee auf dem rhlltllch In Ober 600 Verkaufsstelle» OroSvertrieb für Oesterreich: Sdhnhfabrlk ■««»■■■«=■- «Sc Endel Wien VII. Siebensterngasse 46, Tel. B31 3-73